Ärzte Zeitung, 20.12.2006

Anis und Vanille: Die Weihnachtsgewürze stammen von Heilpflanzen

Anis und Kardamom wirken krampf- und schleimlösend / Vanille beruhigt bei Nervosität / Pollenallergiker müssen vorsichtig sein bei den Plätzchen

Von Ursula Armstrong

Es ist Advent, kurz vor Weihnachten. Viele Lichter erhellen die winterliche Dunkelheit, es riecht nach Glühwein und gebrannten Mandeln, weihnachtliche Musik erklingt: Weihnachtsmärkte haben trotz zunehmenden Konsums ihren Zauber bewahrt. Allein der Duft sorgt schon dafür, daß es einem so richtig weihnachtlich ums Herz wird: Zimt, Nelken, Kardamom, Anis, Vanille sind die typischen Gewürze für Weihnachtsplätzchen und Glühwein. Und alle stammen von Arzneipflanzen.

Runde, eckige und als Weihnachtsmann dekorierte Lebkuchen: Im Lebkuchengewürz sind Nelken, Kardamom und Koriander. Foto: ddp

Zum Beispiel Anis. Vor allem an den Ständen, die Kräuterbonbons anbieten, steigt der typische Anisgeruch in die Nase. Anis ist eine 30 bis 50 Zentimeter hoch wachsende einjährige Pflanze aus dem Nahen Osten, die einen süßlichen Geschmack hat. Verwendet wird das ätherische Öl aus den Anisfrüchten. Ihm wird zum Beispiel eine krampflösende und schleimlösende Wirkung zugeschrieben.

Anisöl für Glühwein und Plätzchen etwa wird allerdings meist aus Sternanis gewonnen, dessen ätherisches Öl in der Zusammensetzung dem des Anis ähnelt. Der Echte Sternanis ist ein bis zehn Meter hoch wachsender, immergrüner Baum, der in China und Vietnam angebaut wird. Die sternförmigen Früchte sind rotbraun und korkig-holzig. Die medizinische Verwendung von Sternanis ist nicht üblich.

Sternanis, Zimtstangen, Kardamom und Vanille gehören zu den wichtigsten Zutaten für das Weihnachtsgebäck. Foto: imago

Ein weiteres typisch weihnachtliches Gewürz ist die Vanille. Auch sie ist eine Heilpflanze. Die Vanille, die zu den Orchideen gehört, ist eine riesige, rankende Pflanze, die bis zu 15 Meter lang werden kann und etwa auf Madagaskar wächst. Die ätherischen Öle der Schoten haben über 35 Duftkomponenten. Vanille soll die Stimmung aufhellen - der Geruch soll die Serotonin-Ausschüttung beeinflussen -, bei Nervosität beruhigen, die Verdauung anregen und auch Menstruationsschmerzen lindern.

Das Lebkuchengewürz Kardamom stammt von einer schilfähnlichen Staude, die bis zu vier Meter hoch werden kann. Die Heimat des Kardamom dürfte Indien sein. Inzwischen wird er aber auch in anderen tropischen Gebieten angebaut. Das ätherische Öl, das vor allem aus den Kapselfrüchten stammt, enthält Cineol und Terpinylacetat als Hauptkomponenten. Kardamom - wichtiges Heilmittel in der ayurvedischen Medizin - wirkt krampflösend und schleimlösend, mindert Blähungen und fördert die Verdauung. Außerdem soll er vor allem Lunge und Nieren stärken.

Lichter, Musik und Duft nach Glühwein: stimmungsvolle Weihnachtsmärkte (hier der Markt in Frankfurt am Main). Foto: dpa

Weitere Lebkuchen- und Glühweingewürze wie Gewürznelken und Koriander sind ebenfalls alte Heilmittel. Genauso Orangen und Walnüsse. Weihnachtsplätzchen müßten also rundum gesund sein.

Vorsichtig sein müssen allerdings Allergiker. Zimt-, Anis- und Haselnußplätzchen sowie Mandelbrot können Eiweiße enthalten, die bestimmten Pollenallergenen ähneln, hat das Deutsche Grüne Kreuz in Marburg gewarnt. Durch Kreuzreaktionen können Juckreiz im Gaumen und Rachen entstehen. In schweren Fällen kann es zu Atemnot oder zum Kreislaufkollaps kommen.

Wer auf Birken-, Hasel- und Erlenpollen allergisch reagiert, verträgt oft keine Mandeln, Hasel-, Wal- oder Cashewnüsse. Marzipan kann wegen der darin enthaltenen Pistazien und Mandeln riskant sein, ebenso das aus Haselnüssen hergestellte Nougat. Und Beifuß-Allergiker können auf Gewürze wie Anis, Koriander und Zimt mit Atemnot reagieren.

"Am besten meiden diese Allergiker Plätzchen und Schokolade", rät Professor Manigé Fartasch von der Hautklinik der Universitätsklinik Erlangen. Vorsichtiges Probieren könne allerdings Abwehr-Reaktionen vorbeugen.

Gebäck mit Zimt - da ist Vorsicht geboten

Eines der Hauptgewürze für die Weihnachtsplätzchen ist Zimt. Doch Zimt ist in Verruf geraten. Die viel verwendete Sorte "Cassia-Zimt" enthält den Aromastoff Cumarin in hoher Konzentration. Und dieser kann bei empfindlichen Menschen Leberschäden verursachen (wir berichteten).

Auch Gebäck enthalte zuviel Cumarin, der Gehalt liege deutlich über dem Grenzwert, so das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in Berlin. Betroffen ist nur der "Cassia-Zimt", bei "Ceylon-Zimt" ist der Cumaringehalt deutlich niedriger. Kleinkinder sollten wöchentlich maximal zehn Zimtsterne essen, rät das BfR. Bei Erwachsenen werden die Werte entsprechend dem Körpergewicht hochgerechnet. Ein 60 Kilo schwerer Erwachsener dürfte demnach 40 Zimtsterne in der Woche naschen.

Verwendet wird die Rinde des Zimtbaums, der ursprünglich in Süd- und Südostasien beheimatet ist. Die Zimtrinde enthält ein als Zimtöl bezeichnetes ätherisches Öl, dessen Hauptbestandteil Zimtaldehyd ist. Zimtöl wirkt hemmend auf das Wachstum von Bakterien und Pilzen, innerlich eingenommen wirkt es appetitanregend und motilitätsfördernd. US-amerikanische und pakistanische Wissenschaftler haben außerdem herausgefunden, daß die getrocknete innere Rinde der Zweige des Zimtbaumes bei Typ-2-Diabetikern sowohl den Blutzucker- als auch den Cholesterinspiegel senkt. (ug)

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