Ärzte Zeitung online, 28.06.2011

Wenn Frauen bolzen

Die Frauen-WM begeistert die Fußballfans, doch viele wollen nicht nur zuschauen, sondern auch mitkicken - auf der Wiese, dem Parkplatz oder im Hinterhof. Das "Bolzen" war bislang eine Männerdomäne, doch mit der ersten Bolz-WM der Frauen, die in Kürze beginnt, könnte sich das ändern.

Von Timo Lindemann

Wenn Frauen bolzen

Veronica King (l), Vorsitzende von Dynamo Windrad, hält ein Plakat zur Bolz-WM hoch, während Helen Schönbrodt, Übungsleiterin für Mädchenfußball, den Ball kickt.

© dpa

KASSEL. Ein bisschen ungelenk sieht es manchmal schon aus, aber offensichtlich haben sie viel Spaß: Die Freizeit-Fußballerinnen von Dynamo Windrad, die "Dynamitas" aus Kassel, trainieren für die erste "Frauen-Bolz-Weltmeisterschaft".

Bolz-WM startet

Das inoffizielle Amateurturnier geht parallel zur Fußball-WM der Frauen über die Bühne - am kommenden Freitag (1. Juli) steht die Eröffnungsfeier auf dem Programm.

Die "Dynamitas", die die Bolz-WM organisieren, gehen mit Humor ins Rennen. "Wir sind untrainierbar, aber charmant", sagt Spielertrainerin Sabine Grünewald.

Bolzen? Zum Bolzen treffen sich Fußball-Begeisterte, die abseits von Ligen und Leistungsdruck einfach nur kicken wollen. Es gibt Männer- und Frauen-Teams, aber auch gemischte Mannschaften.

Ohne Schiedsrichter

Die Bolz-Regeln unterscheiden sich in einigen Punkten von den internationalen Fußballstatuten. Abseits gibt es nicht, gespielt wird mit einem Zeitnehmer, aber ohne Schiedsrichter.

"Das klären die Teams unter sich", erzählt die 41 Jahre alte Sozialpädagogin Grünewald. Die Bolz-WM für Männer gibt es schon seit Jahren. Sie wurde ebenfalls von Dynamo Windrad organisiert.

Unter dem Motto "Es muss noch mehr da draußen geben" haben die "Dynamitas" nun nach Freizeitkickerinnen gesucht - und sie gefunden. Rund ein Dutzend Teams mit etwa 100 Spielerinnen haben sich zu dem Turnier angemeldet.

"Es war nicht einfach, Spielerinnen zu finden, denn Freizeitfußball ist nicht organisiert", erklärt Alexandra Holz. Sie hat sich nach eigenen Angaben viel in Internet-Foren und Chats herumgetrieben und Werbung gemacht.

Spielerin aus Indien kommt

Zur WM können sich nicht nur Teams anmelden, sondern auch einzelne Spielerinnen. Das hat eine Spielerin aus Indien genutzt, die sich eigens für die Bolz-WM auf den Weg nach Kassel macht.

Zudem hatte sich ein Team aus Nigeria angekündigt, aber dem wurde die Ausreise verweigert. "Die Finanzierung stand, aber es gab Probleme mit dem Visum", berichtet Holz, die für die "Dynamitas" gegen den Ball treten wird.

Auch aus der Türkei sind Spielerinnen dabei, die meisten Teams kommen aber aus Deutschland.

Für Freitag ist zunächst eine Eröffnungsfeier geplant, am Samstag finden dann die Vorrundenspiele und tags darauf die Platzierungsspiele statt.

Außerdem gibt es eine Lesung zum Thema Fußball - und natürlich Public Viewing zur Frauenfußball-WM.

"Gewinnen wär‘ schon geil"

Ganz ohne Ehrgeiz geht es aber auch beim Bolzen nicht ab. "Gewinnen wär‘ schon geil", sagt Grünewald. Aber das stehe nicht im Vordergrund, "sondern Spaßhaben und das Miteinander". So werden außer dem Sieger auch die fairste Mannschaft und der schönste Torjubel prämiert.

Das Training der "Dynamitas" ist fast vorbei, als noch einmal eine Flanke von außen zur einschussbereiten Stürmerin geschlagen wird.

Doch die Torhüterin fängt den Ball ab - und entschuldigt sich bei der Stürmerin: "Oh, sorry, dass ich dir das Tor genommen habe." Das ist Bolzen. (dpa)

Zum Special zur Frauen-Weltmeisterschaft 2011 in Deutschland.

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