Ärzte Zeitung online, 13.10.2008

Verbraucheramt: Obst und Gemüse weiter stark mit Pestiziden belastet

BERLIN (dpa). Obst und Gemüse im deutschen Handel sind weiter stark mit Pflanzenschutzmitteln belastet. Besonders bei Tomaten, Kopfsalat, Erdbeeren und Äpfeln wurden 2007 viele und teils auch hohe Rückstände gefunden. Wie das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit am Montag in Berlin mitteilte, waren bei einigen Proben die Belastungen so hoch, dass "bei einmaligem Verzehr gesundheitliche Beeinträchtigungen nicht auszuschließen sind".

Über den gesetzlich vorgeschriebenen Höchstmengen lagen bei Kopfsalat zehn Prozent, bei Erdbeeren rund drei Prozent der Proben. Bei Äpfeln hätten sich die Überschreitungen der Höchstmengen im Vergleich zu 2004 halbiert und zwar auf 7,3 Prozent.

Deutsche Äpfel sind kaum belastet

Vergleichsweise gut schnitten laut Bundesamt deutsche Äpfel ab, bei denen nur in 2,3 Prozent die Höchstmenge an Pestiziden überschritten worden sei. Handel und Erzeuger müssten ihre Anstrengungen zur Verringerung der Rückstandsgehalte von Pflanzenschutzmitteln und Nitrat jedoch "deutlich intensivieren", appellierte Bundesamts-Leiter Helmut Tschiersky-Schöneburg. So seien bei insgesamt 87 Prozent der kontrollierten Äpfel Reste von Pflanzenschutzmitteln gefunden worden - oft jedoch nur in sehr geringen Mengen. Besonders betroffen waren Früchte aus Südamerika. "Deutsche Äpfel sind kaum belastet", erklärte Georg Schreiber vom Bundesamt für Verbraucherschutz.

Bei 80 Prozent der kontrollierten Tomaten wurden Rückstände gefunden

Auch bei 80 Prozent der kontrollierten Tomaten habe man Rückstände gefunden. "Die meisten waren aber unter den gesetzlichen Höchstwerten", so Schreiber. Sorgen bereite allerdings, dass 54 Prozent der Proben mehrfach belastet waren. Maximal seien 21 unterschiedliche Stoffe gefunden worden. "Wir wissen nicht, ob sich die Wirkung potenziert, wenn mehrere dieser Mittel zusammen vorkommen", erklärte Tschiersky-Schöneburg. Dazu werde derzeit auf europäischer Ebene geforscht.

In alkoholfreien Erfrischungsgetränken und Säften wurde das krebserregende Benzol in geringer Konzentration gefunden

In alkoholfreien Erfrischungsgetränken und Säften haben die Verbraucherschützer in geringer Konzentration das krebserregende Benzol gefunden. Die Chemikalie entstehe, wenn Vitamin C, Eisen und der Konservierungsstoff Benzoesäure zusammenkommen. "Die Hersteller müssen Fruchtsäfte von Schwermetallen freihalten, um das zu verhindern", sagte Schreiber.

Die Zahl der Proben mit Überschreitung der Höchstmenge sei zwar im Vergleich zu 2004 leicht zurückgegangen. Gleichzeitig habe man auch weniger komplett unbelastete Produkte auf dem deutschen Markt gefunden. "Hier kann der Verbraucher Druck ausüben, indem er Bio-Waren kauft", appellierte Tschiersky-Schöneburg. Für das repräsentative Lebensmittel-Monitoring wurden 4955 Proben aus dem Handel, von Erzeugern oder Importeuren untersucht.

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