Ärzte Zeitung online, 03.08.2015

Schlechte Schlacht-Hygiene

Immer mehr Darmerkrankungen

Geflügelfleisch ist immer häufiger mit krankmachenden Keimen belastet: Nach einem Medienbericht infizierten sich im vergangenen Jahr 71.000 Menschen mit dem sogenannten Campylobacter-Keim - rund 15.000 mehr als noch 2004.

BERLIN. Geflügelfleisch ist häufig mit krankmachenden Keimen belastet: Die Zahl der von einem bestimmten Keim verursachten Darmerkrankungen ist laut einem Bericht des "Spiegel" in den vergangenen zehn Jahren deutlich gestiegen.

Demnach infizierten sich im vergangenen Jahr 71.000 Menschen mit dem sogenannten Campylobacter-Keim, der häufig beim Verzehr von Geflügelfleisch übertragen wird. 2004 seien es nur 55.803 gewesen.

Dies geht dem Magazin zufolge aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine schriftliche Anfrage der Grünen-Bundestagsfraktion hervor.

Menge des verunreinigten Fleischs "deutlich erhöht"

Im Gesundheitsministerium hält man demzufolge mangelnde Hygiene in den Schlachthöfen für den Grund der gestiegenen Infektionen.

So habe sich die Menge des verunreinigten Hähnchenfleischs "deutlich erhöht", bei Stichproben im Jahr 2013 sei der Keim auf mehr als der Hälfte aller untersuchten Hähnchen festgestellt worden.

Im Jahr 2011 sei das nur bei 40,9 Prozent der Fall gewesen.

"Alarmierender Zustand"

"Das ist ein alarmierender Zustand. Erreger werden durch eine mangelhafte Schlachthygiene vom Tier auf den Menschen übertragen", zitiert der "Spiegel" den agrarpolitischen Sprecher der Grünen-Fraktion, Friedrich Ostendorff.

Das Gesundheitsministerium sehe das ähnlich: Es sei "zwingend erforderlich", die Hygieneanforderungen in den Betrieben konsequent anzuwenden. (dpa)

[04.08.2015, 12:01:00]
Dr. Horst Grünwoldt 
Geflügelfleisch-Hygiene
Wenn die mittels rotierender Messer im Hängen auf der Schlachtstraße getöteten und ausgebluteten 1 kg-Hähnchen oder Suppenhühner anschließend etwa 10 sec durch ein Heißwasser-Bad durchgeführt würden (so wie das bei Schlachtschweinen zum Entborsten der Haut geschieht), dann wird nicht nur das keimbelastete (staubige) Gefieder naß, sondern auch weitgehend bakteriell dekontaminiert. Außerdem lassen sich die ungenießbaren Federn auch noch leichter und vollständig rupfen. (So wie das seit ewigen Zeiten auf dem Bauernhof geschieht). Als letzten Schlacht-Schritt werden die nackten Geflügel-Schlachtkörper -vor dem Ausnehmen- noch "gechillt" (in Eiswasser abgekühlt).
Wenn man -wie in den USA- den von Eingeweide befreiten Hinkel abschließend auch einer unschädlichen Tauch-Badewasser-Desinfektion in 2-3 prozentiger Natrium-Hypochlorit- Lösung (NaOCl) unterziehen würde, dürften kaum noch gesundheitsschädliche oder abioseresistente Bakterien nachweisbar sein. Es sei denn, die humanpathogenen werden wieder durch die schmutzigen Hände oder Gerätschaften des Küchenpersonals in das zerlegte Geflügelfleisch beim Zerlegen hineingetragen.
Der gänzlich unbedenkliche Verzehr findet aber bekanntlich erst nach dem Kochen, Braten oder Grillen -wie bei jedem Fleisch- statt...Deshalb gibt es ja auch kein Geflügel-"Mett"!
Dr. med. vet. Horst Grünwoldt, Rostock zum Beitrag »
[03.08.2015, 23:01:31]
Dr. Wolfgang P. Bayerl 
bitte immer auch an die Antibiotika-Mast erinnern!
Auf "rohes Fleisch" wie in der tiefen Vergangenheit (tatar etc.) muss man wohl endgültig verzichten.
Und Händewaschen bes. nach Geflügelzubereitung ist ein guter Tipp.
Eine gute Bratpfanne überlebt keines der Biester. zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Vier von zehn Diabetes-Fälle ließen sich verhindern

Durch Abspecken von drei bis sechs Kilo in der Bevölkerung ließen sich 40 Prozent der Diabetesfälle verhindern. mehr »

Lücken in der Hausarztmedizin wachsen

Gegenläufige Trends kennzeichnen die Bundesärztestatistik für 2016: Die Zahl der Ärzte erreicht ein neues Rekordhoch. Doch der Zuzug ausländischer Ärzte kompensiert die Probleme der Überalterung kaum. mehr »

Früherkennung mit einem Atemzug

Ein neuer Test zur Früherkennung von Lungenkrebs misst kleinste Veränderungen in der Zusammensetzung der Atemluft. Das von Forschern des Max-Planck-Instituts entwickelte Verfahren könnte das Diagnoseverfahren vereinfachen. mehr »