Ärzte Zeitung, 10.07.2012

Viel Zoff um Programme für chronisch kranke Patienten

Viel Zoff um DMP

Gesundheitsministerin Ulla Schmidt will die Behandlung chronisch Kranker verbessern. Dafür sollen spezielle Programme entwickelt werden. Diese bringen zunächst vor allem viel Bürokratie in die Arztpraxen.

Viel Zoff um Programme für chronisch kranke Patienten

DMP für Asthma und COPD wurden 2005 eingeführt.

© Leszczynsk / fotolia.com

Berlin, am 1. Juli 2002. Im ersten Halbjahr 2002 ist die geplante Einführung von strukturierten Behandlungsprogrammen für chronisch Kranke ein großes Aufregerthema in der Gesundheitspolitik.

Es geht um die richtige Auswahl der Krankheitsbilder, um die geplante Qualität der Programme, um Bürokratie, aber auch ums Geld. Umstritten ist von Anfang die Kopplung der Disease-Management-Programme (DMP) an den Risikostrukturausgleich (RSA).

Die Krankenkassen sollen für jeden eingeschriebenen Patienten Geld aus dem RSA erhalten. Kritiker fürchten, dass Patienten in die Programme gedrängt werden sollen, ein bisschen kommt es dann auch so.

Zehn Jahre später haben sich die Programme für chronisch Kranke etabliert. Aufgelegt wurden zunächst im Juli 2002 DMP für Diabetes Typ-2 und Brustkrebs.

Ein Jahr später folgt ein Programm für Patienten, die an einer koronaren Herzkrankheit leiden, im März 2004 das DMP Diabetes Typ-1.

2005 werden Programme für Asthmatiker und für Patienten mit COPD aufgelegt, seit Juli 2009 gibt es zudem das Modul Herzinsuffizienz zum DMP KHK.

Bürokratischer Aufwand

Insgesamt sind Ende 2011 nach Angaben des Bundesversicherungsamtes, das die Aufsicht über die DMP führt, etwa sechs Millionen Menschen in die mehr als 11.000 Programme eingeschrieben.

Ziel ist es, die Behandlungsqualität zu verbessern, in dem bestimmte Standards eingehalten werden.

Eine große Rolle spielen dabei Patientenschulungen, Präventionsangebote sowie regelmäßige Verlaufskontrollen. Genau definiert wird auch die Kooperation von Haus- und Fachärzten.

Ein großes Ärgernis ist für viele Ärzte von Beginn an der bürokratische Aufwand.

Zwar bekommen Ärzte für das Ausfüllen des Erstdokumentationsbogens 25 Euro und für die Folgedokumentation 15 Euro, aber der Papierwust ist riesig und die Fehlerquote liegt anfangs bei über 60 Prozent.

Besser wird es mit der Bürokratie erst, nachdem eine elektronische Übermittlung der Daten möglich ist. Bei allem Ärger sind die DMP für viele Praxen eine Einnahmequelle, auf die sie nicht verzichten möchten.

Ob die DMP die Behandlungsqualität verbessert haben, darüber gehen die Meinungen auseinander.

BVA sieht positive Wirkung

Doch Auswertungen des Zentralinstituts für die Kassenärztliche Versorgung (ZI) oder auch des Bundesversicherungsamtes sehen zum Beispiel bei der Versorgung von Diabetespatienten Fortschritte.

So kommt das BVA nach einer Analyse der Daten des DMP Diabetes Typ-2 aus den Jahren 2003 bis 2008 zu dem Ergebnis, dass sich bei vielen Patienten die Blutdruckkontrolle verbessert habe, außerdem habe die Blutzuckereinstellung häufig gehalten oder gar verbessert werden können.

Viele Patienten hätten zudem das Rauchen aufgegeben. "Aus den vorliegenden Daten kann die Hypothese abgeleitet werden, dass die an DMP teilnehmenden Versicherten von der Teilnahme deutlich profitieren", so das BVA.

Mit der Einführung des Gesundheitsfonds zum 1. Januar 2009 wurde aber auch noch einmal die DMP-Finanzierung geändert. Kassen erhalten Pauschalen je Versicherten, plus Zuweisungen je nach Alter, Krankheiten und Geschlecht.

Für ihre in DMP eingeschriebenen Versicherten erhalten sie seitdem eine sogenannte Programmkostenpauschale. (chb)

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