Ärzte Zeitung online, 22.06.2011

Birgit Prinz - Rekord-Torjägerin ohne Glamourfaktor

Birgit Prinz ist die erfolgreichste und bekannteste deutsche Fußballerin. Die Torjägerin kann ihrer glanzvollen Karriere bei der Fußball-WM einen weiteren Superlativ hinzufügen. Doch eigentlich mag sie es nicht, im Mittelpunkt zu stehen.

Von Ulrike John und Florian Lütticke

Birgit Prinz - Anti-Glamourgirl mit Sicherheitsabstand

Birgit Prinz hofft darauf, ihre Karriere mit dem dritten WM-Titel in Folge zu krönen.

© dpa

FRANKFURT/MAIN. Als Birgit Prinz bei einem PR-Termin vor eine Werbewand geschoben wird, setzt die deutsche Rekordnationalspielerin eine skeptische Miene auf.

Nein, die Frankfurterin liebt solche Auftritte nicht gerade. "Ich wollte sportlich immer ganz oben sein, das öffentliche Interesse ist der Preis dafür", sagt Prinz, die bei der Frauenfußball-WM ihre einzigartige Karriere mit dem dritten Titel krönen will.

Nicht griesgrämig und distanziert

Nadine Angerer kennt die "Weltfußballerin des Jahres" von 2003, 2004 und 2005 "gefühlte 100 Jahre".

Die DFB-Torhüterin sagt: "Sie wird manchmal als griesgrämig und distanziert hingestellt, aber das ist sie überhaupt nicht. Sie ist halt nicht so die Person, die sich in den Mittelpunkt stellt. Sie wird eher dahin gedrängt."

Vor ihrer fünften WM-Teilnahme ist Prinz, die in der Vorbereitung von einer Bänderdehnung im Sprunggelenk gebremst wurde, mit 14 Treffern alleinige Rekordtorschützin bei Endrundenturnieren.

128 Treffer in 211 Partien

In 211 Länderspielen hat sie mit 128 Toren eine sensationelle Bilanz. Während Michael Ballack (34) als früherer Kapitän der Männer-Nationalmannschaft auf dem Abstellgleis steht, ist die Stürmerin im Alter von 33 Jahren unangefochten Spielführerin.

"Man merkt, dass man älter wird. Nicht immer auf dem Sportplatz, aber so als Person merke ich es. Und das ist auch ganz gut so, ich wollte mich nicht mehr wie 18 fühlen", sagt sie.

"Aber grundsätzlich auf dem Sportplatz läuft es noch ganz gut, noch laufen mir die Jungen noch nicht davon."

Die Heim-WM war für sie der Grund, "die vergangenen Jahre weiter so hart zu trainieren".

"Star wider Willen"

Zum Glamourgirl taugt der "Star wider Willen" (Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung") bis heute nicht, aber Humor kann ihr keiner absprechen.

Auf die Frage, ob die jüngeren Teamkolleginnen wie Alexandra Popp, Kim Kulig oder Lira Bajramaj auch den nötigen Respekt zeigen, sorgt Prinz bei einem gemeinsamen Auftritt für Gelächter: "Normalerweise halten die fünf Meter Sicherheitsabstand. Ich weiß nicht, was Alex jetzt so nah neben mir tut."

Man gehe ganz normal miteinander um. "Wir schaffen es auch, die Jungen immer ganz gut zu integrieren. Wir treten als Mannschaft auf, und nicht als Junge und Alte. Eigentlich interessiert es die Öffentlichkeit mehr als uns."

Privat schottet sie sich ab

Wenn die Reporter Prinz in ihrem privaten Umfeld filmen wollen, machte die fünfmalige Europameisterin und neunmalige deutsche Titelgewinnerin immer die Tür zu.

Die Hobby-Tennispielerin und Leseratte ist froh, wenn sie - mit Brille - unerkannt am Main-Ufer entlangradeln kann.

PR-Termine sind für sie meist nur lästige Pflicht, schließlich hatte sie in den vergangenen Jahren mehr zu tun, als beim 1. FFC Frankfurt dem Ball nachzujagen. Die gelernte Physiotherapeutin ist inzwischen auch Diplom-Psychologin.

"Zum einen wollte ich mir Perspektiven für die Zeit nach der Karriere schaffen", erklärt sie. "Zum anderen war es mir immer zu einseitig, nur Fußball zu spielen." Sie wolle später schließlich nicht nur ihren Namen vermarkten.

Prinz könnte Geschichte schreiben

Das tut Prinz auch jetzt nicht: Bei der WM geht es ihr nicht darum, ihre persönlichen Bestmarken noch weiter in die Höhe zu schrauben - auch wenn sie wieder Geschichte schreiben könnte. Sollte sie ein Tor erzielen, wäre Prinz die erste Spielerin überhaupt, die bei fünf WM-Teilnahmen jeweils ins Schwarze traf.

Aber viel wichtiger ist für sie: "Tolle Spiele, volle Stadien, Begeisterung in Deutschland - wir wollen unseren Teil dazu beitragen."

Druck als Titelverteidiger und Gastgeber? "Die Fans machen uns keinen Druck", sagt Prinz.

Bundestrainerin Silvia Neid kann sich darauf verlassen: Wie groß der Hype um das deutsche Team auch sein sollte: Birgit Prinz lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. (dpa)

Zum Special zur Frauen-Weltmeisterschaft 2011 in Deutschland.

Topics
Schlagworte
Frauen-WM 2011 (67)
Personen
Michael Ballack (39)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Hohes Sterberisiko bei Ausbruch in der Adoleszenz

Wenn sich Typ-1-Diabetes in einem besonders vulnerablen Alter manifestiert, brauchen Betroffene viel Aufmerksamkeit. Sie haben ein hohes Risiko, an Komplikationen zu sterben. mehr »

100 Prozent Zustimmung

Die KBV-Vertreterversammlung präsentiert sich in neuer Einigkeit und richtet die Speere – wieder – nach außen. Klare Kante gegenüber dem Gesetzgeber und den Krankenhäusern. "Wir sind auf Kurs", meldete KBV-Chef Gassen. mehr »

Herz-Kreislauf-Risiko von Anfang an im Blick behalten!

Bei RA-Patienten sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen die wichtigste Todesursache. Die aktuellen Therapiealgorithmen zielen nicht zuletzt darauf ab, die Steroidexposition zu begrenzen. mehr »