Ärzte Zeitung, 07.03.2012

Atex kommt - und die "Ärzte Zeitung" wird digital

Atex kommt - und die "Ärzte Zeitung" wird digital

Eine massive Tastatur und ein länglicher Guckkasten - das war das erste elektronische Redaktionssystem der "Ärzte Zeitung": Atex. Das digitale Zeitalter läutet eine Revolution in der Informationstechnologie ein.

Atex kommt - und die "Ärzte Zeitung" wird digital

Atex ersetzte ab April 1984 die Schreibmaschine: Was Ressortchef Frank Erdmann ins "System" eingab, erschien so in der Zeitung. Der Setzer war überflüssig.

© W. Wille

Neu-Isenburg, im April 1984. Die wohl bedeutendste technische Umwälzung, die die großen Zeitungsredaktionen ab dem letzten Drittel des vergangenen Jahrhunderts erlebten, war die Verdrängung der Schreibmaschine durch den Computer.

Im April 1984 werden die ersten Bildschirmterminals auch in der Redaktion der "Ärzte Zeitung" aufgestellt.

Für spezialisierte Systeme zur digitalen Erfassung und Verwaltung der Inhalte von Zeitungen und Zeitschriften hat sich schon früh die Bezeichnung Redaktionssystem herausgebildet.

Das erste Redaktionssystem der "Ärzte Zeitung" hieß so wie sein Hersteller: Atex.

Festplatten, groß wie Schwarzwälder Kirschtorten

Misst man die Installation auf 44 Redakteursschreibtischen und im neuen "Computer-Raum" des Verlages mit dem Standard von heute, wird der enorme Fortschritt deutlich, den die Informationstechnik noch vor sich hat.

Die an Servern angeschlossenen wuchtigen Terminals bestehen 1984 aus einer Tastatur und einem Röhren-Bildschirm mit monochromer Darstellung.

Die externen Festplattenstapel, auf denen die Artikel der Zeitung gespeichert werden, entsprechen in Höhe und Umfang etwa einer Schwarzwälder Kirschtorte und können dennoch nur 300 Megabyte speichern.

Das sind weit weniger als ein Promille der Kapazität, die 28 Jahre später gängige Speicherkarten in Digitalkameras oder Smartphones haben werden.

Die Laufwerke sind so hoch wie Küchenschränke. Auch die Software leistet, jedenfalls auf der Ebene der Texterfassung, kaum mehr als das, was später fast jedes Textverarbeitungsprogramm können wird.

Dennoch: Das Redaktionssystem revolutioniert 1984 den Arbeitsalltag in der Redaktion. Der Abschied von der Schreibmaschine bringt einen beachtlichen Gewinn an Geschwindigkeit, Komfort und Qualität.

Geschwindigkeit: Die Zeitungsartikel werden digital in die Druckerei übertragen, müssen also nicht erneut von einem Setzer für die Belichtung erfasst werden.

Das neue System erlaubt einen späteren Redaktionsschluss und eine aktuellere Zeitung. Nebenwirkung: Der Beruf des Setzers wird fast überflüssig.

Komfort: Das System schießt die Artikel auf Befehl auf Spalte aus und berechnet die Artikellängen. Es sorgt auch für die automatische Silbentrennung.

Qualität: Das System bietet eine bis dahin nicht gekannte Transparenz. Redakteure können sich die Beiträge ihrer Kollegen am Bildschirm anzeigen lassen, korrigieren und ergänzen oder gemeinsam Schlagzeilen formulieren.

Mit dem Redaktionssystem ist die ressortübergreifende Zusammenarbeit einfacher geworden. Davon profitiert die Qualität der Zeitung.

Der Verlag wird erstmals Herr seiner Daten

Ein weiterer großer Gewinn: Der Verlag wird durch die Digitalisierung mit einem Mal der Herr über seine Daten.

Das World Wide Web ist noch nicht erfunden, doch die "Ärzte Zeitung" bietet bereits als eine der ganz wenigen Tageszeitungen weltweit den kompletten Inhalt als Online-Datenbank an, über verschiedene Hosts, wie zum Beispiel Btx, den Urvater von T-Online.

Im Jahre 1987 bietet die Online-Recherche bereits Zugriff auf alle 40.000 seit Mitte 1984 erschienenen Artikel der Zeitung.

Am Anfang werden am Redaktionssystem nur die Artikel erfasst, später auch mehrspaltig umbrochen. Die Seitenmontage der auf Film belichteten Artikel findet weiter in der Druckerei statt.

Immerhin 13 Jahre hat Atex für die Redaktion gearbeitet - überaus zuverlässig. An keinem Tag gab es einen Komplettausfall des Systems. (brs)

Topics
Schlagworte
30 Jahre Ärzte Zeitung (708)
Organisationen
T-Online (18)
Personen
Frank Erdmann (48)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Was neue Onkologika den Patienten tatsächlich bringen

Ist das Glas halb voll oder halb leer? Neue Onkologika haben die Überlebenszeit von Krebspatienten in den vergangenen zwölf Jahren im Schnitt um 3,4 Monate verlängert. Dieser Vorteil geht oft zulasten der Sicherheit. mehr »

Kassen und KBV drücken aufs Tempo

Bisher trat die Selbstverwaltung bei der Digitalisierung eher als Bremser auf. Bei den Formularen geben KBV und Kassen jetzt Gas: Im Juli kommt der digitale Laborauftrag. mehr »

"Auch mit Kind zügig möglich"

Eine Weiterbildung, die auch mit Elternzeit nur sechs Jahre dauert? Das ist möglich, sagt Dr. Sandra Tschürtz. Die angehende Allgemeinmedizinerin steht vor ihrer Facharztprüfung – und blickt auf ihre Zeit in einem Weiterbildungsverbund zurück. mehr »