Ärzte Zeitung, 17.03.2005

Begräbnis in der Kakaoschote oder im Flugzeug

In Ghana wollen viele Menschen in Särgen bestattet werden, die zeigen, was in ihrem Leben wichtig war

ACCRA (dpa). Ernest Anang legt letzte Hand an eine riesige Kakaoschote. Der Schreiner aus Accra, der Hauptstadt von Ghana, taucht den Pinsel in den gelben Lack und verteilt die Farbe gleichmäßig auf dem hölzernen Modell. Die Schote ist groß genug, daß ein erwachsener Mann hineinpaßt, und genau dafür ist sie auch gemacht. Darin soll nämlich ein Bauer beerdigt werden, der sein ganzes Arbeitsleben lang Kakao gepflanzt hat.

Ein Kunde betrachtet in einem Verkaufsraum in Accra einen Sarg in Form eines Flugzeugs. Individuelle Särge sind in Ghana nichts Ungewöhnliches. Foto: dpa

"In Ghana wollen Menschen in Särgen bestattet werden, die zeigen, was in ihrem Leben wichtig war", erläutert Anang. In seiner Werkstatt liegt der hölzerne Korpus eines Elefanten auf dem Boden, nicht weit davon steht ein silbern lackierter Cadillac mit aufgeklapptem Dach. Ein Kollege kleidet den Innenraum mit weißem Rüschenstoff aus. "Darin wird jemand begraben werden, der gerne schöne Autos mochte", sagt Anang.

Manchmal kommen Leute vorbei, um sich ihren Wunschsarg selbst auszusuchen, erzählt er. Meistens suchen aber die Verwandten das Modell aus. "Wichtige Personen werden oft in Särgen in der Form eines Adlers oder Löwen begraben", sagt Anang. Andere Sargmodelle weisen auf den Beruf des Gestorbenen. In Ghana findet niemand etwas dabei, den Getränkehändler in einer Cola-Flasche oder den Besitzer des Telefongeschäfts in einem überdimensionalen Mobiltelefon zu Grabe zu tragen.

Etwa 400 Euro kostet ein individuell geschreinerter Sarg, das entspricht etwa fünf Monatseinkommen einer Angestellten. Niemand weiß genau, wann und wie diese Tradition entstanden ist. Es heißt, ein Clanchef sei auf die Idee gekommen, sich in einem prunkvollen Adler-Sarg begraben zu lassen. Der benachbarte Clan konnte das nicht auf sich sitzen lassen und ließ beim Tod seines Anführers ebenfalls einen aufwendigen Sarg herstellen.

Immanuel Affoetey, ein junger Mann im lilafarbenen Batikhemd, sieht zu, wie ein in Packpapier verpackter Sarg auf die Ladefläche eines Pritschenwagens gehoben wird. "Darin ist der Sarg für meine Großmutter", sagt Immanuel. "Sie war eine Königinmutter", fügt er hinzu. In Ghana ist dies der Titel einer einflußreichen Frau im Clan. Ihr Sarg stellt einen Schemel dar, ein Machtsymbol, vergleichbar mit einem Thron. "Meine Großmutter war sehr traditionell, also soll sie auch so begraben werden", meint er.

In Anangs Werkstatt stehen außerdem ein Kugelschreiber-Sarg für jemanden, der viel Zeit am Schreibtisch verbracht hat, sowie eine aufklappbare Bibel für einen frommen Menschen. "Ich weiß schon, wie ich einmal begraben werden möchte", sagt Anang und zeigt auf sein wichtigstes Werkzeug. "Mein Sarg soll die Form eines Hobels haben."

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