Ärzte Zeitung online, 30.09.2011

Ig-Friedens-Nobelpreis für Panzer gegen Parksünder

CAMBRIDGE (dpa). Australische Käfermännchen fliegen auf bestimmte Bierflaschen, weil sie deren Vorwölbungen zum Sex reizen. Scharfen Meerrettich kann man auch zum Wecken bei Feueralarm nutzen. Für diese und andere mehr oder weniger wichtigen Erkenntnisse wurden an der amerikanischen Harvard-Universität am Abend des 29. September zehn Ig-Nobelpreise verliehen.

Die Preise, die es seit 21 Jahren gibt, sollen erst "zum Lachen, dann zum Denken anregen". Ihre Verleihung wird alljährlich mit einer Party begangen, zu der nicht nur die meisten Geehrten anreisen, sondern auch immer wieder viele echte Nobelpreisträger.

Die Jury der Zeitschrift "Annals of Improbable Research" sucht die Preisträger aus. Sie werden auf einer regelmäßig ausverkauften Veranstaltung im Sanders Theatre der renommierten amerikanischen Harvard-Universität in Cambridge geehrt. Die jeweils zehn Kategorien der Preise ändern sich leicht von Jahr zu Jahr und richten sich nach den jeweils prämierten Forschungen.

In diesem Jahr wurde unter anderem der vergebliche Versuch ausgezeichnet, Schildkröten zum Gähnen zu bringen (Preis für Physiologie). Ferne ging es um die Fragen, warum Menschen seufzen (Psychologie), und warum Hammerwerfern nicht schwindlig wird (Physik).

Viele der Ig-Arbeiten mit Anspruch der praktischen Anwendung

Viele Forschungen haben aber auch sehr direkte Anwendungen, so etwa die Nutzung von scharfem Meerrettich (japanischem Wasabi) als Feueralarm (Preis für Chemie), den Einsatz eines Panzers zur Lösung des Parksünderproblems (Friedenspreis) oder die bisher glücklicherweise vergeblichen Versuche, korrekt das Ende der Welt zu berechnen.

Dieses Jahr stand die Veranstaltung unter dem Thema "Chemie", und so gab es neben den üblichen 24-Sekunden-Vorträgen der Preisträger eine Mini-Oper, deren Rollen ausschließlich mit Fachleuten besetzt waren.

Die Ig-Nobelpreise 2011

Die Preisträger 2011 (in alphabetischer Reihenfolge der Kategorien):

Biologie: Darryl Gwynne (Kanada, Australien, USA) und David Rentz (Australien, USA) für die Anziehungskraft von Bierflaschen auf bestimmte australische Käfer.

Chemie: Makoto Imai, Naoki Urushihata, Hideki Tanemura, Yukinobu Tajima, Hideaki Goto, Koichiro Mizoguchi and Junichi Murakami (Japan), für Untersuchungen der idealen Dichte zerstäubten Wasabis als Weckmittel und seiner Anwendung bei Feueralarm.

Frieden: Arturas Zuokas, Bürgermeister von Vilnius (Litauen) für die Bekämpfung des Parksünderproblems mit Hilfe eines Panzers.

Literatur: John Perry (USA), für seine Theorie der "Strukturierten Zögerlichkeit". Er beschrieb, wie man Dinge auf die lange Bank schiebt und sie dennoch getan werden.

Mathematik: Dorothy Martin, Pat Robertson, Elizabeth Clare Prophet USA), Lee Jang Rim (Südkorea), Credonia Mwerinde (Uganda), und Harold Camping (USA) - jeweils für die Berechnung des Endes der Welt

Medizin: Mirjam Tuk, Debra Trampe (Niederlande), Luk Warlop (Belgien), Matthew Lewis, Peter Snyder and Robert Feldman (USA), Robert Pietrzak, David Darby, und Paul Maruff (Australien) für die Untersuchung von Entscheidungen unter dem Einfluss massiven Harndrangs.

Physik: Philippe Perrin, Cyril Perrot, Dominique Deviterne und Bruno Ragaru (Frankreich), Herman Kingma (Niederlande), für die Frage, warum Diskuswerfern eher schwindelig wird als Hammerwerfern.

Physiologie: Anna Wilkinson (Großbritannien, Natalie Sebanz (Niederlande), Isabella Mandl und Ludwig Huber (Österreich) für ihre Studie, die zeigt, dass Gähnen bei Rotfußschildkröten nicht ansteckend wirkt.

Psychologie: Karl Halvor Teigen (Norwegen) für die Frage nach dem Seufzen im Alltagsleben. Er beschrieb Seufzer als emotionale Signale und als Reaktionen auf schwierige Aufgaben.

Öffentliche Sicherheit: John Senders (Kanada), für die Untersuchung der Fahrfähigkeiten eines Autofahrers, dem wiederholt eine Klappe die Sicht versperrt.

Topics
Schlagworte
Auch das noch! (3195)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Personal-Notstand auf deutschen Intensivstationen

Auf deutschen Intensivstationen fehlen mehr als 3000 Spezialpflegekräfte. Die Krankenhäuser wollen reagieren. Das Personal denkt über einen Großstreik nach. mehr »

HIV-Impfung generiert Immunantwort

Eine Impfung gegen HIV ist in frühen klinischen Studien. Erste Ergebnisse sind positiv. mehr »

Warum die Putzhilfe glücklich macht

Putzen, Wäsche waschen, Kochen: Viele Menschen empfinden all das als nervige Pflichten. Wer Geld hat, kann andere für sich arbeiten lassen - und fühlt sich dann zufriedener. Das haben Forscher herausgefunden. mehr »