Ärzte Zeitung, 11.02.2016

Straßenkinder in Burundi

Verlorene Jugend

Hunger, Kriminalität und Einsamkeit gehören für Tausende Straßenkinder in Burundi zum Alltag. Die jüngste politische Krise in dem ostafrikanischen Land verschlechtert ihre ohnehin hoffnungslose Lage weiter.

Verlorene Jugend

Hartes Leben - doch man hält zusammen: Ein Junge wird von einem älteren Jungen gefüttert, aufgenommen in einem Dorf im Norden Burundis.

© Tom Schulze / dpa

BUJUMBURA. In seinem noch jungen Leben hat es das Schicksal nicht gut gemeint mit Akim Moustafa. "Meine Mutter ist früh gestorben und mein Vater - ein gelähmter Schneider - ist Alkoholiker und vertrinkt sämtliche Einnahmen", berichtet er. Nach eigenen Angaben ist Akim 14 Jahre, doch augenscheinlich ist er deutlich jünger.

Seit vier Jahren lebt er nun schon auf den Straßen von Bujumbura, der Hauptstadt Burundis. "Es ist ein ziemlich schwieriges Leben", sagt er mit leiser Stimme.

Kinder wie Akim scheinen im Zentrum der Hauptstadt des ostafrikanischen Landes beinahe zum Straßenbild zu gehören. Sie betteln in Parkbuchten, verkaufen Plastiktüten, laufen ziellos durch die Straßen und schlafen nachts auf zusammengefalteten Kartons. Nicht wenige von ihnen sehen aus, als seien sie noch keine zehn Jahre alt.

Zumeist tragen sie nur ein paar zerlumpte Kleidungsstücke am Leib, manche haben noch nicht einmal Schuhe an den Füßen.

Mehr als 3000 Straßenkinder

Eine Untersuchung der Regierung kam 2010 zu dem Ergebnis, dass es allein in drei Städten des Landes - Bujumbura, Gitega im Zentrum und Ngozi im Norden - mehr als 3000 Straßenkinder gibt. Schätzungsweise zwei Drittel davon in der Hauptstadt.

"Die Leute nennen mich einen Banditen, ich wurde unzählige Male festgenommen und geschlagen von der Polizei, die mir mein erbetteltes Geld abgenommen hat", sagt der schüchterne Junge. Hilfsorganisationen gehen davon aus, dass die jüngsten Unruhen im Land die Zahl der Straßenkinder weiter erhöht haben.

Fast eine Viertelmillion Menschen sind seit dem vergangenen Frühjahr aus Angst vor einer weiteren Eskalation in Nachbarländer geflohen. Aber auch in Burundi selbst leben noch zahlreiche Vertriebene. Bei der Flucht sind immer wieder auch Kinder von ihren Eltern getrennt worden.

Allerdings rührt die hohe Zahl der Straßenkinder auch aus der jüngeren Geschichte des Landes. Neben dem Bürgerkrieg von 1993 bis 2005 machte auch die Ausbreitung von Aids Hunderttausende in Burundi zu Waisen.

Immer wieder kommt es zu Gewalt

Seit April steckt das Land in einer neuen Krise. Auslöser war das Bestreben des Präsidenten, sich trotz einer gesetzlichen Begrenzung auf zwei Amtszeiten ein weiteres Mandat zu sichern. Seither kommt es immer wieder zu Gewalttaten. Mehrere Hundert Menschen wurden aufseiten der Regierung und der Opposition getötet. Ende Dezember trafen sich die verfeindeten Parteien erstmals in Uganda zu Gesprächen.

Der wirtschaftliche Abschwung im Zuge der jüngsten Krise hat auch die Lage der Straßenkinder nicht eben einfacher gemacht. So sind ihre Aussichten auf ein Essen oder ein bisschen erbetteltes Geld seitdem gesunken.

Zugleich berichten Hilfsorganisationen vor Ort, dass sich ihre Mitarbeiter nachts nicht mehr nach draußen wagten, um Kinder zu versorgen.

Gangs bieten Schutz - und Risiken

Mindestens 18 Kinder sind nach Angaben des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen (Unicef) während der Unruhen getötet worden. Mehr als 100 wurden willkürlich verhaftet, wobei die UN allerdings nicht angeben, ob die Zählung auch Straßenkinder erfasst.

Diese suchen nicht selten Schutz, indem sie sich zu Gangs zusammentun. Damit verbunden seien allerdings zuweilen Aufnahmerituale, wie die Einnahme von Drogen, Diebstahl oder auch Vergewaltigung, sagt Wenceslas Nyabenda von der Hilfsorganisation Giriyuja. Viele Jungen und Mädchen betäubten sich mit dem Schnüffeln von Klebstoff oder konsumierten andere süchtigmachende Substanzen.

"Sie wachsen oft zu Drogendealern heran, während sie selbst weiterhin den Stoff konsumieren - und sterben jung. Manche schließen sich auch bewaffneten Gruppen an."

Trotz des Leids und der Armut zeigen viele auf der Straße lebende Kinder noch Loyalität mit jenen Erwachsenen, die sie mehr oder weniger verlassen haben, und teilen mitunter ihre spärlichen Einkünfte noch mit ihnen. "Selbst wenn mein Vater behindert ist, er bleibt mein Vater. Es ist meine Pflicht, ihm zu helfen", sagt Akim Moustafa. (dpa)

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