Ärzte Zeitung, 03.04.2012

Ärztetag 1988: Heimspiel für die "Ärzte Zeitung"

Ärztetag 1988: Ein Heimspiel für die "Ärzte Zeitung"

Gesundheits- und Honorarreform, ethische Grundsätze zur Reproduktionsmedizin - der Ärztetag 1988 berät gewichtige Themen. Die Ärzte Zeitung liefert einen Spezial-Service.

Frankfurt, im Mai 1988. Der Ärztetag findet in der Main-Metropole statt, für die im benachbarten Neu-Isenburg beheimatete Redaktion der "Ärzte Zeitung" ist das ein Heimspiel.

An allen Beratungstagen, so die Vorgabe von Verleger Klaus Rehnig, erhalten die Delegierten noch am gleichen Abend ein Exemplar der "Ärzte Zeitung" mit den wichtigsten Dokumenten.

Sie werden unmittelbar nach dem Ärztetag in einer 16seitigen Dokumentation für alle Leser zusammengefasst.

Inhaltlich ist es ein produktiver Ärztetag. Bundesarbeitsminister Norbert Blüm verteidigt seine Gesundheitsreform mit den Worten: "Jetzt Reform oder morgen Ruin - das ist die Quintessenz der Lage."

Über 130 Korrekturen am EBM

Dagegen das Plädoyer von Bundesärztekammer-Präsident Dr. Karsten Vilmar: "Die Gestaltung unserer Gesundheitspolitik darf nicht primär unter Kostendämpfungsaspekten erfolgen, sondern muss medizinische Orientierungsdaten in die Entscheidung einbeziehen."

Die Fortschritte in der Reproduktionsmedizin der 80er Jahre erreichen nun auch den Ärztetag: Er stellt ethische Grundsätze auf, präzisiert die Qualifikationsforderungen für Ärzte und erteilt jeglicher Kommerzialisierung eine Absage.

In der Debatte um die Berufsordnung verurteilt der Ärztetag das sich verbreitende Gastarzt-Unwesen: Ärzte, die von Klinikarbeitgebern erpresst werden, als Assistenzarzt unentgeltlich zu arbeiten und die damit aus formalen Gründen Gefahr laufen, diese Arbeit von der Kammer nicht als Weiterbildung anerkannt zu bekommen.

Eine faktische Wirkung hat dieser Appell nicht - die Ausbeutung junger Ärzte nimmt dennoch zu.

Unmittelbar vor dem Ärztetag hatte die KBV-Vertreterversammlung insbesondere die noch unabsehbaren Folgen der EBM-Reform kontrovers beraten. Die Sorge galt vor allem dem Punktwertverfall und unbeabsichtigten Umverteilungen.

Noch am Rande des Ärztetages beschloss der gemeinsame Bewertungsausschuss von KBV und Krankenkassen 136 Korrekturen am EBM. (HL)

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