Ärzte Zeitung online, 19.05.2017

Uniklinik Köln

Paradies für kleine Fußball-Fans

Fußball und Gesundheit liegen manchmal gar nicht weit auseinander: In der Kölner Uniklinik warten junge Patienten künftig im wahren Fan-Zimmer.

Von Ilse Schlingensiepen

Paradies für kleine Fußball-Fans

FC-Präsident Werner Spinner mit dem kleinen Lionel Maxim und seiner Mutter Nicole Leonhardt: Das Fan-Babybuch kommt gut an.

© Ilse Schlingensiepen

KÖLN. Vor einem halben Jahr hat Dr. Frank Eifinger, Leiter der Kinder- und Jugend-Notfallmedizin an der Universitätsklinik Köln, einen Jungen bei der Geburt notärztlich versorgt. Der Vater des Neugeborenen, Lion Demirkan, trug bei der Geburt ein Trikot des 1. FC Köln. Am Abend trafen sich Eifinger und Demirkan, den die Ärzte auf der Intensivstation nach Hause geschickt hatten, zufällig wieder: Sie standen nebeneinander im Stadion in Köln-Müngersdorf, in der Fan-Kurve des FC. Beide sind Mitglieder bei Fanclubs des Kölner Fußballvereins. Demirkan bedankte sich bei dem Arzt für seinen Einsatz.

Dem kleinen Lionel Maxim geht es inzwischen sehr gut. Er ist der jüngste Gast bei der offiziellen Einweihung eines neu gestalteten Wartezimmers in der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin der Uniklinik. Der kleine Raum ist ganz in den FC-Farben rot und weiß gehalten – oder wie die Kölner sagen: rut un wieß. Die jungen Patienten dürfen auf FC-Stühlen sitzen, mit einer Plastik-Figur des Ziegenbocks Hennes spielen, der das Maskottchen des Clubs ist, oder ein FC-Trikot oder andere Fan-Artikel betrachten. Für die ganz Kleinen gibt‘s ein Babybuch.

Das Wartezimmer markiert den Beginn einer Kooperation zwischen der Uniklinik und dem FC, initiiert von Kinderarzt Eifinger. "Ich konnte nicht anders", sagt er. Mit seiner Leidenschaft für den Fußballverein ist er in der Kinder- und Jugendklinik nicht allein. "Rund ein Viertel der Ärzteschaft geht regelmäßig ins Stadion", berichtet er.

"Sowohl der FC als auch die Uniklinik sind Institutionen in Köln. Bei beiden geht es um positive und negative Emotionen", sagt Professor Edgar Schömig, Vorstandsvorsitzender und Ärztlicher Direktor der Uniklinik. Die Klinik habe sich der menschlichen Medizin verschrieben. Dazu gehöre es, möglichst positive Emotionen zu wecken, um die Patienten abzulenken.

Gerade bei Kindern sei das wichtig. Dass die Kooperation mit dem FC eine gute Idee war, hat sich in der Kinderklinik schnell gezeigt. "Als der Raum noch zugesperrt war, standen die Kinder an den Fenstern und haben sich die Nasen plattgedrückt", so Schömig.

FC-Präsident Werner Spinner – ehemaliger Vorstand bei Bayer – sieht die Zusammenarbeit als tolle Idee. "Wir werden uns bemühen, die positiven Emotionen weiter zu halten", sagte er mit Blick auf den aktuell guten Tabellenplatz des Vereins. Der FC wolle gern dabei helfen, dass es den Kindern in der Klinik gut geht, so Spinner. Der Verein hat die Ausstattung des Wartezimmers gestellt.

Auch in der Universitäts-Frauenklinik, die auf lange Sicht mit der Kinder- und Jugendklinik zusammengelegt werden soll, wird in Kürze ein FC-Wartezimmer eröffnet. Doch dabei soll es nicht bleiben: Ein Kreißsaal in rot und weiß wird folgen. Das ist eine ideale Voraussetzung, um neue Fans und Mitglieder für den Verein zu gewinnen, findet Spinner. "Das Kind schreit, guckt und nickt."

Der sechs Monate alte Lionel Maxim, der passend ein kleines Trikot trägt, ist schon Mitglied. Das FC-Babybuch und der FC-Ball gefallen ihm offensichtlich gut. "Es gibt eben Eltern, die machen alles richtig", sagt der FC-Präsident. Die kleinen Fans von anderen Vereinen, etwa der großen Rivalen Borussia Mönchengladbach oder Bayer 04 Leverkusen, brauchen keine Angst zu haben: Es gibt auch andere Wartezimmer in der Kinderklinik. Sie dürfen aber auch ins FC-Zimmer, betont Spinner. "Wir stehen für Integration und Inklusion."

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