Ärzte Zeitung, 03.04.2006

Niedrige LDL lebenslang - das schützt vor KHK

DALLAS (ob). Wer zur Minderheit derer zählt, die aufgrund spezifischer Genvarianten lebenslang einen relativ niedrigen LDL-Cholesterinwert haben, kann sich glücklich schätzen: Sein Risiko, eine Koronarerkrankung zu entwickeln, ist äußerst gering.

Daß erhöhte Cholesterinspiegel die Atherosklerose-Entwicklung beschleunigen, weiß fast jeder. Daß die Senkung des Cholesterinspiegels etwa mit Statinen innerhalb befristeter Behandlungszeiträume bei bestimmten Risikogruppen die KHK-Inzidenz verringert, ist durch Studien belegt. Wie aber wirkt sich eine lebenslange Reduktion des Serumcholesterins auf die Entstehung der Koronarerkrankung aus?

Ein Forscherteam um Dr. Jonathan Cohen in Dallas hat kürzlich beim Menschen DNA-Sequenzvariationen eines Gens (PCSK9) entdeckt, die mit erniedrigten LDL-Cholesterinspiegeln assoziiert sind. Die Forscher sahen darin eine gute Möglichkeit, die Auswirkungen einer lebenslangen - weil genetisch bedingten - Cholesterinreduktion prüfen zu können.

In der ARIC-Studie haben die Forscher bei 12 887 schwarzen und weißen Amerikanern innerhalb eines Zeitraums von 15 Jahren in Abhängigkeit vom Gen-Typus die KHK-Entwicklung analysiert (NEJM 354, 2006, 1264). Von den Afro-Amerikanern hatten 2,6 Prozent eine bestimmte PCSK9-Mutation; ihr LDL-Cholesterinspiegel war im Vergleich zu Personen ohne entsprechende Mutation um 28 Prozent niedriger (100 versus 138 mg/dl). Von den weißen Studienteilnehmern waren 3,2 Prozent Träger einer PCSK9-Genvariation, die mit einem um 15 Prozent erniedrigten LDL-Cholesterinspiegel assoziiert war (116 versus 137 mg/dl).

Die Untersucher kamen zu dem Ergebnis, daß die Inzidenzrate für klinische KHK-Ereignisse in beiden Subgruppen mit PCSK9-Genvarianten dramatisch niedriger war, und zwar bei Afro-Amerikanern um 88 Prozent und bei weißen Amerikanern um 47 Prozent - jeweils im Vergleich zu Personen ohne entsprechende Gen-Veränderungen.

Dieser Unterschied in der KHK-Inzidenz ist deutlich ausgeprägter als die KHK-Reduktion, die mit Statinen bei gleicher Cholesterinsenkung in klinischen Studien erzielt wurde. Cohens Team vermutet, daß dies auf die Wirkung eines lebenslang erniedrigten - und nicht erst in späteren Lebensphasen gesenkten - Cholesterinspiegels zurückzuführen ist. Das würde dafür sprechen, möglichst schon in frühen Jahren auf niedrige Cholesterinwerte zu achten.

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