Ärzte Zeitung, 04.10.2006

KOMMENTAR

Nobelpreis schon vor der Rente

Von Thomas Müller

Manche Koryphäen warten ein Leben lang auf den Anruf aus Stockholm, meist vergeblich. Einige dürfen sich immerhin noch im Greisenalter über die Einladung des Nobelpreis-Komitees freuen wie der deutsche Professor Ernst Ruska, der 1933 das erste Elektronenmikroskop zusammengeschraubt hat und dafür 53 Jahre später den Physik-Nobelpreis bekam.

Andrew Fire und Craig Mello mußten jedoch nicht erst bis zur Rente warten: Vor nur acht Jahren haben sie die RNA-Interferenz entdeckt. Daß es dafür so schnell einen Medizin-Nobelpreis gibt, das ist die eigentliche Überraschung.

Nobelpreiswürdig ist die Entdeckung zweifellos, schließlich haben die beiden US-Forscher ein Dogma in der Biologie umgestoßen: Lange Zeit hielt man RNA-Moleküle praktisch nur für Botenjungen, die genetische Informationen aus dem Zellkern an die Protein-Produktions-Maschinerie übermittelten.

Inzwischen weiß man, daß sie auch genetische Information kontrollieren und managen. Damit schützen sie uns etwa vor Viren und Krebs. Gerade bei diesen Krankheiten, die den Zellkern betreffen, fehlen uns spezifische Therapien. Die RNA-Interferenz könnte ein Weg dahin sein.

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