Ärzte Zeitung, 05.10.2005

KOMMENTAR

Nobelpreis für Hartnäckigkeit

Von Marlinde Lehmann

Medizin ist bisweilen ein zähes Geschäft. Robin Warren und Barry Marshall, die diesjährigen Medizin-Nobelpreisträger, können ein Lied davon singen. So sind sie nach ihrer Entdeckung eines spiralförmigen Keimes im Magen von Gastritis-Patienten zunächst jahrelang auf Skepsis, Mißtrauen und sogar Spott gestoßen.

Ausgezeichnet werden Warren und Marshall deshalb jetzt nicht nur für ihre Entdeckung des heute als Helicobacter pylori bekannten Keimes, sondern auch für ihre Hartnäckigkeit, vor allem Gastroenterologen und Mikrobiologen zum Umdenken bewegt zu haben.

Warren und Marshall sind dabei nur ein Beispiel für Forscher, die es gewagt haben, eine schon lange herrschende Lehrmeinung anzuzweifeln. Mit intensivem Suchen und guter Mikroskopiertechnik haben sie H. pylori gefunden.

Ein ähnliches Beispiel ist - um in der Gastroenterologie zu bleiben - die Erkenntnis, daß es im Darm nicht nur adenomatöse Polypen als Ausgangspunkt von Krebs gibt, sondern auch kritische flache und eingesenkte Adenome. Zunächst als Phänomen betrachtet, das es nur bei Japanern gibt, steht jetzt fest: Mit modernen Färbetechniken - und eben hartnäckigem Suchen - gibt’s sie auch bei Europäern!

Lesen Sie dazu auch den Hintergrund:
Ob Gastritis, Ulkus, Magenlymphom oder Krebs - der Magenkeim Helicobacter pylori mischt überall mit

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