Ärzte Zeitung, 25.04.2016

Körperkunst

Gefährliche Tattoos am Augapfel

Nicht nur die Haut tätowieren, sondern auch die Augen? Experten warnen, Tattoo-Fans setzten dabei ihr Augenlicht aufs Spiel.

Gefährliche Tattoos am Augapfel

Schau mir in die Augen: Diese Dame hat grünblau tätowierte Augäpfel.

© Subel Bhandari / dpa

MELBOURNE. 2007 tätowierte er das erste Mal einen Augapfel: Der US-Tattoo-Künstler Luna Cobra gilt als Erfinder von Tattoos an dieser ungewöhnlichen Stelle. Er ließ sich vom Science-Fiction Film "Dune - Der Wüstenplanet" inspirieren. Seitdem hat er nach eigenen Angaben Hunderte Menschen weltweit tätowiert.

Die Prozedur klingt simpel, aber auch schmerzhaft und gefährlich: Mit einer Nadel werde Tinte in die Sklera, die Haut, die das Weiß des Auges umgibt, gespritzt, sagte Cobra. Der Eingriff dauere nur wenige Minuten.

Nie habe es bei einem seiner Kunden Komplikationen gegeben, sagt der Tattoo-Künstler, der inzwischen in Melbourne ein Studio hat. Doch Ärzte und Experten warnen vor Augapfel-Tattoos. Der Eingriff gefährde das Sehvermögen, sagt der australische Augenarzt Luke Arundel und bezeichnet ihn als "extrem gefährlich".

Wer das Weiß seiner Augen tätowieren lasse, riskiere schwere Infektionen, eine Netzhautablösung, chronische Kopfschmerzen sowie Geschwüre und extreme Lichtempfindlichkeit.

"Außerdem, gibt es keine Garantie, dass nicht im späteren Leben noch Komplikationen auftreten können", sagt Arundel.

Auge - ein sehr empfindliches Organ

Dieser Ansicht waren auch australischen Behörden und verschärften unter anderem die entsprechenden Hygienevorschriften. "Cobra mag bisher eine gute Bilanz gehabt haben, aber am Ende des Tages sind die Augen das empfindlichste Organ unseres Körpers", warnt Arundel.

Cobra betont, missglückte Eingriffe durch unerfahrene Tattoo-Künstler stimmten ihn betrübt. "Ich fühle mich auf gewisse Art verantwortlich. Es war meine Erfindung." Dabei habe er die Tätowierung des Augapfels als Kunst geschaffen, damit Menschen sich ausdrücken und mit ihrem Körper wohl fühlen könnten.

Die Australierin Kylie Lee Garth fühlte sich bei Cobra wohl aufgehoben. "Der Eingriff war gut", sagt sie. "Ich habe die kalte Nadel gespürt. Es war der aufregendste Tag meines Lebens." (dpa)

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