Ärzte Zeitung online, 18.07.2016

Russland

Doping staatlich organisiert

Russland betreibt staatlich organisiertes Doping, so die Welt-Anti-Doping-Agentur in ihrem Untersuchungsbericht. Was bedeutet das für die russischen Sportler mit Blick auf Rio?

Doping staatlich organisiert

Die Wada hat Belege für staatlich organisiertes Doping gefunden. Werden alle russischen Sportler nun von Olympia ausgeschlossen?

© Roland Schlager/EPA

TORONTO. Die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) hat einen 97-seitigen Untersuchungsbericht veröffentlicht. Die WADA führt darin zahlreiche gravierende Belege für die Verwicklung von staatlichen Stellen in den Sportbetrug auf und weist nach, dass unter anderem auch das russische Sportministerium verwickelt war.

Eine Empfehlung der WADA-Ermittler für Sanktionen gegen russische Sportler, Verbände oder gar einen Komplettausschluss Russlands gibt es drei Wochen vor der Eröffnung der Olympischen Sommerspiele allerdings nicht.

Russland will kämpfen

Russland will sich mit allen Mitteln für eine Teilnahme seiner Sportler an den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro einsetzen. "Es gibt ein ganzes Arsenal an legalen Mitteln für die Verteidigung der Interessen der Sportler, und Russland wird dieses Arsenal bis zum Letzten ausschöpfen", sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Montag in Moskau.

Die Bekämpfung des Dopings sei eine Priorität für Russland, bekräftigte Peskow. Zugleich dürften aber nicht unschuldige Sportler für die Taten anderer bestraft werden. Russische Leichtathleten sind wegen massiver Dopingvorwürfe bereits von den Sommerspielen ausgeschlossen.

Der Weltschwimmverband FINA ergreift angesichts möglicher Forderungen eines Olympia-Ausschlusses bereits im Vorfeld der Vorlage des WADA-Berichts Partei für Russland. Die FINA sei besorgt über die "Vorverurteilung" bereits vor der Veröffentlichung eines Reports der Welt-Anti-Doping-Agentur zu den Vorwürfen um manipulierte Dopingproben russischer Sportler bei den Olympischen Winterspielen 2014 in Sotschi.

In ihrer Pressemitteilung vom Sonntag nannte die FINA explizit "Verantwortliche der Anti-Doping-Agenturen der USA und Kanadas".

Schwimmverband in Sorge

Zudem unterstütze die WADA-Athletenkommission "hinter den Kulissen" einen kompletten Olympia-Ausschluss Russlands, obwohl der WADA-Untersuchungsbericht bis zu seiner Veröffentlichung am Montag streng vertraulich sei. So würde die Unabhängigkeit und Glaubwürdigkeit des Reports in Frage gestellt.

Zugleich verwies der Verband darauf, dass er vom Internationalen Olympischen Komitee die Einhaltung der Prinzipien und Werte der Olympischen Bewegung erwarte.

Die FINA steht wegen ihrer Doping-Politik selbst in der Kritik. So durfte etwa die russische Brustschwimmerin Julija Jefimowa bei der Heim-WM in Kasan starten, da sie nur eine 16-monatige anstelle der sonst üblichen zweijährigen Dopingsperre erhielt.

Nach einem positiven Meldonium-Befund wurde die Weltmeisterin zu Jahresbeginn suspendiert. Aufgrund einer Änderung der Meldonium-Grenzwerte wurde die Suspendierung aufgehoben und Jefimowa schließlich das Olympia-Startrecht für Rio erteilt.

Enge Kontakte zu Russland

Die FINA pflegt enge Kontakte zu Russland und hielt sich mit Kritik stets zurück. Wenige Stunden vor der Veröffentlichung des McLaren-Berichts der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA hatte auch der Welt-Turnverband FIG besorgt mit Blick auf Forderungen zum Komplett-Ausschluss des russischen Teams in Rio reagiert.

Sportler dürften nicht für Vergehen von Athleten anderer Sportarten und Verbänden für schuldig befunden werden, hieß es in einer Erklärung. Bevor irgendwelche Maßnahmen gegen Turner unternommen werden, müssten Tatsachen vorgelegt und ein Dopingverschulden nachgewiesen werden.

Russische Turner und Gymnastinnen wurden durch den Weltverband ebenso kontrolliert wie Athleten anderer nationaler Verbände. "Saubere russischen Turner und Turnerinnen müssen daher bei den Spielen antreten dürfen", fordert der FIG.

"Die Teilnahme an den Olympischen Spielen ist das höchste Ziel von Athleten, die oft ihre ganze Jugend diesem Zweck opfern", erklärte FIG-Präsident Bruno Grandi.

Das Recht teilzunehmen, "kann Athleten nicht gestohlen werden, die sich ordnungsgemäß qualifiziert haben und nicht des Dopings überführt wurden". Generelle Verbote habe es noch nie gegeben – und werde es auch in Zukunft nie geben. (dpa/eb)

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