Ärzte Zeitung, 18.04.2016

Ecuador

Ärzte und Helfer kämpfen

In einem Wettlauf mit der Zeit suchen Retter nach dem Erdbeben in Ecuador nach Überlebenden. Oftmals können sie aber nur Tote bergen - und das Ausmaß der Katastrophe könnte noch größer sein. Ein Team der Ärzte ohne Grenzen ist unterdessen auf dem Weg nach Ecuador.

Von Ramiro Carrillo und Anne Zegelman

QUITO. Nach dem Erdbeben in Ecuador haben Rettungskräfte bereits mehr als 270 Tote geborgen. Mindestens 2068 Menschen seien verletzt worden, teilte Präsident Rafael Correa nach einem Besuch im Katastrophengebiet im Westen des Landes am späten Sonntagabend mit.

Es sei aber mit weiteren Opfern zu rechnen: "Ich fürchte, die Zahl wird noch steigen, weil wir weiterhin Trümmer beseitigen."

Vizepräsident Jorge Glas hatte zuvor von 2527 Verletzten gesprochen. Hunderte Menschen gelten noch als vermisst. Nach den Worten des Präsidenten handelt es sich um die schlimmste Katastrophe in Ecuador in 67 Jahren.

Ärzte ohne Grenzen schickt Team

Unterdessen ist ein Team von Ärzte ohne Grenzen (Medecins Sans Frontieres, MSF) auf dem Weg ins Erdbebengebiet, wie Hilfsorganisation am Montag mitteilte. Das fünfköpfige Team bestehe aus einem Arzt, zwei Psychologen, einem Logistiker und einem Koordinator.

Die Gruppe komme aus Kolumbien und werde die betroffene Region voraussichtlich am Montag erreichen. Das Team werde sich ein Bild von den Bedürfnissen der Überlebenden machen. Anschließend solle darüber entschieden werden, ob und wie Ärzte ohne Grenzen aktiv wird.

Der Katastrophenschutz in Ecuador teilte mit, nach bisherigen Erkenntnissen seien rund 370 Gebäude zerstört worden. "Dies sind äußerst schwierige Zeiten für unser Vaterland", sagte Präsident Correa.

Der Staatschef besuchte die Städte Manta und Portoviejo in der besonders stark getroffenen Provinz Manabí an der Pazifikküste. Correa war kurz zuvor von einer Vatikan-Visite zurückgekehrt.

100 Häftlinge entkommen

Das Beben der Stärke 7,8 hatte das südamerikanische Land am Samstagabend erschüttert. Das Epizentrum lag in der Provinz Esmeraldas. Nach Angaben der Katastrophenschutzes gab es seit Samstag mehr als 150 Nachbeben. Rund 10.000 Soldaten und 4000 Polizisten sind den Angaben zufolge bei Rettungsarbeiten im Einsatz.

In Portoviejo nutzten mehr als 100 Häftlinge die Lage, um aus dem beschädigten örtlichen Gefängnis auszubrechen, wie Justizministerin Ledy Zuñiga im Kurznachrichtendienst Twitter schrieb. Etwa 30 seien danach wieder gefasst worden, andere seien freiwillig zurückgekehrt.

Tausende Sicherheitskräfte waren in den Stunden nach dem Unglück in das Katastrophengebiet entsendet worden, um die öffentliche Ordnung aufrechtzuerhalten. Aus vielen Regionen gab es Bilder von schweren Verwüstungen. Einem Bericht der Zeitung "El Comercio" zufolge war der Ort Pedernales in Manabí weitgehend zerstört.

Viele Menschen suchten nach verschwundenen Angehörigen unter den Trümmern, hieß es. Länder aus der Region wie Mexiko, Kolumbien und Venezuela schickten Helfer in das Katastrophengebiet.

In sechs Provinzen Ecuadors galt der Ausnahmezustand. Am Montag sollten nach Medienberichten die Schulen in vielen Provinzen geschlossen bleiben.

Beben auch in Quito spürbar

Das Beben war auch in der Hauptstadt Quito im Landesinneren zu spüren. Aus der Hafenmetropole Guayaquil wurden ebenfalls Tote und Schäden gemeldet.

Ecuador gilt als besonders anfällig für Naturkatastrophen. Das Land mit seinen rund 16 Millionen Einwohnern liegt geografisch am sogenannten Pazifischen Feuerring, einem Gürtel Hunderter aktiver Vulkane. Er ist etwa 40.000 Kilometer lang und wie ein Hufeisen geformt.

Dort treffen verschiedene Platten der Erdkruste aufeinander. Es kommt zu tektonischen Verschiebungen und Verwerfungen, die Vulkanausbrüche, Erdbeben und Tsunamis zur Folge haben. (dpa)

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