Ärzte Zeitung, 09.06.2016

Bienchen und Blümchen

Wer klärt die Jugend auf?

Geht es um Sexualität und Verhütung, fragen immer weniger Mädchen und Jungen ihre Eltern um Rat. Stattdessen informieren sich Heranwachsende bei Ärzten, Lehrern - oder im Internet.

Von Pete Smith

Wer klärt die Jugend auf?

Sexualkundeunterricht in der Schule oder Aufklärung beim Arzt: Bei Fragen rund ums Thema Sex sind Eltern nicht mehr Ansprechpartner Nummer Eins.

© Steiner / Stratenschulte / dpa

NEU-ISENBURG. Wenn es um Aufklärung und Verhütung geht, vertrauen immer mehr Jugendliche der Expertise ihres Arztes oder Lehrers statt dem Urteil ihrer Eltern. Während 17-jährige Mädchen am häufigsten Rat bei ihrem Gynäkologen suchen, fühlen sich Jungen vor allem durch die Sexualaufklärung im Schulunterricht informiert.

Das trifft besonders auf männliche Teenager aus Migrantenfamilien zu, wie aus der jetzt veröffentlichten Studie "Jugendsexualität 2015" der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) hervorgeht.

Für ihre achte Trendstudie über Einstellungen und Verhaltensweisen von Jugendlichen bezüglich Sexualität, Aufklärung und Verhütung hat die BZgA 3568 Jugendliche im Alter von 14 bis 17 Jahren befragt, darunter 1056 Mädchen und Jungen, deren Eltern ausländische Wurzeln haben.

Die Bedeutung des Internets wächst

Traditionell ist die Mutter für heranwachsende Mädchen erste Ansprechpartnerin in puncto Sexualität, während sich bei der Aufklärung der Söhne Vater und Mutter gleichermaßen einbringen.

Bei Fragen der Verhütung wenden sich Jugendliche heutzutage jedoch viel seltener an ihre Eltern als früher: Fragten 2005 in Deutschland noch 70 Prozent der Mädchen und 60 Prozent der Jungen ihre Eltern um Rat, so sind es inzwischen nur noch 63 Prozent der Mädchen und 51 Prozent der Jungen.

Jugendliche aus Migrantenfamilien haben noch weniger Vertrauen in ihre Eltern: Nur 41 Prozent der Mädchen und 36 Prozent der Jungen wenden sich bei Fragen rund um das Thema Verhütung an Mutter oder Vater.

Bei der Aufklärung Jugendlicher hat die Bedeutung des Internets seit der Jahrtausendwende rasant zugenommen. Inzwischen geben 47 Prozent der Jungen und 39 Prozent der Mädchen an, dass sie sich bei Fragen der Sexualität im Internet informieren, vor allem in Online-Lexika wie Wikipedia.

Darüber hinaus nutzen Mädchen eher Internetforen, Aufklärungs- und Beratungsseiten, während Jungen lieber Sexfilme anschauen, um ihre Wissenslücken zu füllen. Die früher beliebten Jugendzeitschriften verlieren in puncto Aufklärung zunehmend an Bedeutung.

Gynäkologe als Ansprechpartner

Gerade für Jungen wird die Sexualerziehung in der Schule immer wichtiger: Erstmals seit Beginn der BZgA-Erhebung 1980 nannten mehr Jungen ihren Lehrer (45 Prozent) als wichtigsten Ansprechpartner für Fragen der Sexualaufklärung als ihre Mutter (38 Prozent). Für Jungen aus Migrantenfamilien ist die Schule eindeutig der wichtigste Ort der Aufklärung.

Mädchen vertrauen darüber hinaus ihrer Frauenärztin oder ihrem Gynäkologen: Für die 17-jährigen jungen Frauen sind Mediziner bezüglich Aufklärung und Verhütung sogar die ersten Ansprechpartner. Weiterhin informieren sich Jugendliche bei Gleichaltrigen, ihren Partnern und selten auch in Beratungsstellen über Verhütung.

Entgegen der allgemeinen Auffassung haben Jugendliche heute ihren ersten Sex nicht früher, sondern später als in zurückliegenden Zeiten. Die Zahl der sexuell aktiven 14-Jährigen beispielsweise ist von zwölf Prozent 2005 auf sechs Prozent 2015 gesunken.

Der BZgA-Erhebung nach haben aktuell 19 Prozent der 15-jährigen, 39 Prozent der 16-jährigen und 58 Prozent der 17-jährigen Bundesbürger schon einmal Geschlechtsverkehr gehabt, wobei Mädchen und junge Frauen insgesamt früher sexuell aktiv sind als Jungen oder heranwachsende Männer.

Töchter aus Migrantenfamilien haben sehr viel später Sex als weibliche Teenager aus deutschen Herkunftsfamilien: 82 Prozent der 18-jährigen Frauen aus deutschstämmigen Familien gaben an, schon einmal Geschlechtsverkehr gehabt zu haben, aber nur 42 Prozent der jungen Frauen, deren Eltern ausländische Wurzeln haben.

Heidrun Bode und Angelika Heßling:

"Jugendsexualität 2015. Die Perspektive der 14- bis 25-Jährigen". Der Bericht ist zum kostenlosen Download im Internet verfügbar: http://tinyurl.com/hh68ypp

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