Ärzte Zeitung, 26.09.2012

Ende einer Ära an der Spitze der BÄK: Auf Hoppe folgt Montgomery

Wechsel an der BÄK-Spitze

Professor Jörg-D. Hoppe hat zwölf Jahre die Arbeit der Bundesärztekammer geprägt. Der Ärztetag wählt Frank Ulrich Montgomery zum Nachfolger.

Wechsel an der BÄK-Spitze

Dr. Frank Ulrich Montgomery (r.) löst Professor Jörg-Dietrich Hoppe ab.

© Schischefsky

2. JUNI 2011: Im zweiten Wahlgang hat es Dr. Frank Ulrich Montgomery geschafft: Mit 128 von 249 Stimmen wird er von den Delegierten des Ärztetages in Kiel an die Spitze der Bundesärztekammer (BÄK) gewählt.

Der damals 59-jährige Radiologe übernimmt das Amt von Professor Jörg-Dietrich Hoppe, der zwölf Jahre an der BÄK-Spitze stand, und nicht erneut angetreten war.

Als Vize-Präsidenten werden am 2. Juni 2011 die niedersächsische Kammerpräsidentin Dr. Martina Wenker sowie der Präsident der bayerischen Ärztekammer, Dr. Max Kaplan, gewählt.

Hoppe seit 1999 im Amt

Mit der Wahl geht eine Ära an der Spitze der Bundesärztekammer zu Ende. 1999 wurde der gelernte Pathologe und Allgemeinarzt Professor Jörg-Dietrich Hoppe auf dem Ärztetag in Cottbus gewählt. Er war bereits seit 1991 Vize der BÄK und seit 1993 Kammer-Präsident in Nordrhein.

Angetreten war er mit dem Ziel, die innerärztlichen Meinungsverschiedenheiten zu lösen. Stolz war er auf die Ärzteproteste 2006, die aus seiner Sicht der Ausdruck für ein "Wir-Gefühl" in der Ärzteschaft waren.

In den zwölf Jahren prägte der passionierte Geigen-Spieler das Amt mit seinem rhetorischen Scharfsinn und seinem Mut, kontroverse Themen auf die Tagesordnung zu bringen. Noch stand die Ärzteschaft unter dem Eindruck der in den 1990er Jahren begonnen Budgetierung.

Daher äußerte er tiefe Sorge über die Ökonomisierung und Kommerzialisierung der Medizin. 2009 stieß er die Diskussion um die Priorisierung von medizinischen Leistungen an -  Freunde in der Politik fand er damit nicht. Sein Engagement für ethische Fragen in der Medizin zog sich wie ein roter Faden durch seine Amtszeit.

Montgomery - berufspolitischer Vollprofi

Sein Nachfolger an der Spitze der BÄK war über Jahre sein Stellvertreter: "Er hat mir sehr viel Arbeit abgenommen. Ich brauchte mich nicht um die Presse zu kümmern" -  so Hoppe über Montgomery kurz vor dem ersten Wahlgang in Kiel.

Als berufspolitischer Vollprofi hatte er sich in den vergangenen Jahren vor allem als Vorsitzender des Marburger Bundes und als Präsident der Ärztekammer Hamburg einen Namen gemacht - auch über die Ärzteschaft hinaus: 2006 wurde er als "Streikführer aus gutem Hause" bundesweit bekannt. Zuvor hatte der MB, zunächst gegen Montgomerys Willen, 2005 die Tarifgemeinschaft mit verdi aufgekündigt.

Nach Professor Karsten Vilmar und Hoppe ist Montgomery der dritte BÄK-Präsident, der zuvor MB-Vorsitzender war.

Den Vorsitz des Ärztetages in Kiel führe Hoppe bis zur Wahl am dritten Sitzungstag souverän - es ist für Beobachter und Delegierte aber sichtbar, dass er nach einer Operation Ende 2010 noch schwer gezeichnet ist.

Dem Eindruck will er mit rheinischem Humor (als Nicht-Rheinländer) widersprechen: "Kerngesund" sei er, nur das Essen in der Klinik habe ihn ausgezehrt.

Am 7. November 2011 stirbt Professor Jörg-Dietrich Hoppe im Alter von 71 Jahren. (bee)

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