Ärzte Zeitung, 04.09.2012

Highlights 2008

Das Korbmodell als Hoffnungsträger

Das Korbmodell als Hoffnungsträger

STUTTGART, 16. APRIL 2008: Moralische Unterstützung für den Protest der bayerischen Hausärzte kommt aus dem Nachbarbundesland: Dr. Werner Baumgärtner, Vorsitzender von Medi Deutschland, kündigt an, dass auch in Baden-Württemberg mit Korbmodellen begonnen werden soll.

Bei einer Großveranstaltung am 16. April soll der Startschuss dazu gegeben werden. Aber bei einer ersten Informationsveranstaltung in Baden-Württemberg zeigt sich: Zwar wollen die Ärzte den Druck auf die Kassen erhöhen, bleiben aber skeptisch.

"Was sagt meine Hausbank zu einem Ausstieg?" - das ist nur eine der Fragen. Die Zukunftsängste an der Basis können die Funktionäre nie wirklich zerstreuen, weder in Baden-Württemberg noch in Bayern.

Allerdings kann die Situation im Südwesten nicht mit den Situationen in anderen Ländern verglichen werden - zu unterschiedlich ist die Lage im Jahr 2008.

Denn die regionale KV ist 2008 durch anhaltenden internen Streit geschwächt, gleichzeitig gibt es mit dem Hausärzteverband und Medi zwei freie Verbände, die nicht nur eine große Mehrheit der Hausärzte, sondern auch Fachärzte hinter sich haben.

Paradoxe Situation

Zusätzlich - und das ist ein bedeutender Unterschied zu anderen Regionen in Deutschland - versteht sich die AOK im Südwesten als Pionier im AOK-System und hat auf der Führungsebene einen "guten Draht" zu den Ärztefunktionären gefunden.

Gleichzeitig gibt es in Baden-Württemberg die paradoxe Situation, dass Medi zum einen zum GKV-Ausstieg aufruft und gleichzeitig über Versorgungsverträge mit der AOK verhandelt. Passt das zusammen?

Ja, sagt Medi - mit Korbveranstaltungen und der Drohung des GKV-Ausstieges soll der Druck auf andere Kassen erhöht werden, ebenfalls Verträge mit den freien Verbänden außerhalb der KV abzuschließen.

Der drohende Systemausstieg in zwei Bundesländern schmeckt nicht allen Verbänden: So fürchten etwa die Internisten das Ende des Kollektivvertrags. Auch an der KBV geht die Debatte um die Zukunft der KVen natürlich nicht spurlos vorüber.

In Strategiepapieren will sie festlegen, wie sie sich im Wettbewerb mit den Verbänden positionieren kann. (bee)

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