Ärzte Zeitung, 09.09.2004

Ärzte schätzen Kombination zur starken Cholesterinsenkung

Europäische Umfrage bei fast 400 Kardiologen / Die meisten Befragten befürworten bei hohem KHK-Risiko aggressive Lipidtherapie 

MÜNCHEN (ob). Bei Bluthochdruck ist die Kombination mehrerer therapeutischer Wirkansätze längst etablierte Strategie. Aufgrund höherer Ansprüche an die Effizienz der Cholesterinsenkung gewinnt diese Strategie nun auch in der Lipidtherapie immer mehr an Bedeutung. Dies spiegelt sich auch in der Einstellung von Ärzten wider, wie eine Befragung von knapp 400 europäischen Kardiologen ergeben hat.

Die klinische Lipidforschung legt derzeit ein rasantes Tempo vor. Kaum haben Studienergebnisse ihren Niederschlag in den Leitlinien gefunden, geben aktuelle Studiendaten schon wieder Anlaß zu neuen Empfehlungen. Vor allem die für die Lipidsenkung maßgeblichen Cholesterin-Zielwerte sind in Bewegung geraten. Neue Studien bei Hochrisiko-Patienten haben die Hypothese bestätigt, daß der klinische Nutzen um so höher ist, je tiefer das Cholesterin gesenkt wird ("the lower, the better").

Zumindest unter Kardiologen scheint deshalb inzwischen die Auffassung vorzuherrschen, daß die derzeitigen Empfehlungen zur Cholesterinsenkung bei Risikopatienten nicht mehr up to date sind. Dies geht aus Ergebnissen einer Befragung von 379 Kardiologen in fünf europäischen Ländern einschließlich Deutschland hervor, die Dori Stern auf einer von MSD und Essex Pharma organisierten Pressekonferenz beim europäischen Kardiologenkongreß in München vorgestellt hat.

So stimmten 95 Prozent aller Befragten grundsätzlich der Auffassung zu, daß die Cholesterinsenkung bei Risikopatienten aggressiver sein sollte, als es die Leitlinien derzeit empfehlen. Diese Überzeugung wird durch die Tatsache bekräftigt, daß sich immerhin 55 Prozent auch bei sich selbst oder nahen Familienangehörigen bei bestehenden Risiken eine entsprechend starke Lipidsenkung wünschen.

Überwiegend positiv bewertet wurde die Strategie, den Cholesterinmetabolismus zur Steigerung der Effizienz mit einer Kombination von zwei komplementären Wirkansätzen zu hemmen. So waren 78 Prozent der Befragten der Meinung, daß es durch gleichzeitige Hemmung der intestinalen Resorption (mit einem Cholesterin-Resorptionshemmer wie Ezetimib (Ezetrol®)) und der hepatischen Cholesterinsynthese (mit einem Statin) besser gelingt, die Cholesterin-Zielwert zu erreichen, als mit einem Statin allein. Etwa zwei Drittel (68 Prozent) gaben an, diese duale Hemmung auch bei sich selbst oder Familienangehörigen im Falle erhöhter Cholesterinspiegel oder bestehender kardiovaskulärer Risikofaktoren in Betracht zu ziehen.

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