Ärzte Zeitung, 15.05.2013

Buchtipp

Wertewelten eines Präparators

Empathisch sein mit den Toten und Lebenden - das empfiehlt Paul Hille, der seine Erfahrungen in einem Berliner Krankenhaus als Buch verarbeitet hat.

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Paul Hille: An Herzversagen stirbt man nicht. Geschichten aus der Pathologie. Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag. Berlin 2012. 240 Seiten. 9,95 Euro. ISBN: 978-3862651146

BERLIN. "Als Präparator sollte man vor allem Ruhe, Geduld, Filigran- und auch Grobmotorik mitbringen", sagt Paul Hille, Sektions- und Präparationsassistent an einem Berliner Krankenhaus.

"Außerdem ein gut funktionierendes Gedächtnis und ein ganz großes Herz." Seine Erfahrungen in seinem Beruf und die Leidenschaften seiner Berufung beschreibt Hille in seinem ersten Buch: "An Herzversagen stirbt man nicht", erschienen im Berliner Verlag Schwarzkopf & Schwarzkopf.

Hilles Job ist der Tod. In der Pathologie nimmt er die sterblichen Überreste von Menschen entgegen und übergibt sie später dem Bestatter.

Er obduziert Leichen, nimmt Gewebeproben, wiegt und misst die Organe, näht die Leichen wieder zusammen, wäscht sie, präpariert sie und erstellt mitunter Totenmasken. "Bei meiner ersten Sektion hatte ich kurzzeitig weiche Knie", erinnert er sich.

"Ein Mensch wird aufgeschnitten, liegt vor dir und eine unübersichtliche Masse an Organen schaut dich an. Beim ersten Mal dachte ich, dass ich das nie begreifen würde."

Inzwischen lernt er selbst Praktikanten an und gibt ihnen seine wichtigste Erkenntnis mit auf den Weg: empathisch zu sein - mit den Toten und den Lebenden. Hille, Jahrgang 1964, ist Maler, Grafiker, Tätowierer und staatlich geprüfter Zirkusclown.

Doch weil "ein Leben von der Kunst allein nur schwer oder kaum möglich ist", erlernte er den scheinbar krisensicheren Beruf des medizinischen Sektions- und Präparationsassistenten.

Heute lebt und arbeitet er in Berlin. Sein Buch ist nicht nur eine Beschreibung seiner Tätigkeit, sondern auch Sinnsuche. "Mir wurde klar, dass ich nicht von ungefähr in der Pathologie gelandet war", so Hille. "Mein ganzes Streben und Suchen hat auch immer einen starken Bezug zu meiner Kindheit." (Smi)

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