Ärzte Zeitung online, 09.06.2010

WM-Duden: Von Abfangjäger bis Zuckerpass

MANNHEIM (dpa). Fußball prägt auch die Sprache: Rechtzeitig zur Fußball-Weltmeisterschaft hat die Duden-Redaktion ein Buch herausgebracht, das die Sprache der Fans, Spieler, Trainer oder auch Reporter beleuchtet. "Keeper, Elf und Gurkenpass ­ (K)ein Wörterbuch der Fußballsprache" heißt das Werk.

WM-Duden: Von Abfangjäger bis Zuckerpass

Der Fußball-Duden ist mehr ein Lesebuch als ein Wörterbuch. Er enthält zwar ein deutsches Fußballsprache-ABC - von A wie Abfangjäger oder Abseits bis Z wie Zuckerpass oder Zwölfter Mann. Doch dieser Teil umfasst nur etwas weniger als 40 der insgesamt 144 Seiten.

Auch speziell österreichische Ausdrücke wie Fetzenlaiberl (für das runde Leder) werden vorgestellt. Ein Ausflug in die Schweiz mit Begriffen wie Bänkleinwärmer (für Auswechselspieler) oder Faulisiech (für häufig foulenden Spieler) stellt der Duden vor.

Hinzu kommen zweisprachige Mini-Wörterbücher mit wichtigen Vokabeln des Sports aus den Sprachen Englisch, Französisch, Italienisch und Spanisch. Allerdings fehlt dabei jegliche Aussprachehilfe.

Umso schöner sind die Seiten zur Fußballsprache im weiteren Sinne. So bekommen Fans und Laien das Prinzip von Vereinsnamen erklärt - etwa anhand der Beinamen, die die Farben (Rot-Weiß Essen), die Kameradschaftlichkeit (Eintracht Frankfurt) oder aber die Heimatverbundenheit (Bayern München) betonen können.

Spitznamen für Vereine, Spieler, Trainer und Nationalmannschaften listet der Autor - der Fußballfachmann und Germanistikprofessor Peter Schlobinski von der Universität Hannover - ebenfalls auf. Es geht außerdem um Fangesänge, Vereinsmaskottchen, Schlachtrufe oder die Eigenheiten der Sprache von TV-Fußballreportern, die oft - mit Verlass auf die Bilder - viel weglassen oder Sätze wegen neuer Ereignisse einfach abbrechen.

Nur im Ansatz geht es in die Geschichte: Die historischen Abrisse zum Phänomen "La Ola", dem "Ja gut" des Franz Beckenbauer, der Wutrede des Trainers Giovanni Trapattoni 1998 ("Was erlauben Strunz... Ich habe fertig") oder den legendären Rundfunkworten des Herbert Zimmermann beim WM-Finale 1954 ("...aus dem Hintergrund müsste Rahn schießen, Rahn schießt, Tor, Tor, Tor, Tor...") sind arg kurz. Doch Schlobinski gibt am Ende viele Quellen und Tipps zum Weiterlesen an.

Amüsant ist der Duden an vielen Stellen - Zitat des Kabarettisten Dieter Nuhr auf Seite 59 (das dieses Jahr unmöglich wäre, weil Österreich nicht bei der WM dabei ist): "Bei der Fußball-WM habe ich mir Östereich gegen Kamerun angeschaut. Auf der einen Seite Exoten, fremde Kultur, wilde Riten - und auf der anderen Seite Kamerun!"

Weitere Berichte zur FIFA WM 2010 und Informationen zum WM-Tippspiel finden Sie auf unserer Sonderseite

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