Ärzte Zeitung online, 29.06.2011

Nordkorea: Blitz ist schuld an Niederlage

Nordkoreas Trainer Kim verblüffte damit, wie er die 0:2-Pleite seiner Fußballerinnen im WM-Match gegen die USA erklärt.

Von Martin Kloth

Nordkorea: Blitz ist schuld an Niederlage

Kwang Min Kim, Trainer der Frauen-Nationalmannschaft Nordkoreas, überraschte mit einer verblüffenden Geschichte.

© dpa

DRESDEN. Es kam wie aus heiterem Himmel. Ein Blitz habe Nordkoreas Spielerinnen vor der Abreise zur Fußball-WM nach Deutschland getroffen, enthüllte Trainer Kwang Min Kim völlig unvermittelt.

Damit erklärte er die 0:2-Niederlage seines Teams am Dienstagabend im Spiel der Gruppe C gegen den politischen Erzrivalen USA.

Verblüffende Geschichte

"Die Torhüterin und vier Verteidigerinnen waren am meisten betroffen. Und auch einige Mittelfeldspielerinnen", berichtete Kim auf der anschließenden Pressekonferenz und erntete staunende Blicke.

Was als normale Spielanalyse nach der dritten Niederlage im vierten Duell mit den USA begann, endete als verblüffende Geschichte.

"In der ersten Halbzeit der Spielzeit war unsere Mannschaft ziemlich stark. In der zweiten Halbzeit hat dann die Kraft nicht ausgereicht, um unsere strategischen Maßnahmen umzusetzen", erklärte Kim und fügte an: "Obwohl sie nicht in der besten Verfassung waren, haben die Spielerinnen alles gegeben."

Zwei Gegentreffer nach der Pause

In der Tat hatten die Asiatinnen in der zweiten Halbzeit sichtlich abgebaut und die Gegentreffer durch Lauren Cheney (54.) und Rachel Buehler (76.) hinnehmen müssen.

"Grund war, dass ihre körperliche Kraft nicht ausgereicht hat. Es gab vor dem Spiel einige unerwartete physische Veränderungen. Unsere Spielerinnen fühlten sich nicht gut", erklärte Nordkoreas Trainer.

Enthüllung Stück für Stück

Seit ihrer Ankunft in Deutschland am 15. Juni zeigten sich die Asiaten öffentlichkeitsscheu. Umso mehr verwunderte die plötzliche Offenheit des strengen Herrn Kim.

Stück für Stück enthüllte er eine zuvor geheim gehaltene Geschichte, in der aus körperlichem Unwohlsein erst ein "kleiner Unfall" wurde und schließlich ein Blitzschlag.

Am 8. Juni hatte demnach während eines Testspiels in Pjöngjang ein Blitzeinschlag den Großteil seiner Mannschaft außer Gefecht gesetzt. "Mehr als fünf unserer Spielerinnen mussten ins Krankenhaus", erzählte der Trainer.

"Normale Menschen hätten das nicht geschafft"

Diese seien auch erst kurz vor WM-Beginn angereist. Offen bleibt, mit welcher Formation seine Mannschaft am 21. Juni in Halle/Saale den EM-Zweiten England mit 3:0 bezwungen hatte.

Ohne äußerliche Regung erzählte Kim von dem Vorfall. Er sei trotz der Niederlage zufrieden mit dem Auftritt seiner Mannschaft.

"Die Ärzte waren eigentlich der Meinung, dass die Spielerinnen nicht in der Lage sind, das Turnier hier zu spielen. Normale Menschen hätten das nicht geschafft. Aber meine Spielerinnen mit ihrem großen Willen haben trotzdem gespielt", sagte der Trainer.

Seine Ausführungen überraschten auch das US-Team. "Das ist das erste Mal, dass wir davon gehört haben", bekannte Top-Stürmerin Abby Wambach. (dpa)

Zum Special zur Frauen-Weltmeisterschaft 2011 in Deutschland.

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