Ärzte Zeitung online, 14.10.2016

Radprofis gegen Doping

Sollten Asthmatiker bei den Paralympics starten?

Harsche Kritik an medizinischen Ausnahmegenehmigungen im Leistungssport: Die deutschen Radprofis Marc Kittel und André Greipel attackieren Olympiasieger Bradley Wiggins und einen britischen Radrennstall. Es gibt aber auch andere Meinungen.

Sollten Asthmatiker bei den Paralympics starten?

© Stefan Schurr / Fotolia

DOHA.  "Wenn jemand schweres Asthma hat, dann hat er im Leistungssport nichts zu suchen. Wir haben auch die Paralympics deswegen eingeführt, weil wir den Einbeinigen eine Chance geben wollen, sich gegen andere zu messen", sagte der deutsche Radprofi Marcel Kittel am Rande der Straßenrad-WM in Doha.

Kittel kritisierte damit Olympiasieger Bradley Wiggins und den britischen Radrennstall Sky für die häufige Verwendung von medizinischen Ausnahmegenehmigungen .

Ähnlich sieht es Nationalmannschaftskollege Greipel: "Wenn man krank ist, fährt man keine Radrennen. Deswegen sind wir in der MPCC (Bewegung für einen sauberen Radsport). Jetzt wissen wir auch, warum es Sky nicht war."

Nach einem illegalen Hacker-Angriff einer russischen Gruppierung auf die Datenbank der Welt-Anti-Doping-Agentur war bekanntgeworden, dass Wiggins das auf der Dopingliste stehende Mittel Triamcinolon jeweils vor seinen Tourstarts 2011 und 2012 sowie dem Giro 2013 gespritzt bekommen hatte.

Der Stundenweltrekordler hatte dafür vom Weltverband UCI Ausnahmegenehmigungen - sogenannte TUEs - vorgelegt. Er betonte, dass er sich keinen Vorteil verschafft habe.

Der deutsche Radprofi John Degenkolb hält dagegen den Einsatz von TUEs durchaus für sinnvoll, "wenn einer wirkliche Probleme hat". Dafür sei eine unabhängige Kommission sinnvoll, die über die Genehmigung entscheidet. Die drei deutschen Radstars hatten in ihrer Profikarriere noch keine Ausnahmegenehmigungen gebraucht.

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Stefan Schurr (6)
[15.10.2016, 09:56:31]
Wolfgang P. Bayerl 
der "Westen" (WADA) hat sich bis in die Knochen blamiert
mit seinen "medizinischen Ausnahmen" für EINDEUTIGES Doping.
Dank an Fancy Bear, das war überfällig!
Die "Ausnahmen" gehen in dreistellige Zahlen für ein einziges Land!
Neuste Ausrede einer Frau(Spitzensportlerin) ein testosteronähnliches Mittel als Sonnenbrandschutz vom Mannschaftsarzt verordnet, ha, ha.
Die zweite "Merkwürdigkeit" von WADA ist das Zurückhalten von positiven Testen über wieviel Jahre ???
bis Tokio??
Die kann man daher nicht ernst nehmen. In Heuchelei ist der Westen (USA) allerdings unbestrittener Weltmeister.
Das gilt noch mehr für toternste Kriege in der ganzen Welt. Wieviel Tote? zum Beitrag »
[14.10.2016, 16:33:24]
Thomas Georg Schätzler 
Triamcinolon ist ein leistungssteigerndes Doping-Mittel schlechthin!
Triamcinolon als halogeniertes und damit sehr stark wirksames Glukokortikoid bindet an spezifische Rezeptoren und greift so in die Proteinbiosynthese ein. Es wirkt antiinflammatorisch und antiproliferativ. Auf diese Weise wird das Immunsystem gehemmt, und damit zusammenhängende Reaktionen werden unterdrückt, um die Ausdauerleistung zu fördern.

Bei der Behandlung von chronischen Atemwegserkrankungen kommt es zu einem Abschwellen der Bronchialschleimhaut und gleichzeitig zur Bronchodilatation mit Leistungssteigerung der Atmung. Durch die antiproliferative Wirkung kommt es bei Dauergebrauch aber auch zu Atrophien von Haut und Hautanhangsgebilden, Steroidakne, Hepatopathie, Typ-2-Diabetes und/oder zu einem iatrogenen Cushing-Syndrom als wichtigste Nebenwirkungen.

Deshalb wird Triamcinolon zur Unterdrückung allergischer Hautreaktionen sowie der Entzündungen bei der Behandlung von Hauterkrankungen nur kurzzeitig und gezielt eingesetzt:
- Kontaktekzeme,
- Stevens-Johnson-Syndrom
- Psoriasis vulgaris

Atemwegserkrankungen wie Sinusitis, allergische Rhinitis, Asthma bronchiale, Chronische Bronchitis, COPD sollten wegen klassischer Nebenwirkungen n i c h t mit systemischen Steroiden behandelt werden. Da sind topisch wirksame Steroide als Nasenspray, inhalative Steroide (ICS) und/oder lang wirksame Betamimetika (LABA), anticholinerg wirksame inhalative Substanzen (LAMA) bzw. Leukotrienrezeptorantagonisten wesentlich gezielter, besser und geringen Nebenwirkungen einsetzbar.

Triamcinolon wird im Rahmen verschiedener rheumatischer Erkrankungen zur Steigerung und Besserung von Motilität, Mobilität und Belastungsfähigkeit sowie bei Kollagenosen verabreicht:
- Arthritis, Polyarthritis, Psoriasis-Arthritis
- Vaskulitis
- Lupus erythematodes
Auch schwere Nephritiden, schwere Arthrosen und Gichterkrankungen können damit behandelt werden und stellen die krankheitsbedingte Einschränkung der Leistungsfähigkeit wieder her.

Der Arzneistoff wird überwiegend in Form von Tabletten verabreicht. Eine intramuskuläre Injektion ist beim Triamcinolon-Acetonid möglich. Dies verschafft durch den Depot-Effekt zwar eine länger anhaltende und intensivere Wirkung, dabei sind eher Nebenwirkungen zu befürchten.

Die Ausnahmegenehmigungen - sogenannte TUEs - des Weltverbandes UCI für einen Stundenweltrekordler, der vorgibt, an schwerem Asthma bronchiale zu leiden, wären medizinisch-pneumologisch nicht gerechtfertigt, unangemessen und entsprechen dem Wissensstand zum Ende des letzten Jahrhunderts.

Heute kann man nahezu jedes Asthma bronchiale mit inhalativen Steroiden (ICS), lang wirksamen Betamimetika (LABA), anticholinerg wirksamen inhalativen Substanzen (LAMA) und/oder Montelukast-Tabletten o h n e Doping-Verdacht lungenfachärztlich beherrschen. Viele Schwimmsportler profitieren von dieser zeitgemäßen Asthma-Therapie.

Der Weltverband UCI sollte einfach Lungenfachärzte dazu befragen.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
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