Ärzte Zeitung, 14.01.2016

Grüne Woche in Berlin

Ein Stück Landleben in der Hauptstadt

Regionale Produkte, Bio- Delikatessen, der richtige Umgang mit Tieren: Auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin steht das Landleben im Mittelpunkt. Auch die medizinische Versorgung wird damit Thema.

Von Burkhard Fraune und Jana Kötter

BERLIN. Durch ein Meer holländischer Tulpen direkt zum Datteln-Kosten in die Gassen einer afrikanischen Altstadt - solche Kultursprünge erwarten Besucher der Grünen Woche.

Wenn die größte Agrar- und Ernährungsmesse der Welt am Freitag öffnet, liegen nicht nur die Auftritte der Niederlande und des Partnerlandes Marokko nah beieinander. Mehr als 60 Länder präsentieren in der deutschen Hauptstadt ihre Spezialitäten.

Zu probieren gibt es internationale Genüsse von Safran aus Afghanistan bis Käse aus Frankreich, aber auch deutsche Leckereien - sei es bayerischer Krustenbraten oder Maultaschen-Eis aus Schwaben.

Doch ein unbeschwerter Schlemmertreff ist die Messe schon seit Jahren nicht mehr. An den über 1600 Ständen werden auch die Lebensmittelskandale der vergangenen Jahre diskutiert.

Und Tausende Menschen wollen auch in diesem Jahr wieder in Berlin gegen Massentierhaltung und die "Agrarindustrie" protestieren.

Ernährung sicherstellen - aber wie?

Zeitgleich beraten Regierungsvertreter aus 70 Ländern über dieselbe Frage: Welches ist der richtige Weg, um die Ernährung für neun bis zehn Milliarden Menschen auf dem Planeten sicherzustellen, die für das Jahr 2050 erwartet werden?

Auch viele der mehr als 300 Seminare und Tagungen auf der Messe kreisen darum. Eine Sonderschau des Entwicklungsministeriums trägt den optimistischen Titel: "Eine Welt ohne Hunger ist möglich."

Die Debatten um Ernährungsstandards und Tierschutz haben die Grüne Woche verändert - das zeigt sich auch im Jahr ihres 90. Jubiläums. "Regionalität ist aktueller denn je", sagt ein Messesprecher. Die Kunden wollten die Herkunft nachvollziehen, weniger austauschbare Massenware.

Das zeigt auch der jüngst erschienene "Ernährungsreport 2016": Mehr als drei Viertel der Befragten gaben in der Forsa-Umfrage an, Wert darauf zu legen, dass ihre Lebensmittel aus der Region kommen. 86 Prozent der Verbraucher sind demnach für ein besseres Einkommen der Landwirte (die "Ärzte Zeitung" berichtete).

Eine eigene Halle für Bio-Produkte

Auf diesen Zug springen heute auch ausländische Aussteller auf. "Bio zieht immer", heißt es bei der Messe, die dem wachsenden Segment schon seit Jahren eine eigene Halle widmet.

Während auf den Feldern wenig zu bestellen ist, nutzen Landwirte aus ganz Deutschland die Messe als Treffpunkt. Neben Empfängen gibt es Leistungsschauen, wie sie sonst kaum ein Berliner zu Gesicht bekäme: Es werden Jungrinder vorgeführt, Pferdegespanne ins Rennen geschickt und die besten Schafzucht-Böcke prämiert.

Das soll Besucher anlocken - gut 400.000 werden es wohl wieder sein -, die die Messe zum Testmarkt der Ernährungsbranche machen.

Doch der Einblick ins Landleben beschränkt sich nicht nur auf die tierischen Aspekte: Neben Landwirtschaft, Bio-Delikatessen und regionalen Produkten stehen auch Themen wie die flächendeckende Breitbandversorgung oder die medizinische Versorgung im ländlichen Raum im Fokus. So beteiligt sich etwa auch der Deutsche Landkreistag (DLT) an der Grünen Woche - und das bereits zum neunten Mal.

"Wir wollen den ländlichen Raum nach vorne bringen und dazu beitragen, dass politische Weichenstellungen die Entwicklung auch außerhalb der großen Städte bestmöglich unterstützen", erklärt DLT-Präsident Landrat Reinhard Sager.

Dazu gehört auch die Vorstellung neuer Ansätze: sogenannter Mehrfunktionshäuser etwa. Sie vereinen Dorfladen, Gemeindeamt, Café und Landarztpraxis unter einem Dach. Die Mehrfunktionshäuser sind ein Schritt des neuen Programms für ländliche Entwicklung, mit denen das Bundeslandwirtschaftsministerium ländliche Regionen als attraktive und vitale Lebensräume erhalten will.

Das Ministerium hat eine eigene Sonderschau auf der Messe. Unter dem Motto "Fit für die Zukunft" geht es dort um Milchviehhaltung, das Klima, die Vermeidung von Lebensmittelabfällen - und eine ausgewogene Ernährung. (mit Material von dpa)

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