Ärzte Zeitung, 03.06.2004

Mit den Statinen wurde ein neues Kapitel in der Prävention aufgeschlagen

Pravastatin gibt es nun als Generikum / Zwei Präparate sind auf dem Markt

NEU-ISENBURG (Rö). Mit der Einführung der Statine Anfang der 90er Jahre hat für die Prävention von kardiovaskulären Krankheiten so etwas wie eine neue Ära begonnen. Mit der das LDL-Cholesterin auf ganz neue Weise senkenden Therapie wurde es möglich, vielen Patienten das Leben zu retten oder die Lebensqualität zu erhöhen. Eine der am besten dokumentierten Substanzen aus dieser Reihe, das Pravastatin, gibt es jetzt, wie bereits kurz berichtet, auch als Generikum.

Die Substanz wird seit Anfang der Woche und damit schon mehrere Wochen vor Ablauf des Patents vom Unternehmen ratiopharm als Pravastatin-ratiopharm® und vom Unternehmen ct-Arzneimittel als pravastatin-ct angeboten.

Seit der Einführung des Originalpräparates 1991 wurden in einem umfangreichen Studienprogramm klinische Wirksamkeit, gute Verträglichkeit und Sicherheit des CSE-Hemmers belegt. Die Studien haben ergeben, daß Pravastatin nicht nur Patienten mit erhöhten Cholesterinspiegeln das Leben retten kann, auch wenn sie noch keine KHK haben.

Auch für KHK-Patienten werden niedrigere Ereignisraten registriert, selbst wenn sie normale Lipidspiegel haben. Übereinstimmendes Ergebnis der großen Studien WOSCOP, CARE und LIPID: 30 Prozent weniger Herzinfarkte als bei Placebo, 20 Prozent weniger Patienten, die sterben mußten. Und dies gilt auch für alte Patienten über 70 Jahren. Sie profitieren nach den Ergebnissen der PROSPER-Studie in gleichem Ausmaß.

Aus den umfangreichen Daten ergibt sich zudem, daß Pravastatin so gut verträglich ist wie Placebo und sicher dazu. Dies hat bereits zu einer Zulassungserweiterung des Originalpräparates für Kinder geführt.

Pravastatin verbessert zudem die Endothelfunktion, hat antientzündliche Wirkungen und stabilisiert Plaques.

Das sind die wichtigsten Studien mit dem CSE-Hemmer Pravastatin in der Primär- und der Sekundärprävention

WOSCOP: Erfolg in der Primärprävention

CARE: Nutzen bei Infarkt, aber normalem Cholesterin

LIPID: Nutzen für Patienten mit KHK erneut bestätigt

PROSPER: Ältere Menschen profitieren ebenso

Die Senkung von LDL-Cholesterin-Spiegeln kann auch Menschen das Leben retten, die noch keine KHK, aber erhöhte Cholesterinspiegel haben. Dies wurde erstmals in der WOSCOP (West of Scotland Coronary Prevention)-Studie, einer großen Mortalitätsstudie zur Primärprävention, nachgewiesen. Die 6595 männlichen Teilnehmer hatten ein Gesamtcholesterin von im Schnitt 272 mg/dl und ein LDL-Cholesterin von 192 mg/dl. In 4,9 Jahren wurden mit dem CSE-Hemmer Pravastatin 31 Prozent weniger Herzinfarkte und 32 Prozent weniger Todesfälle mit kardiovaskulärer Ursache als bei Placebo registriert. Es müssen nicht immer erhöhte Cholesterinspiegel sein, die eine Statin-Therapie begründen. Erstmals hat die CARE (Cholesterol and Recurrent Events Trial)-Studie nachgewiesen, daß Patienten mit normalen Spiegeln, aber Herzinfarkt, von der Pravastatin-Therapie profitieren. Die 4159 Teilnehmer hatten Gesamtcholesterinwerte von im Mittel 209 mg/dl und LDL-Werte von im Schnitt 139 mg/dl. Nach fünf Jahren Therapie mit dem CSE-Hemmer gab es 37 Prozent weniger tödliche Infarkte als bei Placebo. Für den kombinierten Endpunkt: KHK, Tod und nichttödlichem Herzinfarkt kam eine Risikosenkung von 24 Prozent heraus.  Eine Bestätigung des Nutzens der Pravastatin-Therapie bei KHK, aber durchschnittlichen Cholesterinspiegeln, hat die LIPID (Long Term Intervention with Pravastatin in Ischemic Disease)-Studie gebracht. Daran haben 9014 Patienten mit Herzinfarkt oder Angina pectoris und Cholesterinspiegeln zwischen 155 mg/dl und 270 mg/dl teilgenommen. Sie erhielten sechs Jahre lang Placebo oder den CSE-Hemmer. Die Rate der kardiovaskulären Ereignisse war um 24 Prozent verringert und die Rate der kardiovaskulären Sterblichkeit um 22 Prozent geringer als bei Placebo. Mit Placebo starben 14 Prozent, mit Pravastatin 11 Prozent.  Alte Menschen mit Gefäßerkrankung oder kardiovaskulären Risikofaktoren profitieren von der Therapie mit Pravastatin genauso wie jüngere Menschen. Dies hat die PROSPER (Prospective Study of Pravastatin in the Elderly at Risk)-Studie mit 5804 Patienten zwischen 70 und 82 Jahren ergeben. Sie ist die jüngste der bedeutenden Pravastatin-Studien. Die Hälfte der Patienten hatten eine Gefäßerkrankung, die andere Hälfte Risikofaktoren. Während drei Jahren gab es mit dem Statin 19 Prozent weniger kardiovaskuläre Ereignisse und die kardiovaskuläre Sterblichkeit war um 24 Prozent geringer als bei Placebo. 

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