Ärzte Zeitung, 23.10.2006

Wie gut Frauen in Mathe sind, hängt von Einstellung ab

Wie Frauen in Mathematiktests abschneiden, hängt nach einer kanadischen Studie von ihrer persönlichen Einstellung ab. Ihre Ergebnisse werden davon beeinflußt, ob sie an genetische oder soziale Ursachen für den angeblichen Unterschied zwischen Männern und Frauen bei mathematischen Leistungen glauben.

Das berichten die Psychologen Ilan Dar-Nimrod und Steven Heine von der Universität von British Columbia im US-Journal "Science" (314, 2006, 435). Mehr als 220 Kandidatinnen lösten für die Untersuchung Mathematikaufgaben, zwischendurch lasen sie ein Essay. Darin wurden die mathematischen Fähigkeiten von Frauen unterschiedlich erklärt.

Die Wissenschaftler fanden heraus, daß diejenigen Probandinnen am schlechtesten abschnitten, die zuvor den Essay mit der Behauptung gelesen hatten, daß Frauen aus genetischen Gründen in Mathematik weniger leisten. Bessere Ergebnisse hatten die Probandinnen, denen die Mathematik-Differenz zu Männern mit andersartigen Lebenserfahrungen erklärt wurde, und solche, die gelesen hatten, daß es in Mathematik keine Unterschiede zwischen den Geschlechtern gibt.

"In unserer Studie geht es nicht darum, ob angeborene Unterschiede existieren", erläuterte Dar-Nimrod. "Wir haben untersucht, wie Klischees die mathematischen Leistungen von Frauen beeinflussen können." Sein Kollege Heine sagte, die Ergebnisse suggerierten, daß Menschen dazu neigten, genetische Gründe als machtvoller und unumstößlicher zu akzeptieren. "Das kann zu selbsterfüllenden Prophezeiungen führen." (dpa)

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