Ärzte Zeitung, 27.05.2016

Herpes

Ein Vater warnt auf Facebook

Ein Vater zeigt auf Facebook, wie gefährlich Herpes für Babys sein kann, und rührt damit Zehntausende Menschen. Sein erst zwei Monate alter Sohn hatte sich mit dem Virus angesteckt - und kämpft nun ums Überleben.

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© Jens Büttner / dpa

HAMBURG. Mit seinem Facebook-Post bewegt er Zehntausende: Thorsten S. warnt mit einem Foto seines Sohnes John in dem sozialen Netzwerk vor Herpesinfektionen bei Babys. Der erst zwei Monate alte Säugling hatte sich kurz nach der Geburt mit dem Virus infiziert - nun kämpft er ums Überleben. Bisher teilen mehr als 43.000 Menschen den Facebook-Beitrag des Hamburgers, zahlreiche Medien berichten über den Fall.

"Wir hätten nie mit so einer enormen Resonanz gerechnet und sind absolut überwältigt davon", sagt der 34-jährige Vater. Er und seine Frau hätten eigentlich nur Freunde und Bekannte über den Zustand ihres Sohnes informieren wollen. "Dabei war uns auch wichtig, über die tückischen Folgen einer Infektion aufzuklären."

Infektion in der Regel harmlos

Denn das Virus hatte bei John eine Enzephalitis verursacht. "Diese schwere und glücklicherweise eher seltene Verlaufsform wird meistens durch das Herpes-Simplex-Virus 1 ausgelöst", erklärt die Chefärztin der Kinderstation der Asklepios Klinik Pasewalk, Antje Vogler.

Dieser Herpes verursache auch die typischen Lippenbläschen und werde durch Küssen oder engen Hautkontakt übertragen. Typ 2, der Genitalherpes, sei seltener und breche nur bei wenigen Menschen aus.

Für die meisten Erwachsene ist die Infektion mit Herpesviren zwar unangenehm, aber in der Regel harmlos. Ganz anders bei Neugeborenen und Säuglingen. "Ihr Immunsystem ist noch nicht stark genug, um gegen die Viren anzukämpfen", sagt die Kinderärztin.

Die dann auftretenden Symptome ähneln zunächst einer Grippe. "Der Säugling wirkt blass, teilnahmslos und es treten meistens Krampfanfälle auf, manchmal Fieber", berichtet die Expertin.

Kampf ums Überleben

Auch bei John fing es so an. "Er schrie, krampfte, zitterte mit den Armen, später überstreckte er sich - seine Augen rollten nach hinten - wir fuhren mit ihm gleich ins Krankenhaus", sagt sein Vater. Dort habe es dann die Diagnose, gefolgt von einer fünfwöchigen Behandlung mit antiviralen Mitteln und schließlich die Gewissheit gegeben: "Die Ärzte können nichts mehr für ihn tun, der Herpes hat großen Schaden angerichtet. Jetzt muss er es selber schaffen." Mit "es" meint der Vater den Kampf ums Überleben.

Wann und wo sich John mit dem Virus angesteckt hat, wissen seine Eltern nicht. Möglich ist eine perinatale Infektion, aber auch eine spätere Übertragung der Herpesviren etwa von Menschen in der Klinik oder daheim ist denkbar.

Damit andere Familien so etwas nicht durchmachen müssen, setzt sich der Vater für mehr Aufklärung ein. "Bevor wir davon betroffen waren, hatten wir keine Ahnung, dass Herpes bei Babys so gefährlich sein kann", sagt Thorsten S. "Wenn durch den Facebook-Post oder die Medien nur ein Kind gerettet wird, hätte Johns schwerer Weg einen Sinn." (dpa)

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