Ärzte Zeitung, 15.03.2011

Bevölkerung sorgt sich um Strahlenschäden

Angst vor den Auswirkungen der Atomkatastrophe in Japan macht sich auch in Deutschland bemerkbar. Die Marker: Geigerzähler und Jodidtabletten finden ungeahnten Absatz.

Bevölkerung sorgt sich um Strahlenschäden

Dosisleistungsmessgeräte, hier im Einsatz zum Kontaminationsnachweis, sind derzeit viel gefragt in deutschen Fachmärkten.

© dpa

NEU-ISENBURG (run). Geigerzähler sind sonst eher ein Ladenhüter. Doch nach den Reaktorunfällen in Japan ist in deutschen Fachmärkten die Nachfrage nach Strahlungs-Messgeräten groß.

"Es gab eine immense Absatzsteigerung. Inzwischen sind alle Geräte ausverkauft", bestätigt eine Sprecherin des bundesweiten Elektronikfachmarktes Conrad.

Geigerzähler sind ausverkauft

Zwar seien Geigerzähler kein Massenartikel wie eine Glühbirne, insofern sei die absolute Stückzahl nicht exorbitant. Dennoch sei eine solche Nachfrage nach einem so speziellen Gerät aus dem Fachsortiment Umwelttechnik sehr ungewöhnlich, sagte sie zur "Ärzte Zeitung". Immerhin kostet ein solches Messgerät zwischen 300 und 500 Euro.

Doch die erhöhte Nachfrage ist offenbar nicht allein auf Deutschland beschränkt Auch im Nachbarland Österreich melden Zeitungen einen ungewöhnlichen "Run" auf Strahlungs-Messgeräte.

Neben Geigerzählern in Fachmärkten steigt außerdem derzeit in Apotheken die Nachfrage nach Jodtabletten. Einige Pharmagroßhandlungen haben seit Wochenbeginn einen erhöhten Absatz an Jodtabletten verzeichnet, wie auf Nachfrage zu erfahren war.

"Wir haben im Einkauf eine spürbare Zunahme an Bestellungen registriert, sodass wir bereits nachbestellt haben", so ein Sprecher der Anzag. Zunächst hätten vor allem Flughafenapotheken vermehrt geordert - was noch durchaus nachvollziehbar sei.

So hatte auch eine Berliner Apothekerin berichtet, dass viele Kunden die Tabletten für Freunde und Bekannte in Japan besorgten. "Inzwischen hat sich in einigen Niederlassungen der Absatz allerdings fast verzehnfacht", erklärte der Sprecher. Das sei kaum noch rational erklärbar.

Auch bei der Gehe Pharma stellt man in einigen Niederlassungen eine leicht erhöhte Nachfrage fest. "Von einem "Run" kann man aber nicht sprechen", sagte der dortige Unternehmenssprecher. Beim Großhändler Noweda wurde noch kein auffälliges Bestellverhalten registriert.

Kein Anlass zur Jodeinnahme

Auf die offensichtliche Sorge und die vielen Nachfragen aus der Bevölkerung hat auch die Bundesapothekerkammer reagiert. Sie verweist in einer Pressemitteilung auf die Gefahren durch eine nicht ärztlich indizierte Einnahme von Jodpräparaten.

Auch der Präsident des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS), Wolfram König, warnt angesichts der Atomkatastrophe in Japan vor Panik. Es gebe keinen Grund, hierzulande zusätzlich Jod als Notfallprophylaxe vor Strahlenschäden zu sich zu nehmen.

Zum Special "Katastrophe in Japan"

Topics
Schlagworte
Japan (438)
Unternehmen (10923)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Gefahr im Vekehr oder alles im grünen Bereich?

Patienten, die Cannabispräparate in Dauermedikation haben, dürfen am Straßenverkehr teilnehmen. Eine wissenschaftliche Debatte über ein erhöhtes Verkehrssicherheitsrisiko wurde noch nicht geführt. mehr »

Frau hat keinen Anspruch auf Schmerzensgeld

Hat eine Frau Anspruch auf Schmerzensgeld, wenn ein Arztfehler zu Impotenz des Mannes führt? Das OLG Hamm verneint – und gibt eine Begründung. mehr »

Tausende Pfleger ergreifen die Flucht

Großbritannien gehen die Pflegekräfte aus: Zu groß ist die Unzufriedenheit mit dem System. Sie zeigt sich zunehmend auch bei Patienten. mehr »