Ärzte Zeitung online, 13.10.2009

Sensoren für bitterste Substanz identifiziert

POTSDAM (dpa). Der aus Enzian gewonnene Stoff Amarogentin gilt als bitterste natürliche Substanz der Welt. Mit welchen Geschmackssensoren Menschen Amarogentin wahrnehmen, hat nun ein deutsch-italienisches Forscherteam herausgefunden. Vier Sensoren seien beteiligt, teilte das Deutsche Institut für Ernährungsforschung (DIfE) in Potsdam am Dienstag mit.

Das hätten DIfE-Forscher zusammen mit Kollegen von der Universität Piemont in Italien entdeckt. Amarogentin sei immer noch zu schmecken, wenn ein Schnapsglas davon in einer Wassermenge verdünnt werde, die 5800 Badewannenfüllungen entspreche, heißt es in einer Mitteilung des DIfE.

Menschen nehmen Bitterstoffe mit Rezeptoren wahr, die wie "Antennen" auf den Geschmackszellen sitzen. Dockt eine Substanz an einen oder mehrere der Rezeptoren an, wird ein Signal ans Gehirn geschickt: Das da schmeckt bitter. Wichtig ist das, weil vor allem giftige Stoffe oft bitter sind. Die 25 menschlichen Bitterrezeptor-Gene seien seit Jahren bekannt, teilte das DIfE mit. Es sei aber bisher noch nicht gelungen, für jeden Bitterstoff die dazugehörigen Rezeptoren zu identifizieren.

In ihrer Studie untersuchten die Wissenschaftler um Maik Behrens und Wolfgang Meyerhof vom DIfE acht Rezeptortypen auf Wechselwirkungen mit verschiedenen Bitterstoffen. Sie zeigten, dass Amarogentin vier dieser acht Sensoren aktiviert (J. Agric. Food Chem., online vorab, Oktober 2009).

Das Wissen über die Geschmackswahrnehmung sei wichtig, um zu verstehen, wie Nahrungspräferenzen entstehen, wurde Meyerhof in der Mitteilung zitiert. Ebenso sei es denkbar, die Studienergebnisse zu nutzen, um spezielle "Bitterblocker" zu entwickeln, die den schlechten Geschmack von Medikamenten verringern.

Zum Abstract der Originalpublikation "The Human Bitter Taste Receptor hTAS2R50 Is Activated by the Two Natural Bitter Terpenoids Andrographolide and Amarogentin"

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Gluten kann auch Reizdarm verursachen

Wenn Reizdarmpatienten, die nicht an Zöliakie leiden, über glutenabhängige Beschwerden klagen, kann das ein Noceboeffekt sein. Es kann sich aber um etwas anderes handeln. mehr »

Entlassmanagement krankt an schlechter Kommunikation

Kaum in Umlauf, gerät der Medikationsplan in die Kritik. Ärzte fordern, Webfehler im System zu beheben. mehr »

So hoch ist der Diabetiker-Anteil in den 16 Bundesländern

In Deutschland leben mehr Menschen mit Diabetes als bisher geschätzt: Inzwischen leidet rund jeder zehnte GKV-versicherte Bundesbürger an Diabetes. mehr »