Ärzte Zeitung, 09.12.2005

KOMMENTAR

Bei alten Patienten ist Exsikkose die crux medicorum

Von Siegmund Kalinski

Nahrung kann der menschliche Körper einige Tage lang entbehren, nicht aber die Flüssigkeitszufuhr. Schon bei banalen Episoden, wie Erbrechen oder Durchfall, kann es zur Exsikkose kommen, besonders bei Kleinkindern ist das schon ganz schnell der Fall. Doch auch bei älteren Jugendlichen, besonders wenn Anorexie oder Bulimie mit im Spiel ist, kann eine Exsikkose auftreten, und daher sollte man bei derartigen Eßstörungen besonders auch auf Zeichen von Austrocknung achten.

Die echte crux medicorum ist das Trinkverhalten von alten Menschen, wovon die Geriater ein Lied singen können. Mit zunehmendem Alter spüren die Senioren immer weniger Durst, das Wasserlassen ist für sie oft unbequem und besonders in der Nacht störend. Sie trinken daher bedeutend weniger, als ihr Körper benötigt, was dann oft zu Komplikationen zum Beispiel bei Herz, Kreislauf und Blutdruck führt.

Dazu kommt, daß das oft stark belastete Pflegepersonal in Alters- und Seniorenheimen die regelmäßige Flüssigkeitszufuhr bei den Heimbewohnern nicht immer genügend überwachen kann. Jeder wird sich noch an Berichte erinnern, daß während des großen Hitzesommers vor zwei Jahren ältere Altersheimbewohner an Austrocknung starben.

Jetzt, wo die Kollegen ihre Praxen nach den entsprechenden Vorschriften inspizieren und zertifizieren lassen müssen, ist mit der Frage nach ausreichender Vorratshaltung von Infusionsampullen stets zu rechnen. Doch unabhängig davon sollte eigentlich in jeder Praxis eine genügende Menge Infusionsampullen für den Notfall vorhanden sein, weil die Exsikkose bei älteren Patienten sehr oft vorkommt. Selbstverständlich sollten Infusionen für eine sofortige Flüssigkeitszufuhr auch in der Notfalltasche niemals fehlen.

Dr. med. habil. Siegmund Kalinski war als Allgemeinmediziner in Frankfurt am Main niedergelassen und ist langjähriger Mitarbeiter der "Ärzte Zeitung".

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