Ärzte Zeitung, 23.03.2016

Jazzende Ärzte

So funktioniert die Mediziner-Bigband

Mediziner können auch Musik, wie Chirurg und Saxofonist Mark Malota mit der Münchner Ärzte-Bigband Groove Hospital beweist.

Von Christina Bauer

So funktioniert die Mediziner-Bigband

Mark Malota und seine Münchner Ärzte-Bigband Groove Hospital bei einem Auftritt (c) Christina Bauer

MÜNCHEN. "Alle haben ein gemeinsames Ziel, jeder weiß, was er zu tun hat. Das Ganze klappt aber nur in einem gut abgestimmten Zusammenspiel." Der Münchner Chirurg Mark Malota könnte von einem operativen Eingriff sprechen, oder von einem Konzert.

Dass es zwischen beidem Gemeinsamkeiten gibt, entspricht seiner Erfahrung. Vor acht Jahren gründete er Groove Hospital, Münchens "medizinische Bigband". Für den Jazz hatte sich der Arzt, dessen unverkennbarer Hang zur Komik ihm beim Auflockern seiner Moderationen sehr zugute kommt, schon lang vorher begeistert. Eine Zeit lang studierte er gar parallel Medizin und Jazzsaxofon, doch nach vier Semestern Musikstudium wurde ihm klar, dass das erstere Fach seinen beruflichen Weg bestimmen würde.

Zumindest ein Hobby sollte die Musik aber bleiben. So spielte er weiter in der Bigband des Schlagzeugers Harald Rüschenbaum mit. Das blieb nicht unbekannt, und so fragten ihn während seiner Tätigkeit als Unfallchirurg im städtischen Klinikum Harlaching Kollegen, ob er nicht mit einigen Musikerfreunden eine leitende Oberärztin wohlklingend verabschieden könne.

Der kleine Auftritt im Jahr 2008 wurde zum Ursprung der Bigband, die sich Malota immer gewünscht hatte. Denn: mit einem mal meldeten sich immer mehr musikalisch bewanderte Kollegen, die mitmachen wollten. Irgendwann musste der Chirurg nur noch wenige Musiker dazuholen, um die Besetzung zu vervollständigen.

Noch heute arbeiten die meisten Mitglieder an Münchner Kliniken, etwa im Bereich Anästhesie, Chirurgie, Psychosomatik oder Neurologie. Zwei von ihnen sind noch immer in Harlaching tätig, wo zudem die Proben stattfinden. Doch auch niedergelassene Kollegen sowie ein Medizinjurist sind mit von der Partie. Die Musik von Jazzkomponisten wie Buddy Rich, Count Basie oder Peter Herbolzheimer muss also in ein Gefüge von fast 20 Dienstplänen passen. Malota bestätigt, dass der Faktor Zeit der kritischste ist, aber das besondere Hobby ist es allen wert. Und: der Umfang ist bewusst begrenzt. "Es ist wichtig, dass alle motiviert bei der Sache sind, sich auf jede neue Probenphase und das Konzert freuen", so der Bandleader. "Deswegen beschränken wir uns auf drei Auftritte im Jahr."

Einer dieser Termine findet immer in der Faschingszeit im Jazzclub Unterfahrt, einer der renommiertesten deutschen Jazzbühnen, statt. Der Andrang beim ersten Konzert 2011 war so enorm, dass die Band seitdem an zwei Tagen in Folge spielt. Im Sommer gibt es einen Open Air-Auftritt, im Herbst ein Konzert auf einer kleineren Bühne.

Eine regelmäßige, wöchentliche Probenarbeit wie bei professionellen Bigbands wäre indes undenkbar. "Wir proben nur vor den Konzerten. Das waren als Vorbereitung für unsere letzten beiden Konzerttage im Jazzclub Unterfahrt drei Abende unter der Woche und ein Wochenendtag. Die Termine gebe ich ein halbes Jahr im voraus bekannt." Zudem verschickt Malota vorab Audio-Dateien und Noten, mit denen sich jeder individuell vorbereiten kann.

Ein Teil des Geheimnisses ist zweifellos, dass sich die Musiker im Alltag immer wieder Zeit für ihr Instrument nehmen - selbst wenn es nicht leicht fällt. "Wenn ein Arzt den ganzen Tag über im OP stand und dann abends zu Hause noch üben möchte, braucht er dafür enorme Disziplin und eine wirklich gute Organisation. Sonst geht das nicht." Den Bandmitgliedern gelingt es offenbar gut, bei den Konzerten lassen einige selbst solistische Qualitäten hören.

Ab und an lädt Malota Gastsolisten ein, selbstredend medizinisch kundige. Er selbst besucht Bandleader-Workshops und schaut sich bei professionellen Jazz-Bigbands gerne mal was ab. Bisweilen gibt es auch Workshops für die gesamte Ärzteband. So etwa von Harald Rüschenbaum, in dessen Ensemble Malota immer noch mitspielt, obwohl er, wie er bekennt, oft Probentermine absagen muss.

"Mir kommt es vor allem darauf an, dass wir die Freude an der Musik transportieren. Da darf sich in der Band ohne Weiteres auch mal einer verspielen, Hauptsache, die Begeisterung für die Sache kommt rüber." Das ist auch gut für die in internationalen Krisenregionen tätigen Kollegen von Ärzte ohne Grenzen, denn der Großteil der Einnahmen geht an sie.

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