Ärzte Zeitung, 19.08.2016

Marianne Koch

Lieber Ärztin als Hollywood-Star

Schauspielerin, Moderatorin, Ärztin, Autorin: Marianne Koch hat gleich mehrfach Karriere gemacht. Ihre Berufung aber sah sie in der Medizin - und kehrte dafür sogar Hollywood den Rücken. Heute wird sie 85.

Von Ute Wessels

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Marianne Kochs Leidenschaft ist bis heute die Medizin.

© Karlheinz Schindler / ZB / dpa

MÜNCHEN. Sie könnte seit 20 Jahren im Ruhestand sein, doch das kommt für Marianne Koch nicht infrage. Ihre Leidenschaft gehört der Medizin. Dafür beendete die Münchnerin einst ihre Filmkarriere. Die Ärztin berät seit 15 Jahren Radiohörer in der "Gesundheitssprechstunde" im Bayerischen Rundfunk und schreibt nebenbei an einem neuen Buch.

Um ihren 85. Geburtstag will sie kein Aufhebens machen. "Geburtstagsfeiern sind etwas für Kinder." Und Zeit zum Feiern hat sie eigentlich auch nicht. Schließlich will sie ihr neues "Vorsorge-Buch" endlich abschließen. Einmal in der Woche geht Marianne Koch für den BR auf Sendung und das ein oder andere Interview steht auch noch an. Noch so intensiv arbeiten zu können, empfindet sie als Glück und Privileg.

"Nebenbei" zum Film gekommen

Hollywood-Star zu werden, ist nicht der Plan von Marianne Koch, als sie 1949 in München das Abitur macht. Stattdessen beginnt sie ein Medizinstudium. Die Schauspielkarriere passiert ihr quasi nebenbei. In den Semesterferien übernimmt sie erste kleinere Rollen. Nach dem Physikum 1952 unterbricht sie das Studium und konzentriert sich auf den Film. Ohne Schauspielunterricht wird sie für Millionen Kinogänger zum Idol der Wirtschaftswunderjahre.

Sie steht an der Seite von Curd Jürgens, Heinz Rühmann, O.W. Fischer und Gregory Peck vor der Kamera - und bezaubert das Publikum mit ihrem Lächeln und ihrem Charme. In Helmut Käutners "Ludwig II." gelingt ihr dann der Durchbruch. Für ihren Auftritt in "Des Teufels General" wird sie mit dem Bundesfilmpreis ausgezeichnet.

Es folgen bis 1970 rund 70 Kinofilme, darunter "Der Stern von Afrika", "Die Landärztin", "Mitternachtsmörder" sowie die Western "Der letzte Ritt nach Santa Cruz". In dem Sergio Leone-Klassiker "Für eine Handvoll Dollar" spielt sie mit Hollywoodstar Clint Eastwood.

Hollywood allein reicht nicht

Doch der Glanz der Filmwelt füllt Koch nicht aus. 1973 kehrt sie - inzwischen Mutter zweier Söhne - an die Uni zurück und schließt wenige Jahre später ihr Studium mit der Promotion ab. 1985 eröffnet sie in München eine internistische Praxis. Rückblickend sieht sie die Schauspielerei nur als eine langjährige Episode an: "Die (Filmkarriere) ist für mich nicht nur zeitlich, sondern auch emotional eine ziemlich vage Erinnerung."

Ihre große Bekanntheit beim deutschen TV-Publikum verdankt Koch besonders dem ARD-Ratespiel "Was bin ich?" mit Gastgeber Robert Lembke.

1976 gewann sie einen Grimme-Preis

Sie gehörte seit den 60er Jahren als Mitglied der Stammbesetzung neben Annette von Aretin, Guido Baumann und Hans Sachs mit ihren treffsicheren Fragen zu der Sendung wie das Schweinderl, in dem die Fünf-Mark-Stücke der Kandidaten klingelten. Koch war in vielen weiteren TV-Sendungen präsent, für ihre Moderation in der Talk-Sendung "III nach Neun" bekam sie 1976 einen Grimme-Preis.

Kochs Passion ist bis heute die Medizin. 14 Jahre lang steht sie als Präsidentin der Deutschen Schmerzliga vor und ist ihr als Ehrenpräsidentin weiter verbunden. Sie gibt Patientenseminare, schreibt mehrere medizinische Ratgeber und tritt im Radio auf. Das "Gesundheitsgespräch" im BR findet sie deshalb toll, "weil wir eine ganze Stunde lang in aller Ausführlichkeit ein medizinisches Thema erklären und darüber mit den Hörern sprechen können".

Jetzt steht erst einmal der Geburtstag an. Den will Marianne Koch mit der Familie und Freunden "so normal wie möglich" verbringen. "Mal schauen, ob es gelingt." (dpa)

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