Ärzte Zeitung online, 11.05.2017

Alkoholkonsum

"Jeder Deutsche trinkt eine Badewanne voll alkoholischer Produkte"

Hunderte Menschen sterben jährlich durch Unfälle unter Alkoholbeteiligung. Dabei wäre das vermeidbar.

"Jeder Deutsche trinkt eine Badewanne voll alkoholischer Produkte"

Auf die negativen Folgen von Alkoholkonsum soll eine Aktionswoche aufmerksam machen. (c) picture-alliance / Bildagentur-o

HAMM. Alkohol ist hierzulande noch immer Volksdroge. "Jeder Deutsche trinkt im Jahr im Durchschnitt eine ganze Badewanne voll alkoholischer Produkte", sagt Christina Rummel, stellvertretende Geschäftsführerin der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen in Hamm.Sie organisiert die diesjährige "Aktionswoche Alkohol" (13.5. bis 21.5.), die auf die negativen Folgen des Trinkens aufmerksam machen soll. In Hunderten Aktionen wollen Freiwillige mit den Menschen über Alkoholkonsum reden.

Was ist an Alkohol so gefährlich?

Rummel: Alkohol ist ein Zellgift. Es ist ein Nervengift, und es gibt keine risikolose Menge, höchstens eine risikoarme. Alkohol ist krebsauslösend und hat Einfluss auf Herz-Kreislauf-Krankheiten. Er steht in Verbindung mit über 200 Krankheiten. Denken Sie zudem an soziale Folgen für Angehörige, an Gewalttaten unter Alkoholeinfluss, an ungeborene Kinder, die im Mutterleib mittrinken müssen, an Unfälle am Arbeitsplatz und die volkswirtschaftlichen Schäden in Höhe von 40 Milliarden Euro im Jahr.

Ein Glas ist auch schon schädlich?

Rummel: Es gibt Grenzwerte der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen. Da sagen wir: Zwölf Gramm Alkohol für Frauen und 24 Gramm für Männer pro Tag, aber auch nicht jeden Tag. Zwölf Gramm Alkohol entsprechen einem kleinen Glas Bier für Frauen, 24 Gramm 0,5 Liter Bier für Männer.

Was kann die Aktionswoche Alkohol bewirken?

Rummel: Alkohol ist in Deutschland sehr akzeptiert und es wird viel getrunken. Jeder Deutsche trinkt im Jahr im Durchschnitt eine ganze Badewanne voll alkoholischer Produkte - über 135 Liter. Wir wollen auf die Risiken aufmerksam machen, sowohl auf die gesundheitlichen, als auch auf die sozialen Schädigungen.

Warum liegt der Schwerpunkt auf dem Verkehr?

Rummel: 2015 gab es über 250 Todesfälle auf Grund dessen, dass eine Person im Straßenverkehr alkoholisiert war. Hinzu kommen Hunderte Verletzte. Das ist zu 100 Prozent vermeidbar. Da wollen wir ein Zeichen setzen und sagen: Alkohol hat im Straßenverkehr nichts zu suchen. (dpa)

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[12.05.2017, 12:39:53]
Horst Grünwoldt 
Alkoholische Produkte
Die älteste Biotechnologie -die alkoholische Gärung- beschert uns u.a. das wunderbare Bier. Das ist weltweit als "reinstes" Erfrischungs-Getränk und Durstlöscher nach dem schweißtreibenden Tagwerk für Erwachsene anerkannt. Es ist in der Sortenvielfalt vom afrikanischen Hirse-Gebräu bis zu unseren Edel-Pils-Bieren ein echtes Genußmittel!
Jedenfalls muß man sich damit nicht einen Rausch antrinken, wie das krankhaft Alkoholsüchtige leider auch tun.
Militante Anti-Alkoholiger stempeln das pauschalisierend aber auch schon als "Alkohol" ab, obwohl es lediglich eine genußfähige alkoholische Verdünnung ist. Und auf den prozentualen Alkoholgehalt kommt es schließlich an, was man sich auf die nackten Schleimhäte gießt.
Da ist das eigentliche alkoholische Gift natürlich die ü 30 prozentige Essenz; sprich: das alkoholische Destillat, das unmittelbar als Lösungsmittel sogar das Hirn und die Leber im abusus schädigen kann.
Damit verglichen stellen die alkoholischen Verdünnungen (Bier und Wein) zum Essen und in Maßen genossen, noch überhaupt kein gesundheitsbedrohendes Getränk dar. Der geringe Alkoholgehalt wird nämlich von der gesunden Leber als erste, leichtverfügbare Energie sofort verstoffwechselt und damit "entgiftet"!
Sogar im Früchte-Yoghurt oder der Molke können wir einen gewissen C2H5OH-Anteil analytisch nachweisen.
Wenn Frau Rummel von der "Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen" in Hamm/NRW uns abstrakt erklärt, dass jeder Deutsche im Jahreslauf "eine Badewanne voll alkoholische Produkte" (ca. 250 Liter) trinkt, dann sollte sie diese im Einzelnen auch benennen; und zwar nach Alkoholkonzentration!
Dr. med. vet. Horst Grünwoldt, Rostock




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