Ärzte Zeitung, 02.06.2004

Schneeweißer Sarg und schwarzer Leichenwagen für den toten Bello

In den USA werden Haustiere häufig wie Menschen bestattet / 1500 Tierfriedhöfe

WASHINGTON (dpa). Duffy ist elf Jahre alt und hat Arthritis. Jeden Tag bekommt er zwei Tabletten ASS gegen die Schmerzen - aber sehr lange hat der Labrador-Retriever nicht mehr zu leben.

Das weiß auch seine Besitzerin Martha Black in Washington. "Ich denke darüber nach, meinen geliebten Hund standesgemäß zu beerdigen", sagt sie. "Wenn es soweit ist." Wie viele Amerikaner will sie ihren vierbeinigen Liebling nicht mehr einfach im Garten verscharren oder verbrennen lassen. Stattdessen soll es eine feierliche Zeremonie werden, mit richtigem Sarg und Grabstein.

In den USA ähneln sich Begräbnisse von Tieren und Menschen immer mehr. Allerdings sterben angesichts sehr viel kürzerer Lebenserwartung jährlich 14 Millionen Haustiere, aber nur 2,5 Millionen Amerikaner. Die US-Bürger sind leidenschaftliche Tierliebhaber. In mehr als der Hälfte der amerikanischen Haushalte leben Tiere - nach Angaben der American Veterinary Medical Association allein 70 Millionen Katzen und 62 Millionen Hunde.

Hunde-Begräbnis mit Pfarrer und Opernsänger

Findige Totengräber haben das Geschäftspotenzial erkannt und bieten Rundum-Beerdigungspakete für Haustiere an. André Sanders aus Washington zum Beispiel. Der 33jährige hat zehn Jahre lang Menschen beerdigt. Nun hofft er auf gute Geschäfte mit Haustieren.

Wer zu ihm kommt, kann seinen Hund in einem mit Seide gepolsterten, schneeweißen Sarg betten und ihn im schwarzen Leichenwagen zum Tierfriedhof fahren lassen. Dort wartet dann schon ein Pfarrer für die letzten Worte.

Doch damit nicht genug: Sanders hat einen pensionierten Opernsänger im Angebot, der wahlweise in Englisch, Deutsch, Italienisch, Spanisch oder Französisch am Grab des Tieres singt. Die Nachfrage ist hoch trotz Kosten von bis zu 1500 Dollar für die Zeremonie. "Die Leute kommen aus dem ganzen Land", sagt Sanders, der nun in andere Großstädte an der Ostküste expandieren will.

Auch im Internet boomt das Geschäft. Übwer 100 000 Treffer spuckt die Suchmaschine Google für das Stichwort "pet memorials" (Haustier- Gedenken) aus. Auf Web-Seiten mit Namen wie "foreverpets.com" oder "petrest.com" gibt es Särge, Urnen, Gedenktafeln und Grabsteine in allen Größen und Farben zu kaufen.

Haustiere werden wie Familienmitglieder behandelt

"Die Menschen behandeln ihre Hunde, Katzen und Kaninchen immer mehr wie Familienmitglieder", erklärt Brenda Drown vom Verband der Tierfriedhöfe. Besonders kinderlose Paare steckten all ihre Liebe in Haustiere und ließen sie feierlich auf einem der etwa 1500 Tierfriedhöfe im Land beerdigen.

Allein zwölf Millionen Hunde schlafen im oder auf dem Bett ihres Herrchens, hat der US-Haustierverband APA herausgefunden. Und 13 Millionen Katzen bekommen zu ihrem Geburtstag Geschenke. Auch finanziell schlägt sich die Tierliebe nieder: Etwa 30 Milliarden Dollar im Jahr sind den Amerikanern ihre Haustiere wert - darunter sind Ausgaben für Pfotenpflege, Musiktherapien und Wellness-Kuren.

"Ein Leben in Ergebenheit verdient die höchste Belohnung", lautet denn auch das Motto des nach der Arche Noah benannten Tierfriedhofs "Noah’s Ark Pet Cemetery" in Virginia. Mehr als 3000 Hunde und Katzen, Schildkröten, Frösche, Hamster, Schlangen und Fische sind hier seit 1980 bestattet worden.

Wer sich aber gar nicht von seinem geliebten Tier trennen kann, für den hat der Haustier-Bestatter André Sanders einen ganz besonderen Service ins Programm genommen: Er stopft die Tiere wohnzimmergerecht aus.

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