Ärzte Zeitung online, 19.06.2011

Deutsche Fußball-Damen jagen WM-Titel-Hattrick

Die deutschen Fußball-Damen haben bei der anstehenden Heim-WM nur eines im Sinn: den WM-Titel. Der Topfavorit setzt bei der Mission Gold auf Flexibilität und die berüchtigte Defensive. Die Routiniers Birgit Prinz und Ariane Hingst wollen ihre Karriere mit dem Titel-Hattrick krönen, ehe sie abdanken.

DFB-Damen jagen WM-Titel-Hattrick

Das WM-Aufgebot der deutschen Frauen-Nationalmannschaft: Hintere Reihe (v.l.): Bundestrainerin Silvia Neid, Ariane Hingst, Verena Faißt, Saskia Bartusiak, Lira Bajramaj, Inka Grings, Martina Müller, Assistenz-Trainerin Ulrike Ballweg. Mittlere Reihe (v.l.): Alexandra Popp, Birgit Prinz, Kim Kulig, Almuth Schult, Ursula Holl, Nadine Angerer, Linda Bresonik, Kerstin Garefrekes, Simone Laudehr. Vordere Reihe (v.l.): Torwart-Trainer Michael Fuchs, Annike Krahn, Melanie Behringer, Celia Okoyino da Mbabi, Lena Goeßling, Babett Peter, Bianca Schmidt, Managerin Doris Fitschen.

© dpa

NEU-ISENBURG (ths/dpa). Die deutsche Frauen-Nationalmannschaft geht als amtierender Weltmeister und Gastgeber selbstbewusst und ehrgeizig in die Weltmeisterschaft, die vom 26. Juni bis 17. Juli ausgetragen wird.

Aus dem Traum vom dritten WM-Titel in Folge machen Spieler, Trainer und Verantwortliche kein Geheimnis. "Natürlich wollen wir im eigenen Land Weltmeister werden. Das ist unser großer Wunsch und ein realistisches Ziel. Wir sind Favorit und nehmen diese Rolle an", sagte Trainerin Silvia Neid.

Gleichwohl weiß die 47-Jährige, dass der dritte Triumph nach 2003 in den USA und 2007 in China kein Selbstläufer wird. "Die Konkurrenz ist stark. Es gibt fünf oder sechs weitere Teams, die den Titel holen können."

Eröffnungsmatch gegen Kanada

Doch bis die DFB-Damen möglicherweise soweit sind, am 17. Juli den WM-Pokal in den Frankfurter Nachthimmel zu strecken, wartet ein langer Weg auf sie.

Schon in der Vorrunde werden die deutschen Kickerinnen richtig gefordert: Die Gruppengegner lauten Kanada (26. Juni, Anpfiff um 18 Uhr), Nigeria (30. Juni, 20:45 Uhr) und Frankreich (5. Juli, 20:45 Uhr).

Kein Gegentor bei der vergangenen WM

Zum Erfolg sollen zwei Stärken führen: das solide Defensivverhalten und die Flexibilität der Spielerinnen. Über die gesamte WM in China vor vier Jahren hielt Nationaltorhüterin Nadine Angerer ihren Kasten sauber und auch in den Testspielen vor der Heim-WM gegen Nordkorea (2:0), Italien (5:0) und Norwegen (3:0) war die deutsche Deckung nicht zu überwinden.

Ganz zur Freude von Trainerin Neid, die zudem in der Vorbereitung feststellte, dass sie keine feste Anfangsformation braucht: "Wir haben viele verschiedene Spielertypen und sind sehr flexibel. Das zeichnet uns vielleicht aus. Ich muss mich gar nicht auf eine Stammelf festlegen."

Prinz und Hingst hoffen auf krönenden Karriere-Abschluss

Dennoch gibt es Eckpfeiler im Team: Mit Nadine Angerer (32 Jahre) bilden Rekordnationalspielerin Birgit Prinz (33), Inka Grings (32) sowie Ariane Hingst, Kerstin Garefrekes und Martina Müller (alle 31) die "Goldene Generation".

Das "Ü 30"-Sextett wirft die Erfahrung von fast 800 Länderspielen in die Waagschale. Vor allem Rekordnationalspielerin Prinz und Mittelfeldspielerin Hingst sind heiß auf die WM, die ein erfolgreicher Abschluss ihrer internationalen Karrieren darstellen soll.

13 Weltmeisterinnen an Bord

Insgesamt stehen 13 Weltmeisterinnen von 2007 im 21er-Kader. Inklusive der vier U 20-Weltmeisterinnen von 2010 - Kim Kulig, Alexandra Popp, Bianca Schmidt und der dritten Torfrau Almuth Schult - sind acht Akteurinnen 23 oder jünger.

Vielseitigkeit, Flexibilität, Technik, taktisches Verständnis, Fitness und psychische Belastbarkeit waren beim WM-Casting Auswahlkriterien. Am Ende zählte die Leistung. Neid ist sicher, die richtige Mischung gefunden zu haben: "Der Kader ist sehr ausgewogen besetzt." - Die deutschen Nationalspielerinnen im Porträt:

Torhüterinnen

Nadine Angerer (1. FFC Frankfurt/32 Jahre/97 Länderspiele/0 Tore), Rückennummer 1: Zweimalige Weltmeisterin. Als Nummer 1 unumstritten. 2007 in China kassierte sie kein Tor, das ist Rekord.

Ursula Holl (FCR Duisburg/28/5/0), Rückennummer 12: In ihrer Rolle als klare Nummer zwei eine verlässliche Angerer-Vertreterin.

Almuth Schult (Magdeburger FFC/20/0/0), Rückennummer 21: Holte mit den U 20-Frauen im vorigen Sommer den WM-Titel. Die Einzige im Kader ohne A-Länderspiel.

Abwehrspielerinnen

Bianca Schmidt (Turbine Potsdam/21/15/0), Rückennummer 2: Die Rechtsverteidigerin gehörte schon beim EM-Gewinn 2009 in Finnland zum Kader. Gewann im Vorjahr ebenfalls den U 20-WM-Titel.

Saskia Bartusiak (1. FFC Frankfurt/28/40/0), Rückennummer 3: Die Innenverteidigerin war schon bei der WM 2007 dabei. Inzwischen zur Stammkraft gereift.

Babett Peter (Turbine Potsdam/23/50/1), Rückennummer 4: Zuverlässige Außenverteidigerin mit WM- und EM-Erfahrung. Kann auf beiden Seiten spielen und ist daher nicht aus dem Team wegzudenken.

Annike Krahn (FCR Duisburg/25/65/4), Rückennummer 5: Kompromisslose Innenverteidigerin. Erkämpfte sich ihren Stammplatz nach einem Kreuzbandriss im August 2010 schnell zurück.

Linda Bresonik (FCR Duisburg/27/64/5), Rückennummer 10: Super-Technikerin, die wohl flexibelste Spielerin im Kader. Zuletzt von Achillessehnenproblemen gebremst.

Verena Faißt (VfL Wolfsburg/22/3/0), Rückennummer 15: Die Linksverteidigerin hat sich im letzten Jahr gut entwickelt. Ihr gehört die Zukunft.

Lena Goeßling (Bad Neuenahr/25/22/0), Rückennummer 20: U 19-Weltmeisterin 2004, eigentlich im Mittelfeld zu Hause. Erste Alternative für die Innenverteidigung.

Mittelfeldspielerinnen

Simone Laudehr (FCR Duisburg/24/40/8), Rückennummer 6: Die gebürtige Regensburgerin ist neben Kim Kulig erste Wahl im defensiven Mittelfeld. Kann auch auf den Flügeln spielen. Die Weltmeisterin scheut keinen Zweikampf.

Melanie Behringer (1. FFC Frankfurt/25/64/17), Rückennummer 7: Kann auf beiden Flügeln offensiv spielen, gefährliche Distanzschützin und Flankengeberin.

Celia Okoyino da Mbabi (Bad Neuenahr/22/54/10), Rückennummer 13: Dribbelstark und zielstrebig. Idealer Joker, kann beide offensiven Außenpositionen und im Sturmzentrum spielen. Eine der Gewinnerinnen der Vorbereitung.

Kim Kulig (Hamburger SV/21/23/6), Rückennummer 14: Die Europameisterin und U 20-Weltmeisterin spielt auf der "Sechs". Sehr präsent, gute Freistoß- und Distanzschützin. Wechselt im Sommer nach Frankfurt.

Ariane Hingst (1. FFC Frankfurt/31/172/10), Rückennummer 17: Berliner Frohnatur, kämpfte sich nach Knieverletzung wieder heran. Will zum Abschluss ihrer Karriere den dritten WM-Coup nicht verpassen.

Kerstin Garefrekes (1. FFC Frankfurt/31/125/41), Rückennummer 18: Zweimalige Weltmeisterin. Seit Jahren Stammspielerin auf der rechten Offensivseite und sehr torgefährlich.

Fatmire Bajramaj (Turbine Potsdam/23/46/8), Rückennummer 19: Dribbelkünstlerin und begehrter Werbestar. Ständiger Unruheherd im gegnerischen Strafraum, kommt meist über links. Muss gegen Behringer um ihren Platz kämpfen.

Stürmerinnen

Inka Grings (FCR Duisburg/32/89/62), Rückennummer 8: Stürmerin mit eingebautem Torinstinkt. Unverzichtbar im Angriffzentrum. Trickreich, schnell und eiskalt im Abschluss. Zudem kopfballstark.

Birgit Prinz (1. FFC Frankfurt/33/211/128), Rückennummer 9: Rekordnationalspielerin und Leitfigur. Hält fast alle Bestmarken. Will ihre einmalige internationale Fußball-Karriere mit dem dritten WM-Titel beenden.

Alexandra Popp (FCR Duisburg/20/11/7), Rückennummer 11: Star der U 20-WM als beste Spielerin und beste Torschützin (10 Treffer). Druckvoll, präsent, durchsetzungsstark. Glänzte zuletzt als Einwechselspielerin.

Martina Müller (VfL Wolfsburg/31/92/30), Rückennummer 16: Fast nie in der Startelf, aber der "Torjoker" schlechthin. Erfahren, laufstark und eiskalt im Abschluss. War schon bei den WM-Erfolgen 2003 und 2007 dabei.

Zum Special zur Frauen-Weltmeisterschaft 2011 in Deutschland.

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