Ärzte Zeitung, 30.06.2010

Selbstloser Einsatz für Menschen mit Demenz

Kandidat für den SpringerMedizin CharityAward 2010

Selbstloser Einsatz für Menschen mit Demenz

Die Zeit in einer Klinik ist für viele Kranke ungewohnt - gerade mit einer Demenzerkrankung. Im Marienkrankenhaus in Hamburg helfen die Grünen Damen den Patienten und vermitteln ein Gefühl von Sicherheit.

Von Pete Smith

Selbstloser Einsatz für Menschen mit Demenz

Eine Grüne Dame: Sie hört geduldig zu, hilft und gibt Demenzkranken Sicherheit.

© Kath. Marienkrankenhaus GmbH

In Deutschland leben etwa 1,2 Millionen Menschen, die an einer Demenz erkrankt sind. Mehr als 250 000 Neu-Erkrankungen werden jedes Jahr diagnostiziert. Gerade für Demenz-Patienten, die sich in einer fremden Umgebung nur schwer zurechtfinden, ist ein Krankenhausaufenthalt aufgrund einer anderen Erkrankung eine enorme Belastung. Das Marienkrankenhaus in Hamburg hat für sie und ihre Angehörigen einen besonderen Service eingerichtet: Es stellt ihnen Lotsen zur Seite, ehrenamtlich tätige "Grüne Damen und Herren", die durch eine besondere Schulung auf diese anspruchsvolle Aufgabe vorbereitet worden sind.

Demenzkranke benötigen viel Zuwendung, Verständnis und Geduld, die das herkömmliche Personal in einem Krankenhaus aufgrund ihres straffen Zeitplans meist nicht aufbieten kann. Daher wurde am 1864 gegründeten Katholischen Marienkrankenhaus in Hamburg, dem zweitältesten Krankenhaus der Stadt, das Projekt der "Lotsen für Patienten mit einer Demenz" eingerichtet.

Schon seit 1984 schenken ehrenamtliche so genannte Grüne Damen (und neuerdings auch Herren), zu erkennen an ihren grünen Kitteln, den Patienten des Marienkrankenhauses Zeit für Gespräche und Spaziergänge, für die Erledigung der Korrespondenz oder zum Vorlesen von Büchern. Sie begleiten die Patienten zu Therapien, machen Besorgungen und planen Besuche zum Friseur, zur Maniküre oder Fußpflege.

Darüber hinaus haben einige der zurzeit etwa 60 Grünen Damen und Herren des Marienkrankenhauses bei der Alzheimer Gesellschaft Hamburg e. V. eine Zusatz-Qualifizierung erworben, um den besonderen Anforderungen von demenzkranken Patienten der Einrichtung gerecht werden zu können. Diese Demenz-Lotsen, erkennbar an einem gelben Smilie, übernehmen daher folgende Aufgaben:

  • Sie halten den Kontakt zu den Demenzkranken, führen mit ihnen Gespräche und vermitteln ihnen durch ihre Einfühlsamkeit und ihr Verständnis das Gefühl von Vertrautheit und Sicherheit.
  • Sie begleiten die Patienten zu Untersuchungen und Behandlungen.
  • Sie sind für die Angehörigen ein zusätzlicher Ansprechpartner für persönliche Belange im Rahmen der Demenzerkrankung.

Die von den Patienten auch Grüne Engel genannten ehrenamtlich tätigen Helfer sind sechs Tage pro Woche, von Montag bis Samstag, jeden Vormittag drei Stunden im Einsatz. Jeder Mitarbeiter der bundesweiten Ökumenischen Patientenhilfe hat feste Stationen, die von ihm oder ihr betreut werden. Von den Pflegekräften erfahren die Lotsen früh morgens, ob an diesem Tag spezielle Besonderheiten vorliegen, danach suchen sie die Patienten selbst auf und fragen diese nach ihren Wünschen und Bedürfnissen.

Angehörige, die einen Demenzkranken betreuen, können sich vor dessen Einlieferung ins Marienkrankenhaus in Hamburg mit der Pflegefachleitung der Klinik in Verbindung setzen, die auf Wunsch den Kontakt zu einem der Lotsen herstellt. Im Vorfeld werden die Angehörigen mittels Fragebogen gebeten, wichtige Lebensthemen und Interessen des Demenzkranken aufzuführen, was den Lotsen später dabei hilft, rasch Vertrauen zu den Patienten aufzubauen.

Die enge Kooperation mit der Alzheimer Gesellschaft Hamburg e. V. stellt die Qualität dieses besonderen Angebots sicher. Die Alzheimer Gesellschaft vertritt die Anliegen demenzkranker Menschen und ihrer Angehöriger in Hamburg, wo etwa 23 000 Demenz-Patienten leben. Darüber hinaus entwickelt und fördert der Verein Hilfen für Betroffene. In der Alzheimer Gesellschaft engagieren sich Erkrankte, Angehörige, ehrenamtlich tätige Helfer sowie Ärzte und Pfleger, die Demenzkranke behandeln und betreuen.

Welche Bedeutung die Grünen Damen und Herren für die Patienten des Marienkrankenhauses haben, würdigte Werner Koch, Vorsitzender der Geschäftsführung, aus Anlass ihres 25-jährigen Dienstjubiläums: "Anfangs noch kritisch von Ärzten und Pflegepersonal beäugt, sind sie heute ein fester Bestandteil in der täglichen Arbeit für unsere Patienten und halten mit so wertvollen Eigenschaften wie Herz, Humor und reichlicher Lebenserfahrung einen wichtigen Hilfsdienst bereit."

Zur Sonderseite Springer Medizin Charity-Award 2010

Die Grünen Damen im Marienkrankenhaus

Die Grünen Damen im Marienkrankenhaus

Seit 1984 engagieren sich ehrenamtlich tätige Helfer am Hamburger Marienkrankenhaus für die Belange der Patienten. Die "Grünen Damen und Herren" führen mit ihnen Gespräche, begleiten sie auf Spaziergänge, helfen ihnen bei der Korrespondenz und lesen ihnen Bücher vor. Einige der 60 Helfer haben bei der Alzheimer Gesellschaft Hamburg e. V. eine Zusatzqualifikation erworben, um den besonderen Bedürfnissen von Demenzpatienten gerecht zu werden. Die Lotsen begleiten den Patienten zu Untersuchungen und sollen Ansprechpartner für Angehörige sein.

www.marienkrankenhaus.org

Topics
Schlagworte
Charity-Award 2010 (16)
Krankheiten
Demenz (2969)
Personen
Pete Smith (507)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Neuroprothese lässt Gelähmten wieder zugreifen

Eine Neuroprothese ermöglicht einem Tetraplegiker, mit einer Gabel zu essen. Sein Hirn wird dabei per Kabel mit Muskeln in Arm, Hand und Schulter verbunden. mehr »

Mord und Totschlag in deutschen Kliniken?

Eine umstrittene Studie zu lebensbeendenden Maßnahmen in Kliniken und Pflegeheimen erhitzt die Gemüter. mehr »

Psychotherapie-Richtlinie steht vor holprigem Start

Der Start der neuen Psychotherapie-Richtlinie am 1. April löst bei den Beteiligten keine Begeisterung aus. Die Kritik überwiegt. Lesen Sie die aktuellen EBM-Ziffern. mehr »