Ärzte Zeitung online, 16.06.2010

"Hitz, the Hammer" besucht die Township-Kinder

"Hitz, the Hammer" besucht die Township-Kinder

STUTTGART (dpa). Khayelitsha ist Aids-verseucht. Im zweitgrößten Township Südafrikas ist die Hälfte der Kinder HIV-positiv. Fußballprofi Thomas Hitzlsperger besuchte sie - zu sehen ist das am Samstag in der ARD in einer rührenden Dokumentation.

Von Roland Böhm

Der Junge heißt Andile, doch er nennt sich nur Thomas, nach Thomas Hitzlsperger, dem deutschen Fußballprofi. "Hitz, the Hammer", wie der ehemalige Nationalspieler seit seiner Zeit in England gern genannt wird. Andile ist elf. Andile ist HIV-positiv. Er lebt in einem Township in Südafrika, wo jedes zweite Kind sein Schicksal teilt. Vor einem Jahr bekam er Besuch, vom "Hammer". Sigrid Klausmann hat bewegende Begegnungen der beiden dokumentiert. Ihr 34-Minuten-Film "Thomas Hitzlsperger und die Township-Kinder" läuft an diesem Samstag innerhalb der Vorberichterstattung zum WM-Spiel Niederlande gegen Japan ab 12.15 Uhr in der ARD.

Es war eine einfache Frage, doch die Reaktion von Andile, hat den sonst so strahlenden Fußballhelden Hitzlsperger verändert. Als der einstige Mittelfeldspieler des VfB Stuttgart den Jungen nach seinem Vater fragt, bricht der in Tränen aus und rennt aus dem Raum. Andiles Vater starb vor acht Jahre an Aids. "Auch bei mir hinter der Kamera liefen die Tränen runter", erzählt Regisseurin Klausmann, Frau des Schauspielers Walter Sittler. 22 Millionen Aids-Waisen hatten plötzlich ein Gesicht. "Mir war plötzlich klar, was es bedeutet, wenn ein Kind seinen Vater verliert", sagt Hitzlsperger.

Andile ist eines von zig HIV-infizierten Kindern, um die sich die Organisation "Ubuntu Africa" in der Township Khayelitsha kümmert, einer Wohnsiedlung für Schwarze am Rande Kapstadts. Ins Leben gerufen wurde die Organisation von der jungen Amerikanerin Whitney Johnson. Ihre Art, Hoffnung zu geben, wollte Klausmann porträtieren, fand in Hitzlsperger einen Partner - der damals selbst noch hoffte, in diesen Tagen für Deutschland zu spielen.

"Hitz" verzichtete auf seinen bereits geplanten Urlaub, zahlte seinen Trip nach Südafrika selbst und besuchte an der Seite Klausmanns das Township - ohne Presse, ohne Bodyguard. "Er ist so, wie er ist", sagt Klausmann. Mit seiner bescheidenen Art, mit der er Andile nie bedrängt habe, sei es "the Hammer" gelungen, dass sich der Junge öffnete. Das Ergebnis: berührende, bezaubernde Szenen - in seiner Hütte, hoch über Kapstadt oder kickend am Strand.

"Er begegnet Menschen, die zu den Hoffnungslosen und Verstoßenen zählen, die nicht dabei sein werden, wenn die Zuschauer auf hochgesicherten Wegen zu den Spielen in die Stadien geschleust werden", heißt es auf Klausmanns Homepage. "Man hat neun neue Stadien, aber die Shaks (Wellblechhütten) stehen unter Wasser", berichtet Whitney Johnson. Der deutschen Mission um Hitzlsperger ist es immerhin im letzten Moment gelungen, dass "Ubuntu Africa" ein lang ersehntes neues Grundstück bekommt, um noch mehr kranke Kinder betreuen zu können. Denn eins wollte Klausmann in ihrem Film nicht sehen: Bilder, auf denen der Star aus Deutschland einfach einen Scheck überreicht.

Was bei den Dreharbeiten vor einem Jahr noch nicht klar war: Thomas Hitzlsperger hat den Sprung auf den deutschen WM-Zug in letzter Minute verpasst. Der gebürtige Münchner ist nicht dabei, wenn am Kap in diesen Tagen eventuell ein neues deutsches Sommermärchen entsteht. "Ich glaube aber, wir haben mit dem Film auch etwas Großes geschaffen", sagt der 28-Jährige.

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