Ärzte Zeitung online, 15.03.2016

Bundeslandwirtschaftsminister

Nein zur Lebensmittel-Ampel

Grün für gesunde Lebensmittel, rot für Dickmacher und Co.: Eine Ampel-Kennzeichnung von Nahrungsmittel wird von der Verbraucherzentrale gefordert. Bundeslandwirtschaftsminister Christian lehnt die Idee ab.

BERLIN. Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt hat sich strikt gegen eine Ampelkennzeichnung von Lebensmitteln ausgesprochen.

"Sie ist eine unzulässige Vereinfachung und klärt nur scheinbar über den gesundheitlichen Wert des Lebensmittels auf", sagte der CSU-Politiker zum Weltverbrauchertag am (heutigen) Dienstag.

Wenn es um die individuellen Ernährungsgewohnheiten gehe, dürfe der Staat "nicht in die Kochtöpfe der Verbraucher hineinregieren", fügte er hinzu.

Schmidt sagte: "Ich kann nicht per Verordnung dafür sorgen, dass die Menschen mehr Spinat und weniger Chips essen." Transparenz und Information seien kein Selbstzweck. Ein Zuviel an Information überfordere die Konsumenten.

Verbraucherzentrale fordert "Klarheit und Wahrheit"

Der Verbraucherzentrale Bundesverband, der für die Ampel-Kennzeichnung ist, forderte: "Bundesminister Christian Schmidt muss "Klarheit und Wahrheit" im Sinne der Verbraucher durchsetzen." Dies erfordere umfangreiche Reformen - auch gegen Widerstände aus der Wirtschaft.

Schmidt betonte, die Politik habe dafür gesorgt, dass Lebensmittel in Deutschland heute so sicher seien wie nie zuvor.

Die Vorsitzende des Bundestags-Ausschusses für Verbraucherschutz, Renate Künast (Grüne), sieht das anders. Sie sagte: "Da ist in den letzten Jahren sehr wenig passiert. Mehr Sicherheit setzt die massive Reduzierung von Tierarzneimitteln und Pestiziden voraus." (dpa)

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[24.03.2016, 16:15:49]
Cordula Molz 
Zucker?
Sorge macht mir beim ganzen allerdings der Zucker. Schaut man sich die Zutatenlisten an, steht dort, wohlverborgen in zig verschiedenen Bezeichnungen, jede Menge Zucker drauf. Auch in Waren (absichtlich nicht als Lebensmittel bezeichnet), in denen man das gar nicht vermuten würde. Diese absolute Überflutung mit Zucker und anderen schnellen Kohlenhydraten ist das wahre Übel, denn keiner hat es wirklich im Überblick, was er so jeden Tag konsumiert.
Verbrauchersteuern helfen vermutlich nicht weiter. Eine illusorische aber schöne Idee wäre, wenn statt Zucker etc. frisches Obst und Gemüse subventioniert werden würde, so dass das Argument "gesundes Essen ist zu teuer" nicht mehr zieht. Aber nein, da fehlt leider die Lobby dafür. zum Beitrag »
[24.03.2016, 14:55:30]
Dr. Wolfgang P. Bayerl 
Uwe Knop und Cordula Molz Zustimmung, keine "Regulationsmachtansprüche"und keine Verbrauchersteuer
das Lieblingsinstrument der Grünen.
Dabei ist die DEG nicht wirklich hilfreich, eher ebenso schädlich wie die Ampel.
Das heißt nicht, dass kein Verbesserungsbedarf bei der Angabe von Inhaltsstoffen existiert.
"Gehärtete Fette", nicht nur im fast-food sondern leider auch im leckeren Capuccino sollen nicht deklariert, sondern verboten werden, wie in Dänemark. zum Beitrag »
[24.03.2016, 09:35:15]
Cordula Molz 
Die Ampel hilft tatsächlich nicht
Den Genuss an alleroberster Stelle als erstrebenswert hinzustellen, ist sicherlich auch nicht der richtige Ansatz. Dazu werden unsere hochverarbeiteten Industrie"lebens"mittel viel zu sehr darauf getrimmt, dass sie Suchtverhalten triggern. Allerdings ist die Definition durch rot, gelb, grün durchaus zu hinterfragen. Würde sie doch hauptsächlich auf inzwischen völlig veralteten Denkweisen beruhen, die nach wie vor von der DGE vertreten werden.
In Wirklichkeit ist es nicht möglich, alles in drei Kategorien zu packen. Fett ist nicht per se schlecht - Transfette jedoch ganz sicher. Gute Fette (nicht hochverarbeitet) sind förderlich. Zucker ist definitiv nicht hilfreich, Salz schadet nicht jedem.
Um es auf den Punkt zu bringen: Was für wen gut ist, ist sehr individuell. Manch einer verträgt Kohlenhydrate auch in höheren Mengen, weil er/sie eben Sport macht und wieder verbrennt, der nächste sollte für sich persönlich eben weniger davon essen - bis hin zu extrem wenig. Niemand nimmt einem ab, das selber auszuprobieren, es gibt keine fixen Regeln, nur Anhaltspunkte und Informationen, die einem beim Ausprobieren helfen.
Außer diesen: ich zitiere Michael Pollan: Eat food, mostly plants, not too much.
Was heißt: echtes Essen (also nicht Industriefutter mit ellenlangen Zutatenlisten, die niemand komplett beurteilen kann), hauptsächlich pflanzenbasiert und in angemessenen Mengen.
Wer sich daran hält, braucht wirklich keine Ampel - weil er keine hochverarbeiteten Fertigmahlzeiten mehr zu sich nimmt. zum Beitrag »
[16.03.2016, 09:27:27]
Uwe Knop 
Respekt to BM CS !

... die Ampel auf Lebensmitteln basiert auf frei erfundener Kategorisierung respektive "Lebensmittel-Diskreditierung" - denn was konkret "zu viel von Fett, Eiweiß, Zucker" in einem bestimmmten LM bedeutet, weiß niemand. Geschweige denn, ob weniger / mehr der Gesundheit der Bürger fördert / schadet. Die LM-Ampel ist plumper Populismus verblendeter Ernährungsapostel, die unter Regulationsmachtansprüchen leiden ...

@ Dr. Schätzler: Ich schätze Ihre Kommentare sehr; aber Ihr heutiger Ampel-Vergleich ist - sage ich es mal so - gewagt bis lebensgefährlich: Fahre ich bei Rot über die Ampel, so ist der Tod eine mögliche Konsequenz (mit realer Wahrscheinlichkeit). Esse ich ein "Ampel-rot gepunktetes LM" dann passiert - nichts. Außer ich werde satt & genieße es, wenn es schmeckt. zum Beitrag »
[15.03.2016, 16:24:37]
Dr. Frank Schlüter 
Schutz der Industrie vor dem Verbraucher
"Hieß es nicht früher Minister für Landwirtschaft, Ernährung und Verbraucherschutz"
Der Mann nimmt seinen Job ernst: Er schützt die Industrie vor den Verbrauchern ! zum Beitrag »
[15.03.2016, 16:09:35]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt als "IM" der "heute show"?
Da frage ich mich doch unwillkürlich, ob Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt jetzt als "Inoffizieller Mitarbeiter" (IM) bei der "heute show" des ZDF akkreditiert ist? Denn dass die schlichte Ampelkennzeichnung (Grün-Gelb-Rot) von Lebensmitteln "eine unzulässige Vereinfachung" sei, ist pure Realsatire: Dann wäre jede Verkehrsampel ja auch eine "unzulässige Vereinfachung" des Straßenverkehrs, weil nicht alle gleichzeitig drauflos fahren und über die Straße rennen dürfen.

Im Übrigen bestimmen "den gesundheitlichen Wert des Lebensmittels" grundsätzlich immer seine Inhaltsstoffe, speziell der Fett-, Kohlenhydrat-, Eiweiß- und Kaloriengehalt.

- Wer weiß schon, dass angeblich "gesundes" Knäckebrot extrem viel Fett enthält und nur in Wachspapier verpackt ansehnlich bleibt?
- Wer weiß schon, warum bei allen Käse-Sorten grundsätzlich Fett i. Tr. (in Trockenmasse) angegeben wird, ohne Angaben zum Wassergehalt?
- Wurstwaren der Metzger von dieser Verpflichtung befreit bzw. gegenüber Käse privilegiert werden (Fett i. Tr. je nach Wassergehalt ca. 80-90%)?
- Kartoffel-Chips vor Fett und Zusatzstoffen nur so triefen - deshalb die Dose oder beschichtete Tüten als Verpackungsmaterial?
- Fruchtsäfte nur fruchteigenen Zucker, Fruchsaftgetränke dagegen mengenweise Fremdzucker enthalten dürfen?
- Fertigprodukte und -Mahlzeiten etwas völlig anderes enthalten dürfen, als auf der bunten Verpackung abgebildet?

Wenn der Staat "nicht in die Kochtöpfe der Verbraucher hineinregieren" solle, warum gibt es dann eine Anschnallpflicht bei der Einkaufsfahrt, Sicherheitsvorschriften bei Elektro- und Gas-Herden oder der Küchenbeleuchtung?

Es bleibt unerfindlich, wie die schlichte Ansage "Rot-Gelb-Grün" ein Zuviel an Information und eine Überforderung der Konsumenten und potenziellen CSU-Wählerinnen und Wähler bedeuten könne? Jedes Kindergartenkind kennt bereits die 3 Ampelfarben und ihre Bedeutungen, selbst in Bayern.

Wenn aber der ernährungsphysiologische Horizont eines Bundeslandwirtschaftsministers nur dazu reicht, "nicht per Verordnung dafür (zu) sorgen, dass die Menschen mehr Spinat und weniger Chips essen", kann man nur fragen, warum wurde dieser Mann nicht häufiger in der "heute show" des ZDF interviewt?

Die dpa zeigt, wie man es macht: Einfach nur schreiben "Bundeslandwirtschaftsminister Christian lehnt die Idee ab". Und schon ist wieder "alles in Butter", wie das „Du“ in Skandinavien?

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
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