Ärzte Zeitung, 25.06.2008

Integration - auch auf dem Fußballplatz

Die Anti-Rassismus-Kampagne ist eine Facette des langjährigen sozialpolitischen Engagements des DFB

FRANKFURT/MAIN. Vor dem heutigen EM-Halbfinale gegen die Türkei wird der deutsche Nationalmannschaftskapitän Michael Ballack eine Erklärung gegen Rassismus verlesen. Diese öffentlich vorgetragene Botschaft, Höhepunkt der UEFA-Kampagne gegen Rassismus, reiht sich nahtlos ein in das soziale Engagement, welches sich der Deutsche Fußball-Bund (DFB) seit Jahrzehnten auf seine Fahnen schreibt.

Von Pete Smith

Nimmt heute zum Thema Rassismus Stellung: Michael Ballack, Kapitän der Fußballnationalmannschaft; unten: das Motto der Banden-Werbung.

Foto: dpa

Unter dem Motto "Vereint gegen Rassismus" hat der europäische Fußballverband gemeinsam mit dem Netz "Football Against Racism in Europe" und anderen Vereinigungen bereits im Vorfeld der Europameisterschaft in Österreich und der Schweiz für mehr Völkerverständigung und gegen fremdenfeindliche Äußerungen im Fußball geworben. Dazu zählen unter anderen ein Anti-Rassismus-Spot, Parolen auf der Bandenwerbung im Stadion, spezielle Aufdrucke auf den Westen der Ordner und die mit dem Motto "Unite Against Racism" bedruckten Eintrittskarten.

Sieben Spieler haben Vorfahren mit ausländischen Wurzeln

Der DFB hat parallel dazu einen Integrationsspot veröffentlicht, der von Regisseur Sönke Wortmann produziert worden ist. Im Team der deutschen Nationalmannschaft sind sieben Spieler, deren Vorfahren nicht aus Deutschland stammen oder die selbst wie etwa Lukas Podolski im Ausland geboren wurden. In dem Spot, der in zwei Versionen abgedreht worden ist, spielen Mütter und Väter von deutschen Nationalspielern und Nationalspielerinnen die Hauptrollen. Unter anderen wirken bei den Dreharbeiten die Eltern von Per Mertesacker, Christoph Metzelder, Renate Lingor und Celia Okoyino da Mbabi mit.

"Integration ist ein wichtiges gesellschaftspolitisches Thema", sagt DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger. "Deswegen sehe ich es als Pflicht für den DFB an, in dieser Sache einen Beitrag zu leisten. Ich bin überzeugt, dass der Fußball - und im Besonderen die Nationalmannschaft - dafür eine gute Plattform bietet." Auch Manager Oliver Bierhoff empfindet die Nationalmannschaft geradezu als prädestiniert dazu, für ein friedliches Miteinander einzustehen: "Die Nationalmannschaft steht für Toleranz und Respekt, das haben die Spieler in den letzten Monaten oft genug bewiesen."

Der Deutsche Fußball-Bund stellt sich seit mehr als einem halben Jahrhundert seiner sozialen Verantwortung. Dazu wurden mehrere Stiftungen gegründet, die Projekte im In- und Ausland fördern. Allein seit 1976 sind DFB-Aussagen zufolge 15 Millionen Euro sozialen Zwecken zugutegekommen.

1955 wurde das DFB-Sozialwerk gegründet. Das Werk sollte zunächst Not leidende Mitglieder, vor allem verletzte Spieler und deren Familien, unterstützen. Daraus entwickelte sich ein weiter gehendes Engagement, das auch bedürftige Menschen außerhalb des Fußballgeschehens einschloss.

Die Arbeit des Sozialwerks wird heute durch die 1976 gegründete Sepp-Herberger-Stiftung fortgeführt. Diese unterstützt Maßnahmen zur Resozialisierung durch Fußball in Haftanstalten, fördert den Fußball in Schulen und unterstützt den Behindertenfußball. Vom heutigen Ehrenpräsidenten Egidius Braun wurde das soziale Engagement des DFB seit Mitte der 1980er Jahre weiter forciert. Seinem persönlichen Einsatz sind das DFB-Jugendwerk, der Sportförderverein, die Daniel-Nivel-Stiftung und die Mexiko-Hilfe für Not leidende Kinder zu verdanken. Letztere wird heute unter dem Dach der zweiten DFB-Stiftung Egidius Braun fortgeführt. Über die Stiftungen hinaus spendet der DFB regelmäßig Geld für Kinderkliniken und in Not geratene Vereine.

Sozial-Engagement ist auch Teil der Satzung des DFB

Das sozialpolitische Engagement ist inzwischen auch in der Satzung des DFB verankert. "Zweck und Aufgabe des DFB ist es insbesondere, in Anerkennung der gesellschaftspolitischen Bedeutung des Fußballsports soziale Aktivitäten durchzuführen, gerade auch zur Hilfeleistung für bedürftige Personen und zur Wahrnehmung humanitärer Aufgaben", heißt es darin. Zu den humanitären Aufgaben zählt nicht zuletzt der öffentliche Einsatz gegen Gewalt.

Ein Ausdruck dieses Engagements ist die Aktion "Fair ist mehr". "Faire Spiele und faire Spieler sorgen dafür, dass es weniger Gewalt auf und neben dem Rasen gibt", erklärt Karl Schmidt, Vizepräsident des DFB. Die deutliche Abgrenzung der Nationalspieler von jeglichen rassistischen Äußerungen dient genau diesem Zweck.

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