Ärzte Zeitung, 03.05.2007

HINTERGRUND

Hochdosiert könnte Vitamin D vor Brust- und Kolon-Ca schützen

Von Philipp Grätzel von Grätz

Schützt es, oder schützt es nicht? Trotz negativer Studiendaten bleibt die Krebsprävention durch Vitamin D weiter auf der Agenda. Zwei neue epidemiologische Untersuchungen geben der These Nahrung, dass beim Vitamin D die Dosis ausschlaggebend ist.

Zu viel Sonne ist nicht gesund, zu wenig aber auch nicht. Zwölf Minuten Sonnenbaden sind ausreichend, um genug Vitamin D in der Haut zu bilden. Foto: dpa

Als vor fast genau einem Jahr eine große US-Studie ergab, dass sich mit einer Vitamin-D-Behandlung das Risiko für Kolonkarzinome nicht senken lässt, war die Enttäuschung groß. In der Studie mit über 36 000 Frauen nach der Menopause, die entweder täglich 1000 mg Kalzium und 400 Internationale Einheiten (IU) Vitamin D3 oder Placebo einnahmen, gab es nach immerhin sieben Jahren in beiden Gruppen ähnlich viele Kolonkarzinome.

Meta-Analysen deuten auf Nutzen bei Krebsprävention

Eine Gruppe von Wissenschaftlern aus San Franzisko, New York und Boston in den USA hat jetzt zwei epidemiologische Meta-Analysen vorgelegt, die Grund geben könnten, sich der Sache noch einmal anzunehmen. In der einen Analyse untersuchten sie das Risiko für Brustkrebs, in der anderen das für Kolonkarzinome, und zwar jeweils in Abhängigkeit vom Vitamin-D3-Gehalt im Blut.

Sie fanden zwei Studien zu Brustkrebs und fünf zum Kolonkarzinom mit Daten zum Vitamin-D3-Serum-Spiegel. Die Teilnehmerzahlen waren allerdings gering: Sie lagen in beiden Meta-Analysen jeweils unter 2000. Der statistische Zusammenhang war jedoch sehr deutlich: Je höher der Vitamin-D3-Spiegel, umso geringer die Krebs-Inzidenz für beide Tumor-Arten.

Niedrige Brustkrebsrate bei hohem Vitamin-D-Serum-Wert

So war in den Brustkrebsstudien die Rate für ein Mamma-Ca bei jenen Frauen mit mehr als 52 ng/ml Vitamin D3 im Serum nur halb so hoch wie bei jenen mit weniger als 13 ng/ml. In den Kolon-Karzinom-Studien sah es ähnlich aus: Bei einer Serumkonzentration von 37 ng/ml war die Inzidenz halb so hoch wie bei weniger als 6 ng/ml (Am J Prev Med 32, 2007, 210).

Umgerechnet auf Tagesdosierungen Vitamin D3 wären das für die Brustkrebsstudie etwa 4000 IU, für die Kolon-Ca-Studie etwa 2000 IU pro Tag - also die fünf- bis zehnfache Dosis wie in der erwähnten kontrollierten US-Studie. Wer diese Größenordnung durch Sonnenlichtexposition erreichen möchte, müsste sich täglich etwa zwölf Minuten in die Sonne begeben.

Die Autoren machen bereits Hochrechnungen, wie viele Krebsfälle sich durch Vitamin D verhindern lassen und kommen für Brustkrebs auf über 100 000 pro Jahr allein in den USA. Zu beachten ist allerdings, dass in die Meta-Analysen keine einzige randomisiert-kontrollierte Studie eingeflossen ist.

STICHWORT

Vitamin D

90 Prozent des benötigten Vitamin D wird mit Hilfe von UV-Licht über die Haut gebildet. Daraus ergibt sich ein Dilemma: Zu viel UV-Licht kann bekanntlich Hautkrebs auslösen, zu wenig kann einen Vitamin-D-Mangel bewirken und dadurch möglicherweise das Risiko für andere Krebsarten erhöhen. Darauf deuten nicht nur epidemiologische Studien: Der aktive Vitamin-D-Metabolit 1,25-Dihydroxy-Vitamin D bindet spezifisch an bestimmte Zellkern-Rezeptoren und kann dadurch sowohl die Zellteilung hemmen, als auch die Zelldifferenzierung fördern. Über diesen Mechanismus, so vermuten Forscher, könnte Vitamin D die Bildung von Krebszellen verhindern. Diesen proliferationshemmenden Effekt macht man sich auch in der Psoriasis-Therapie zunutze.

Vitamin D kann aber offenbar auch das Immunsystem stimulieren: Aktiviertes Vitamin D lockt T-Lymphozyten an, die freie Radikale eliminieren. Auch über diesen Mechanismus könnte das Vitamin, vor allem in der Haut, Schäden verhindern, die eine Entstehung von Krebszellen begünstigen. (mut)

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