Ärzte Zeitung, 01.12.2006

UND SO SEH' ICH ES

Eine Aufgabe für den Kaiser?

"Morgens um sieben ist die Welt noch in Ordnung" - dieses Buch von Eric Malpass aus den siebziger Jahren steht noch in fast jedem Bücherschrank und hat auch als Film seinerzeit Furore in Deutschland gemacht. Schon der Titel paßte in unser Land.

Bei uns in Deutschland liebt man Ordnung, die Deutschen freuen sich über geordnete Verhältnisse, alles soll geregelt und, wenn nötig, auch genehmigt sein. Von der Straßenkehrordnung - das ist kein Schreibfehler, eine solche Verordnung gibt es, und die Diskussionen um sie sind unendlich - bis zum Bundesgesetz. Fast könnte man sagen, wir Deutschen seien durch unsere Vorliebe fürs Geordnete selbst schuld an der ausufernden Bürokratie.

    Genormte Patienten könnten die Lösung sein.
   

Zur Zeit ist mit der geplanten Gesundheitsreform die Welt weder morgens noch abends in Ordnung. Die Reform hat mehr Widersacher als manche Politiker Haare auf dem Kopf. Die verschiedenen Gegner wettern aus verschiedenen Gründen und Interessen gegen das künftige Gesetz. Die Krankenkassen, die ärztlichen Körperschaften und Fachverbände, Krankenhausgesellschaft, VdK, DRK, MB, die Gewerkschaften. Die Liste ließe sich nahezu beliebig fortführen. Selbst in den Bundestagsfraktionen der großen Koalition hat man darüber verschiedene Meinungen, nur vorbehaltlose Zustimmung ist kaum zu sehen. Nein, die Welt ist keineswegs in Ordnung!

Dabei könnte es einen Ausweg geben, dann wäre alles in Ordnung, und alle Beteiligten wären zufrieden. Man müßte nur den früher oftmals besungenen großen Erfindergeist der Deutschen wecken, damit er uns einen standardisierten Menschen, besser, einen standardisierten Patienten schaffe, der alle Politiker zufriedenstellen würde.

Ein genormter Patient: Das hieße auch genormte Therapie und Arzneiverordnung. Was für ein Einsparpotential! Und sofort, mit einem Schlag, würden alle Vorschriften, alle Paragraphen, alle Berechnungen stimmig sein! Es würde kein Chaos mehr herrschen und keinen Widerspruch mehr geben. Die Ordnung wäre wieder hergestellt.

Bliebe nur noch eine einzige Frage: Wer setzt den Standard? Die Gesundheitsministerin? Professor Lauterbach? Franz Beckenbauer? Skeptisch bleibt

Ihr Ironius

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