Ärzte Zeitung, 29.06.2004

Bei hohem Risiko ist Prävention nötig

Auch ohne Symptome kann Lipidsenkung wichtig sein / Blutdruck muß konsequent runter

FRANKFURT AM MAIN (Rö). Jeden Tag kommen in Hausarztpraxen Patienten, die keine Herzbeschwerden haben, bei denen die Gefährdung für einen Herzinfarkt aber sehr hoch ist. Solche Patienten müssen identifiziert werden, ihr hohes Risiko sollte vermindert werden.

Wie einfach ein hohes kardiovaskuläres Risiko zusammenkommt, hat der Kardiologe Dr. Frank Sonntag aus Henstedt-Ulzburg bei einem Presse-gespräch des Unternehmens ratiopharm demonstriert. Anlaß der Veranstaltung in Frankfurt am Main war die Einführung des Pravastatin-Generikums Pravastatin-ratiopharm® bereits Wochen vor dem Patentablauf.

Sonntags Beispiel-Patient ist ein 61 Jahre alter Mann mit einem nicht übermäßig hohen LDL von 161 mg/dl, einem nicht besonders niedrigen HDL von 33 mg/dl, einem Triglyzeridspiegel von 204 mg/dl und einem systolischen Blutdruck von 165 mm Hg, vor einiger Zeit noch für dieses Alter als akzeptabel angesehen. Der Patient raucht, und in seiner Familie sind früh kardiovaskuläre Ereignisse vorgekommen.

Wird bei diesem Patienten mit Hilfe eines Scores, etwa dem der aus der PROCAM (Prospektive Cardiovaskuläre Münster)-Studie entwickelten, das kardiovaskuläre Risiko bestimmt, sprengt das Ergebnis jeden Rahmen. Die PROCAM-Skala endet bei 60 Risikopunkten, was einem kardiovaskulären Zehnjahres-Risiko für einen Herzinfarkt von 30 Prozent entspricht. Bei dem Patienten kommen aber 75 Punkte zusammen. Sein Risiko liegt damit weit darüber.

Für Sonntag ist klar, wie eine optimale Therapie bei diesem Patienten aussieht. Gegen den hohen systolischen Blutdruck braucht er eine Kombinationstherapie, etwa Ramipril oder einen AT-II-Blocker plus Hydrochlorothiazid. Wegen der Lipidkonstellation brauche er ein Statin, 40 mg Pravastatin, sagt Sonntag. Hinzu kommen bei diesem hohen Risiko auf Grund von Studien ein Betablocker plus ASS. Das Rauchen sollte er natürlich einstellen.

Grundlage der Therapie sind Gewichtsabnahme und mehr Bewegung. Mit diesen Maßnahmen läßt sich der Blutdruck auf 115 zu 70 mm Hg vermindern, das LDL-Cholesterin liegt bei 98 mg/dl, das HDL bei 45 mg/dl und die Triglyzeride liegen bei 148 mg/dl. Das Zehn-Jahres-Risiko sinkt durch die optimale Therapie auf vier Prozent. Der Patient ist optimal geschützt.

Viel wäre gewonnen, wenn Risiko-Scores in der Praxis stärker als bisher genutzt würden, sagt Sonntag.

Den PROCAM-Score findet man im Web unter: www.chd-taskforce.com.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Gluten kann auch Reizdarm verursachen

Wenn Reizdarmpatienten, die nicht an Zöliakie leiden, über glutenabhängige Beschwerden klagen, kann das ein Noceboeffekt sein. Es kann sich aber um etwas anderes handeln. mehr »

Entlassmanagement krankt an schlechter Kommunikation

Kaum in Umlauf, gerät der Medikationsplan in die Kritik. Ärzte fordern, Webfehler im System zu beheben. mehr »

So hoch ist der Diabetiker-Anteil in den 16 Bundesländern

In Deutschland leben mehr Menschen mit Diabetes als bisher geschätzt: Inzwischen leidet rund jeder zehnte GKV-versicherte Bundesbürger an Diabetes. mehr »