Ärzte Zeitung, 23.07.2004

Von Kichererbse bis Ölöfen - Endspurt um das schönste Wort

Im Endspurt beim Wettbewerb um "Das schönste deutsche Wort" liegen "Geheimratsecken" oder "Kichererbsen" gut im Rennen. Nur noch bis zum 1. August nimmt der Deutsche Sprachrat Vorschläge entgegen. Seit Anfang Mai sind über 16 000 Einsendungen eingegangen.

Auf den ersten Blick so unscheinbare Wörter wie "nichtsdestotrotz" gehören ebenso zu den Favoriten wie sehr poetische, humorvolle, tiefsinnige und klangvolle Begriffe. So hat sich der Dramatiker Moritz Rinke für "Sommerfrische" entschieden, denn "bei dem Wort strecken sich die Füße ins Mittelmeer und das Gesicht hebt sich in die Sonne von Capri".

Bundestagspräsident Wolfgang Thierse hat "Erfüllungsmelancholie" zu seinem schönsten Wort erwählt. "Als Kehrseite des Prinzips Hoffnung bezeichnet es den Moment, nachdem eine Hoffnung sich erfüllt hat, man kann das positiv wie negativ wenden... Und man kann daraus lernen: Was uns antreibt und trägt, ist die Hoffnung auf Erfüllung, nicht so sehr die Erfüllung selbst."

In vorderster Linie der Vorschläge liegt auch das Wort "Liebe", dicht gefolgt von "Heimat" und "Glück" sowie "Sehnsucht" und "Vergißmeinnicht". Es folgen "Streicheleinheit", "Frühlingserwachen", "Kinderlachen", "Feierabend" und "Wolkenkuckucksheim". Die Vorschläge aus dem Ausland reichen von "Ölöfen" (das einzige Wort mit zwei ö?) bis "Streichholzschächtelchen". Ein gutes Drittel der Einsendungen kommen aus dem Ausland, die meisten aus Polen, Spanien und Finnland.

Die Entscheidung der Jury, der unter anderem Jutta Limbach vom Goethe-Institut sowie der Sänger Herbert Grönemeyer und der Schriftsteller Uwe Timm angehören, wird in einer Live-Sendung im Fernsehen bekannt gegeben. Außerdem werden die schönsten Wörter nebst Begründung in einem Buch veröffentlicht. Den Gewinnern winken Preise wie etwa eine Reise für zwei Personen nach Mauritius oder ein Wochenende in einem Berliner Luxushotel - oder ein zwölfbändiges Lexikon. (dpa)

Vorschläge können noch bis zum 1. August gerichtet werden an: Deutscher Sprachrat c/o Goethe-Institut, Dachauer Str. 122, 80637 München. Infos im Internet unter www.deutscher-sprachrat.de

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