Ärzte Zeitung, 03.03.2006

UND SO SEH' ICH ES

Die Vogelgrippe ist ein wahrer Segen für Deutschlands Politiker

Die letzte Woche hat uns zwei Abschiede und eine Ankunft gebracht, mit Themen, die geradezu ein Segen für die Politik waren; denn sie beschäftigten das Volk so intensiv, daß es nicht auf die Idee kam, sich über Dinge wie Arbeitslosigkeit, Renten- oder Krankenversicherung und deren Zukunft Gedanken zu machen.

Deutschland nahm Abschied von den Olympischen Winterspielen in Turin, elf goldene und insgesamt 29 Medaillen, "wir sind wieder wer!". Man nahm Abschied vom Fasching und Karneval an Mainz und Rhein - dafür haben wir jetzt die Vogelgrippe. Man könnte fast sagen: Viel zu viel für eine Woche.

Bei der traditionellen Fernsehsendung "Mainz, wie es singt und lacht" hat die politische Satire - wie zu erwarten war - die Große Koalition aufs Korn genommen. Es fiel auf, daß die vielen ironischen Sticheleien eher dem pseudo-konservativen Teil der Regierung, der CDU/CSU, galten, während man die SPD fast keiner satirischen Bemerkung wert fand. Ob das als ein Zeichen enttäuschter Liebe seitens der Satiriker über die Sozialisierungspolitik der Rechten oder als Geringschätzung des linken Teils des Kabinetts zu deuten ist?

Zum Abschied von den Olympischen Winterspielen wurde am Samstagabend auch die letzte Sendung der mit vielen Vorschußlorbeeren versehenen ARD-Olympiaserie "Waldi und Harry" mit dem Sportreporter Waldemar Hartmann und dem Kabarettisten Harald Schmidt ausgestrahlt.

Diese letzte Sendung zeigte gleichsam als Höhepunkt einen Schmidtschen Hexenschuß, der coram publico, vor laufenden Kameras, von einer Physiotherapeutin behandelt wurde. Dazu ließ Schmidt seine Hosen herunter. In seinen Unterhosen gab er wahrlich ein Abbild des Werts dieser Sendung ab.

Gleichzeitig kam die Vogelgrippe zu uns und über uns. Zwar ist sie in erster Linie eine Gefahr für die Geflügelzüchter und ihre Tiere, aber falls das Virus durch Mutation auch für die Menschen gefährlich werden sollte, dann ist damit nicht zu spaßen. Aber solange das nicht der Fall ist, wird es der Politik durchaus recht sein, wenn das H5N1-Virus die ganze Aufmerksamkeit der Bevölkerung auf sich zieht und so manch anderes Problem von den ersten Zeitungsseiten vertreibt.

Denn sonst würden die Menschen womöglich merken, daß die Arbeitslosen nicht weniger, dafür die Renten noch geringer als befürchtet werden. Und daß mit allen, die das Gesundheitswesen betrifft, Katz und Maus gespielt wird. So hilft eine Gefahr, die andere zu bannen, meint

Ihr Ironius

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