Ärzte Zeitung online, 12.09.2011

9/11: Die Spätfolgen der Betroffenen

9/11: Die Spätfolgen der Betroffenen

Seit den Anschlägen vom 11. September 2001 haben viele Betroffene mit den Langzeitfolgen zu kämpfen. Seit 2003 wird ein Register über die gesundheitlichen Folgen nach dem Terroranschlag geführt. Rund 70.000 Betroffene sollen nun an der dritten Erhebung teilnehmen.

NEW YORK (plc). Auch im zehnten Jahr nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 ist die Aufarbeitung der Katastrophe noch nicht abgeschlossen. Die gesundheitlichen Langzeitschäden stellen eine Herausforderung für zahlreiche Forschergruppen dar. Eine dieser Forschergruppen verwaltet ein Register für Überlebende und deren Langzeitschäden - das World Trade Center Health Register (WTC-Register).

Dort startet jetzt zum dritten Mal eine der größten Untersuchungen zum Gesundheitszustand von rund 70.000 Menschen. Das Kernziel der Wissenschaftler: Sie wollen die Langzeitfolgen der Terroranschläge vom 11. September 2001 genau ermitteln und auswerten.

Geschätzte Zahlen der Betroffenen

Rund 410.000 Menschen sollen von den Anschlägen am 11. September 2001 direkt betroffen gewesen sein, darunter :

  • mehr als 91.000 Rettungskräfte, Feuerwehrleute und freiwillige Helfer
  • mehr als 360.000 Anwohner und Passanten aus der näheren Umgebung
  • über 15.000 Kinder und Lehrer aus den umliegenden Schulen

Diese Schätzungen basieren auf der WTC-Register-Datenerhebung von 2003 und 2004.

Gesundheitsstatus nach zehn Jahren

Bereits in den vergangenen Jahren hatten Forscher des WTC-Registers zwei Befragungen zu diesem Thema durchgeführt. Die neue Studie, die nun beginnt, soll den Gesundheitsstatus der Menschen, die bereits an den vorherigen Studien teilgenommen haben, zehn Jahre nach den Anschlägen offenlegen.

Unter den Teilnehmern sind Rettungskräfte, Feuerwehrleute, Bergungshelfer, Arbeitnehmer aus den Gebäuden um das World Trade Center, Anwohner sowie Passanten.

"Aus den ersten beiden Studien konnten posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS) sowie Atemwegserkrankungen bei den befragten Personen ermittelt werden", sagte der Arzt und Gesundheitsbeauftragte von New York, Dr. Thomas Farley. "Erst jetzt ist genügend Zeit vergangen, um mit der Untersuchung potenzieller Spätfolgen und der langfristigen Gesundheitsschäden zu beginnen.".

Aufschluss über PTBS und Asthma

Die Auswertung aus der dritten Befragung können die Wissenschaftler künftig für eine bessere Versorgung von Opfern und Betroffenen nutzen. Sie soll über psychische und körperliche Symptome zehn Jahre nach dem 11. September 2001 Aufschluss geben, ob Erkrankungen wie PTBS oder Asthma weiter fortschreiten.

Der aktualisierte Fragenkatalog zur psychischen Verfassung erfasst Symptome zu Depressionen, Angststörungen und den Verlauf der PTBS vor und nach dem 11. September 2001. Außerdem wird nach Symptomen zu Asthma, Schlafapnoe, anderen Atemwegserkrankungen sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Autoimmunerkrankungen und anderen potenziellen Spätfolgen gefragt.

WTC-Gesundheitsprogramm für Betroffene

Mit den Erhebungen wollen die Forscher vom WTC-Register Versorgungslücken aufdecken und auf die Gesundheitsleistungen des staatlichen WTC-Gesundheitsprogramms aufmerksam machen.

Gegründet wurde das Programm, nachdem Präsident Barack Obama im Juli 2011 ein entsprechendes Gesetz erlassen hatte. Ausschlaggebend hierfür waren die Ergebnisse aus der ersten und zweiten WTC-Register-Studie.

Im Rahmen des Programms haben Überlebende erstmals landesweit Zugang zu medizinischen Dienstleistungen. Für Rettungskräfte, Feuerwehrleute und freiwillige Helfer gibt es einen ähnlichen Zugang bereits seit 2008.

Bereits zwei Studien veröffentlicht

Aus den ersten beiden WTC-Register-Studien konnten die Forscher bereits zahlreiche Erkrankungshäufigkeiten und Spätfolgen bei den Überlebenden ermitteln.

Wichtige Ergebnisse der WTC-Register-Studie von 2003 und 2004:

Die Daten der zweiten WTC-Register-Studie aus den Jahren 2006 und 2007:

  • Bei Einwohnern Manhattans und Arbeitnehmern um das World Trade Center wurde eine verschlechterte Lungenfunktion festgestellt, wenn sie bereits chronische Atemwegserkrankungen entwickelt hatten (Am. J. Respir Crit Care Med 2011; 184: 582-589.).
  • Bei 19 Prozent der Befragten fanden die Forscher heraus, dass auch fünf bis sechs Jahre nach "9/11" eine neue PTBS auftreten kann. Gegenüber der ersten Registerstudie drei Jahre zuvor wäre das eine Steigerung von 14 Prozent. Die höchsten PTBS-Raten wurden ermittelt bei Personen mit niedrigem Einkommen (32 Prozent), Lateinamerikanern (31 Prozent) sowie bei Passanten, Einwohnern, Pendlern und Touristen am Tag der Anschläge (23 Prozent)(JAMA 2009; 302(5): 502-516).
  • Zehn Prozent der Befragten berichten von Asthma, das sich ab dem fünften Jahr nach den Anschlägen entwickelt hat. Neu aufgetretene Asthmaerkrankungen waren am höchsten bei Rettungs- und Feuerwehrkräften sowie Bergungsarbeitern, die in den Trümmern gearbeitet haben (JAMA 2009; 302(5): 502-516).

Für die aktuelle WTC-Register-Studie werden jetzt rund 69.000 Erwachsene und rund 1.300 Kinder und Jugendliche befragt. Die Datenerhebung soll bis Anfang März 2012 laufen.

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