Ärzte Zeitung, 09.01.2006

Dokumentationsbogen unterstützt bei Ernährungstherapie

Neue Richtlinien erleichtern die Verordnung von enteraler Ernährung / Viele ältere Menschen sind bei Aufnahme in eine Klinik mangelernährt

FRANKFURT AM MAIN (nsi). Wenn ein Arzt eine Mangel- oder Fehlernährung diagnostiziert, die Diagnose gut dokumentiert hat und eine enterale Ernährung für medizinisch erforderlich hält, braucht er keine Regreßforderungen zu fürchten. Ein spezieller Dokumentationsbogen erleichtert Ärzten die Arbeit.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung, die Deutsche Gesellschaft für Geriatrie und die Deutsche Gesellschaft für Ernährungsmedizin haben gemeinsam den Dokumentationsbogen zur Mangelernährung für die Praxis erarbeitet. Darin werden der BMI, die Entwicklung des Körpergewichts und die tägliche Kalorienaufnahme eingetragen sowie schwere Erkrankungen.

Den Bogen hat Professor Cornel Sieber, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie, bei einem Expertengespräch der drei Fachgesellschaften in Frankfurt am Main vorgestellt.

Je nach Fett-, Wasser- und Muskelanteil der Patienten hält Sieber eine Spannbreite des BMI zwischen 18 und 22 zur Orientierung für angemessen. "Wenn ein alter Mensch einen BMI von 18 hat, ist oft schon ein deutlicher Mangelzustand mit all seinen negativen Folgen erreicht", sagte Sieber.

Im Oktober ist eine Änderung der Arzneimittel-Richtlinien des Bundesgesundheitsministeriums (BMGS) in Kraft getreten, in der die Verordnung von enteraler Ernährung flexibler geregelt ist als in der Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses (GBA). Die GBA-Richtlinie enthält eine Liste von Verordnungseinschränkungen und -ausschlüssen.

Die drei Fachgesellschaften favorisieren die Regelung durch das BMGS: Enterale Ernährung sei dann verordnungsfähig, heißt es darin, wenn eine Modifizierung der normalen Ernährung oder sonstige Maßnahmen zur Verbesserung der Ernährung nicht ausreichten. Enterale Ernährung und andere Maßnahmen seien, wenn möglich und nötig, miteinander zu kombinieren.

"Diese Formulierung macht deutlich, daß die enterale Ernährung so lange wie möglich nur ergänzend zur normalen Ernährung verordnet werden sollte", sagte Sieber.

Betroffen von Mangelernährung sind vor allem alte Menschen. Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin sind 20 bis 40 Prozent der stationär aufgenommenen Kranken bei Einweisung in das Krankenhaus fehl- oder mangelernährt. Bei den über 75jährigen Menschen seien es sogar die Hälfte aller Patienten.

Der Dokumentationsbogen läßt sich beziehen über Professor Sieber unter: sieber@klinikum-nuernberg.de

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