Ärzte Zeitung online, 20.06.2011

Kanada, Nigeria, Frankreich: So gefährlich sind die deutschen Gegner

Kanada blieb in der Qualifikation ohne Gegentor, Frankreich ohne Niederlage. Und Nigeria kommt als achtmaliger Afrika-Meister zur WM nach Deutschland. Die drei Gruppengegner der deutschen Fußballerinnen haben alle ihre Stärken und wollen es dem Favoriten schwer machen.

Kanada, Nigeria, Frankreich: So gefährlich sind die deutschen Gegner

Den Ball fest im Blick haben Nationalspielerin Bianca Schmidt (r.) und Ebere Orji aus Nigeria. Die beiden Fußballerinnen könnten am 30. Juni aufeinander treffen.

© dpa

NEU-ISENBURG (ths). Auf dem Blatt Papier scheint es klar, dass die deutschen Damen die Gruppe A der Fußball-WM gewinnen. Als ehrgeiziger und aktueller WM-Champion, der zudem im eigenen Land die Mehrheit der Zuschauer im Rücken hat, ist ein Weiterkommen Pflicht.

Doch wenn es dann auf dem Rasen um die begehrten WM-Punkte geht, können manche Außenseiter über sich hinaus wachsen. Anlagen dafür bringen alle drei deutschen Vorrunden-Gegner mit: Kanada überstand die Qualifikation ohne Gegentor, Frankreich verlor auf dem Weg zur Endrunde nicht einmal und Nigeria ist Rekordtitelträger der Afrika-Meisterschaft.

Kanada (26. Juni, Anpfiff um 18 Uhr in Berlin)

Die Fußballerinnen aus Kanada sind souverän durch die Qualifikation marschiert. In der CONCACAF-Gruppe blieben sie in fünf Spielen ohne Gegentor und trafen dabei 17 Mal ins Schwarze. Im Finale glückte ein 1:0 über Mexiko.

Bei der WM 2003 erreichten die Kanadierinnen den 4. Platz. Bei allen anderen WM-Endrunden war bereits nach der Vorrunde Schluss.

Die deutsche Elf hat bislang eine makellose Bilanz gegen das Team von Trainerin Carolina Morace: In neun Partien gelangen neun Erfolge, zuletzt ein 5:0 im September 2010. Dennoch warnt Bundestrainerin Silvia Neid davor, den Gegner zu unterschätzen, schließlich seien die Kanadierinnen körperlich sehr präsent und in der Defensive gut organisiert.

Kopf der Mannschaft, die derzeit auf Platz 6 der Weltrangliste steht, ist Christine Sinclair. Die Angreiferin ist Rekord-Nationalspielerin und sehr torgefährlich. Mit ihrem Klub Western New York Flash führt sie derzeit die US-Meisterschaft an.

Nigeria (30. Juni, Anpfiff um 20:45 Uhr in Frankfurt/Main)

Die Kickerinnen aus Nigeria sind auf dem schwarzen Kontinent das Maß der Dinge. Bei acht der neun Afrika-Meisterschaften jubelten am Ende die "Super Falcons". Im Finale 2010 feierten sie einen 4:2-Erfolg über Äquatorialguinea.

Doch jenseits des eigenen Kontinents glückte nicht viel. Nigeria mischte zwar bei allen fünf WM-Endrunden mit, überstand aber nur 1999 die Vorrunde. Dass die Westafrikanerinnen eine gute Nachwuchsarbeit haben, bewiesen sie mit dem 2. Platz bei der U20-WM 2010.

Um sich optimal auf die anstehende WM vorzubereiten, holte sich Nigeria Unterstützung aus Deutschland. Thomas Obliers, Ex-Coach des Bundesligisten SC Bad Neuenahr, heuerte im April als Sportlicher Leiter an.

Bundestrainerin Silvia Neid bezeichnet die Auswahl von Trainerin Eucharia Uche als unberechenbar. Offensichtliche Schwächen hat Nigeria in der Defensive, wie die 0:8-Klatsche gegen die deutsche Mannschaft im November 2010 beweist.

Die gefährlichste Spielerin heißt Perpetua Nkwocha. Die Angreiferin, die für den schwedischen Klub Sunnana SK auf Torejagd geht, wurde 2004 und 2005 zu Afrikas Fußballerin des Jahres gewählt.

Frankreich (5. Juli, Anpfiff um 20:45 Uhr in Mönchengladbach)

Die Französinnen sind zum zweiten Mal bei einer WM-Endrunde am Start. 2003 reisten sie nach der Gruppenphase wieder nach Hause. Der Weltranglisten-Achte überzeugte in der Qualifikation und blieb in zwölf Partien ohne Pleite.

Das Gefühl, Deutschland besiegt zu haben, kennen die Kickerinnen aus dem Nachbarland. In neun Spielen gab es für sie zwar sieben Mal auf die Mütze, doch bei zwei Spielen glückte der große Wurf.

Weitere Zuversicht für das anstehende Duell schöpft Frankreich aus der vergangenen Champions-League-Saison, denn Trainer Bruno Bini hat zehn Spielerinnen von Olympique Lyon im Kader, das Turbine Potsdam im Finale der "Königsklasse" mit 2:0 besiegte.

"Dieser Erfolg über ein deutsches Team hat gut getan. Er verleiht uns auch Rückenwind für die WM", sagte Abwehrchefin Laura Georges.

Rekord-Nationalspielerin Sandrine Soubeyrand ist die unumstrittene Führungsspielerin, obwohl sie im August 38 Jahre alt wird. In der Offensive ist Marie Laura Delie zu beachten, sie wurde im Frühjahr mit sechs Treffern Torschützenkönigin beim Zypern-Cup.

Bundestrainerin Silvia Neid schätzt das technische Spielvermögen der Französinnen, hat aber auch Schwächen im Zweikampfverhalten ausgemacht. Dort gilt es, im direkten Duell anzusetzen.

Zum Special zur Frauen-Weltmeisterschaft 2011 in Deutschland.

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